"Waidgerechtigkeit" ist Ausdruck einer ethisch korrekten Jagd

Ethisch richtig Wildtiere jagen

Dienstag, 28. Juni 2022 | 06:59 Uhr

Brixen – Professor Markus Moling ist einer der Lehrenden im Ethik-Lehrgang in Brixen. Er beschäftigt sich intensiv mit Umweltethik, ein Teilgebiet der Philosophie, das noch nie so aktuell war wie heute. Dazu gehört auch die Jagdethik.

Prof. Moling, was kann man unter Jagdethik verstehen?

Markus Moling: Die Jagd von Wildtieren ist ein menschliches Handlungsfeld und als solches, wie jedes andere auch, ist Jagen ethisch zu bewerten. Es gibt zahlreiche Aspekte der Jagd. In der Jagdethik geht es kurz gesagt um die Frage: Was ist hier ethisch vertretbar?

Jagdgegner argumentieren damit, dass der Mensch sich nicht über das Tier erhöhen und es deshalb nicht töten darf?

Es gibt Jagdgegner, die auch den Tierschutz und die Jagdethik kritisch sehen, da sie als Ausdruck einer Haltung gewertet werden, bei der sich der Mensch über das Tier erhöht. Jagdethik könnte aber auch eine Brücke zwischen Gegnern und Befürwortern bauen. Manche Jagdgegner interessieren sich durchaus für Jagdethik. Es stellt sich die Frage: Wie tötet man ein Wildtier?

Wie tötet man ethisch vertretbar ein Wildtier?

Schmerzfrei, in seinem Umfeld in der freien Natur und ohne dass es menschlichen Zwängen durch Haltungsbedingungen ausgesetzt ist.

Seine erste Jagd hat der Mensch mit brachialen Waffen angetreten. Heute gibt es raffinierte Waffen. Nun kommt auch die Jagdethik. Ist sie Ausdruck einer fortgeschrittenen Gesellschaft?

Wir sind durch den Wohlstand Tieren gegenüber durchaus sensibler geworden. Es gibt noch Gebiete, in denen die Menschen mit der Jagd überleben. Solange man ans Überleben denkt und Subsistenz-Jagd betreibt, ist das anders. In Mitteleuropa sind wir weit entfernt davon. Unsere Sensibilitäten sind ökologischer geworden, manchmal wirtschaftlicher Natur.

Was wäre ein ethisches Grundprinzip?

Wenn ich einen Hirsch erlege, dann handelt sich um Fleisch hoher Qualität. Wenn ich das Wildtier erlege, bin ich auch dazu moralisch verpflichtet, das Fleisch zu nutzen.

Wo müssen wir ethisch dazulernen?

Tiere brauchen ihre Lebensräume. Die Nutzung der Landschaften aber bestimmt der Mensch. Wir bauen, wir urlauben, wir wandern, wir fotograferen und nutzen unsere Landschaften auf vielerlei Art, fast uneingeschränkt. Damit prägen wir die Lebensräume von Wildtieren und schaffen Probleme. Der Jagdethik geht es auch darum zu sorgen, dass Wildtiere ihre Lebensräume behalten können.

Wie kann man Landschaften im Sinne der Wildtiere regeln?

Es braucht Ruhezonen, in denen wir den Wildtieren den Rückzug ermöglichen. Die Schweiz macht uns das vor. Ruhezonen, die nicht nur für JägerInnen gelten, sondern auch für den Tourismus. Im Studienlehrgang Ethik referiert dazu ein Schweizer Experte.

Jagd erfährt weniger Verständnis als die Nutztierhaltung …

… dabei ist sie nur die sichtbare Tötung von Tieren. Es gibt viele unsichtbare Formen, wie Tiere getötet werden, das Fleisch aus der Massentierhaltung, aus nicht artgerechten Tiertransporten soll ethisch wertvoller sein? Da scheint mir eine gesellschaftliche Doppelmoral da zu sein. Tagsüber gegen die Jagd anzureden und abends Schnitzel am Teller oder Meeresfrüchte zu genießen. Manche können sich die Frage stellen: “Wie konsequent bin ich selbst?” Nutztiere stellen uns ethisch vor andere Herausforderungen als Wildtiere, z.B. Tierhaltung.

