Der Brite Gary Blackburn vor seinem Centurion-Kampfpanzer

Brite mit Panzer im Streit mit deutschen Nachbarn

Donnerstag, 23. November 2017 | 07:00 Uhr

Viele Wanderer im Kasbachtal in der Nähe von Koblenz in Rheinland-Pfalz sind verblüfft. Aus heiterem Himmel kommen sie an roten Telefonzellen, einer lebensgroßen Queen-Figur und einem britischen 52-Tonnen-Panzer vorbei. Das spleenige Privatgelände “Little Britain” in Linz am Rhein hat schon Landtag und Innenministerium des deutschen Bundeslandes beschäftigt. Nachbarn sind erbost.

Der nach Deutschland eingewanderte Brite Gary Blackburn, Chef eines Baumpflegedienstes in der Umgebung, war 2016 “not amused” über die Brexit-Entscheidung in seiner Heimat. Als Antwort baute er ein kleines kostenloses Freilichtmuseum auf seinem Betriebsgelände an einem Wanderweg zum Rheinsteig. Die Hütte des legendären Räubers Robin Hood, Palast-Wachsoldaten, ein roter Briefkasten, Ritterrüstungen und alte englische Autos zeugen vom britisch-skurrilen Humor des 53-Jährigen.

Ende 2016 erblickte Blackburn bei einem ebenfalls außergewöhnlichen Fahrzeughändler im Westerwald das heutige Lieblingsstück seiner Sammlung: einen Centurion-Panzer aus den 1950er-Jahren. “So einen habe ich als Dreijähriger von meinem Vater als Spielzeug bekommen und geliebt. Ich habe deshalb den echten Panzer für 30.000 Euro gekauft”, erzählte der Engländer.

So manche Oldtimerclubs und Tausende Wanderer aus aller Welt hätten sein nicht eingezäuntes “Little Britain” bereits bestaunt. “Ein skurriler, aber interessanter Ort zu Beginn einer schönen Wanderstrecke”, heißt es in Blackburns Gästebuch für Besucher. Oder: “Ein Picknick mit der Queen hatten wir bisher noch nie – vielen Dank!”

Den Panzer hat Blackburn mittlerweile mit einem Schild zum “Mahnmal für Frieden und Freiheit” deklariert, geschmückt mit weißen Friedenstauben und roten Mohnblumen aus Plastik. Für seine unmittelbaren Nachbarn Andrea und Matthias Oppermann, Therapeuten mit Kursen wie “Spuren lesen” und “Was die Seele bewegt”, ist er ein rotes Tuch. Irritiert ist auch die örtliche Landtagsabgeordnete Ellen Demuth (CDU). “Panzer werden in so vielen Kriegen eingesetzt, das ist eine Verhöhnung aller Opfer”, kritisiert sie und hat auch eine Anfrage an die Mainzer Landesregierung gerichtet. Antwort des Innenministeriums: “Der Panzer steht auf einem Privatgrundstück und ist weder fahr- noch einsatzfähig.” Das “demilitarisierte Ausstellungsstück” falle somit nicht mehr unter das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Mit den örtlichen Behörden geht der Streit indes weiter. Der Brite setzt auf eine neue Lösung: Der Verkäufer seines Panzers könne ihn wieder zum Fahren bringen, weil vielleicht nur die Kupplung streike. Jedes Jahr ein paar Meter Bewegung – schon wäre der Panzer offiziell kein Bauwerk mehr. Apropos Fahrzeug: “Mein Traum wäre noch ein englischer Doppeldeckerbus”, sagt Blackburn. “Darin könnten dann die Wanderer picknicken.”

Von: APA/dpa