Bruno Dionis du Sejour will Klagen über Landlärm eindämmen

Hahnenschrei und Schafsblöken sollen Kulturerbe werden

Samstag, 08. Juni 2019 | 07:30 Uhr

Der Hahnenschrei, das Blöken von Schafen und das Muhen von Kühen sollen in Frankreich nationales Kulturerbe werden: Das zumindest fordert Bruno Dionis du Sejour, Bürgermeister des 400-Seelen-Dorfes Gajac im Südwesten des Landes. Er will damit den weitverbreiteten Klagen über zu viel “Lärm auf dem Lande” die Grundlage nehmen.

Nach Einschätzung von Dionis du Sejour ziehen immer mehr Menschen vor Gericht, weil sie sich durch ländliche Geräusche gestört fühlen. In einer Gemeinde in der Nähe von Gajac verklagten etwa Bewohner einen Nachbarn, dessen Hahn “Maurice” in den frühen Morgenstunden laut kräht. Der Bürgermeister veröffentlichte deshalb einen offenen Brief. Er richtet sich an Anrainer “mehrheitlich städtischer Herkunft”, die aufs Land ziehen “und dort entdecken, dass Eier nicht auf Bäumen wachsen”.

Der Ortsvorsteher, der 40 Jahre lang als Landwirt gearbeitet hat, will aber nicht nur Tiergeräusche als Kulturerbe schützen lassen. Es geht ihm auch um Kirchenglocken, deren Läuten ebenfalls die Justiz beschäftigt. “Wer Glocken angreift, greift ein ganzes Dorf an”, empört sich Dionis du Sejour. “Wenn ich in die Stadt fahre, verlange ich ja auch nicht, dass Ampeln und Autos entfernt werden.”

Innerhalb weniger Tage hat der Bürgermeister für seinen Vorstoß mehr als 150 Unterstützer-Mails aus ganz Frankreich erhalten. Darunter auch die eines Abgeordneten der Pariser Nationalversammlung. Er will Dionis du Sejour helfen, beim Kulturministerium einen Antrag auf Schutz der ländlichen Geräusche zu stellen.

Von: APA/ag.