Was schafft konkret den Anlass, sich mit Jagdethik auseinanderzusetzen?

Es ist Tatsache, dass der Druck auf die Wildtiere immer größer wird. Es gibt viele und immer mehr menschliche Interessen in den Lebenszonen von Wildtieren. Es wäre wichtig, dafür Regulierungen zu treffen.

Von: mk

Bezirk: Eisacktal

Kommentare

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14 Kommentare auf "Ethisch richtig Wildtiere jagen"


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Anonym_lol
Anonym_lol
Grünschnabel
1 Monat 12 Tage

Tiere zu töten ist immer zu verurteilen, egal ob in der Natur oder nicht.

traktor
traktor
Kinig
1 Monat 12 Tage

anonymloli@
ich hoffe sie essen kein fleisch ,fisch und tierprodukte…
sonst sind sie ein heuchler

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 12 Tage

Dir ist klar, dass der Mensch Allesfresser ist? Ob ich nun Hirsch esse, ein gemässtetes Schwein oder Würmer, ich würde immer Tiere töten.
Bin aber für ein Mittelmaß! Weniger Fleisch ist immer gut!

Anonym_lol
Anonym_lol
Grünschnabel
1 Monat 12 Tage

@traktor nein, ich Esse keine tierischen Produkte.

Anonym_lol
Anonym_lol
Grünschnabel
1 Monat 12 Tage

@N.G. es geht darum, dass man heutzutage keine Tiere mehr töten MUSS um zu überleben. Es gibt genug pflanzliche Alternativen um all die benötigten Nährstoffe aufzunehmen!

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

Wiedermal die “Jäger sind Mörder”-Mentalität. Aber dann müssten die ganzen Zuchtbetriebe für Schlachtvieh als KZ-Lager angesehen werden.

Allerdings sollten die Tiere die erlegt/gefischt werden auch als Nahrungsquelle und nicht bloss für Selfie & Trophäe verwendet werden.

wos woas i
wos woas i
Grünschnabel
1 Monat 11 Tage

@Anonym_lol aha und du muasch wirklich weil du kuane Tierische Produckte essn tuasch Sterbm wegen dir kuane Tiere?Wenn so a groase Erntemaschin so a groases Feld oberntn sterbm für dein essn weit mear Lebewesn als durch die Jogd in so an Getreidefeld lebm nämlich viele kleinstlebewesn de durch de grossen Maschinen sterbm.Denk mol drüber noch bevor du gscheid redsch!

Anonym_lol
Anonym_lol
Grünschnabel
1 Monat 10 Tage

@6079_Smith_W Genau, auch in Schlachtbetrieben werden Tiere grausam ermordet…

diskret
diskret
Superredner
1 Monat 12 Tage

Die brauchst alle nicht ,das regelt die Natur selber…

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 12 Tage

…nur mit Pfeil und Bogen ist es “nachhaltig”, um ein Modewort zu verwenden…
😜

The Hunter
The Hunter
Superredner
1 Monat 12 Tage

jo logisch regelt des die Natur. Durch Überpopolationund Kronkheitn wia z.B. Reude und Tollwut, wer Tiere an einer der 2 Kronkheintn amol gsechn hot Qualvoll sterbn denkt awian ondorst iborn Sotz ,,die Natur regelt des schun,,

Stolzz
Stolzz
Tratscher
1 Monat 12 Tage

In einer Naturlandschaft regelt sich die Natur selbst. Wir in Mitteleuropa leben aber schon lange nicht mehr in einer Naturlandschaft, sondern in einer von Menschen stark geprägten Kulturlandschaft, vielfach urbane Landschaft. Wir heute sogar weiter als je zuvor von einer Naturlandschaft entfernt.

Roby74
Roby74
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

@Stolzz
🔝👍🏻👏🏻Genau!So wie es bei uns ist kann sich die Natur gar nicht mehr alleine im Gleichgewicht halten,zuviel verbaut,ausgerottet,zerstört,vergiftet usw.!

kleinerMann
kleinerMann
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

Ethisch richtig töten. Lassen wir uns das mal auf der Zunge zergehen

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