Ein entscheidender Charakterzug

Gänsehaut bei Musik? Nur mit passender Persönlichkeit

Samstag, 25. Juni 2016 | 09:44 Uhr

Logan – Ein wohliger Schauer, der bei einem großartigen Stück Musik über den eigenen Rücken läuft – das kennt wohl jeder. Falsch gedacht. Nur bei einem bestimmten Typus Mensch kann Musik Gänsehaut auslösen. Das zeigt eine neue Studie.

Ausschlaggebend ist demnach die Persönlichkeit des Menschen. Mitchell Colvert, Doktorand für Psychologie mit Schwerpunkt Musik an der Utah State University erforschte, warum manche Menschen beim Musikhören offenbar ganze Wellen der Euphorie spüren können und andere nicht. Seine Arbeit „Getting aesthetic chills from music: The connection between openness to experience and frisson“ wurde in der Mai-Ausgabe des Journals „Psychology of Music“ veröffentlicht.

Demnach sei ein ganz bestimmter Charakterzug entscheidend, und zwar die „Offenheit für Erfahrungen“. Wer offen für neue Erfahrungen offen ist und tief in die Musik eintaucht, kann sich glücklich schätzen. Denn nur bei zwei Dritteln aller Menschen kann Musik derartige Reaktionen überhaupt auslösen.

Was an der Musik Gänsehaut auslöst, scheint für die Forschung klar. Wie der Musikwissenschaftler Eckart Altenmüller von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover erklärte,  stelle sich der wohlige Schauer beim Musikhören „dann ein, wenn uns ein Stück nicht nur emotional fesselt, sondern auch überrascht: Das kann etwa durch eine originelle Wendung in der Melodie passieren, die wir nicht erwarten.“

Auch Colvert verweist auf den Überraschungseffekt und liefert als Beispiel den ersten Auftritt von Susan Boyle bei Britains Got Talent 2009 (im Video).

Doch warum reagiert der Körper überhaupt? Darüber ist sich die Wissenschaft nicht einig. Manche Forscher vermuten, die Gänsehaut sei ein Überbleibsel unserer haarigeren Vorfahren, um sich vor Kälte zu schützen. Bei einem plötzlichen Temperaturwechsel stellen sich die Haare auf und legen sich wieder hin, um Wärme zu speichern – beispielsweise nach einer unerwartet kühlen Brise an einem heißen Sommertag.

Seit die Menschheit Kleidung trägt, braucht der Körper diese Funktion seltener. Laut Colvert ist physiologische Struktur dahinter noch da und könnte neu verdrahtet worden sein. Gänsehaut trete nun als Reaktion zu emotional bewegenden Stimulatoren, wie Schönheit in Kunst oder der Natur auf.

Von: ©mk