Internationaler Weltflüchtlingstag am 20. Juni

“Helfen ohne Grenzen” hilft burmesischen Kindern

Samstag, 20. Juni 2015 | 07:41 Uhr

Bozen – Der 20. Juni ist der internationale Weltflüchtlingstag. Er ist der Tag, der den Flüchtlingen, den Asylsuchenden, den Staatenlosen und den Rückkehrern auf der ganzen Welt gewidmet ist, um auf ihr Leid aufmerksam zu machen und um ihre Hoffnung auf ein besseres Leben zu würdigen.

Das Jahr 2015 wird wahrscheinlich ein Jahr der Negativrekorde sein. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind aktuell weit mehr als 50 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Und hinter jedem dieser Flüchtlinge verbirgt sich ein trauriges Schicksal.

Die Südtiroler Hilfsorganisation „Helfen ohne Grenzen“ setzt sich seit 13 Jahren für Flüchtlinge ein: für burmesische Kinder und Jugendliche, die in Folge der grausamen Militärdiktatur nicht in ihrer Heimat aufwachsen konnten. „Das Wichtigste, das wir diesen Kindern und Jugendlichen schenken können“, sagt die Brixner Geschäftsführerin Karin Thaler „ist Bildung. Bildung verhilft ihnen nicht nur zum Glauben an sich selber. Wenn sie eines Tages in ihre Heimat zurückkehren können, werden sie dank ihrer Bildung besser in der Lage dazu sein, eine funktionierende Gesellschaft aufzubauen.“

Die Lage in Burma hat sich im vergangenen Jahr tatsächlich soweit entspannt, dass viele Flüchtlinge an Rückkehr denken können. Dank der kontinuierlichen Arbeit von „Helfen ohne Grenzen“ sind sie nun dazu bereit, Wissen, Werte und Menschenrechte mit in ihre alte Heimat zu nehmen. „Überall dort, wo Hilfe zur Selbsthilfe geleistet wird, steigt die Chance, dass Menschen künftig erst gar nicht zu Flüchtlingen werden müssen“, betont Karin Thaler. Das ist die beste Form von Entwicklungshilfe.

Die Projekte, die Helfen ohne Grenzen in den vergangenen Jahren in Thailand umgesetzt hat, haben mittlerweile Modellcharakter. Deshalb kooperiert seit diesem Jahr auch die UNESCO mit der Südtiroler Hilfsorganisation. Tausenden von Kindern, Jugendlichen und deren Familien hat Helfen ohne Grenzen durch sein Engagement eine Zukunft geschenkt.

“Menschen wie du und ich”

Die Not und das Leiden von weltweit knapp 60 Millionen Menschen auf der Flucht stehen im Mittelpunkt des Weltflüchtlingstages am 20. Juni. Für Soziallandesrätin Martha Stocker steht fest, dass die Flüchtlingswelle eine globale Herausforderung ist. "Trotzdem darf Südtirol die Augen nicht verschließen", appelliert Stocker an das Verständnis und die Hilfsbereitschaft für Flüchtende und Asylsuchende.

"Diese Menschen treten immer eine Reise ins Ungewisse an, sie gehen einen beschwerlichen und oft auch gefährlichen Weg, um ein Leben in einem neuen und sicheren Land zu beginnen", erinnert Landesrätin Stocker anlässlich des vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen ausgerufenen Aktionstages am 20. Juni. "Die lebensgefährlichen Überfahrten im Mittelmeer nehmen kein Ende, doch die Aussicht auf Frieden und eine gesicherte Existenz bewegen die Flüchtlinge dazu, ihre Heimat und ihre Familie zurückzulassen und ihr Leben zu riskieren", sagt Soziallandesrätin Stocker. Deshalb sei von allergrößter Wichtigkeit, diesem immer größer werdenden Problem die nötige Aufmerksamkeit zu schenken und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Der diesjährige Weltflüchtlingstag am 20. Juni trägt das Motto "Flüchtlinge – Menschen wie du und ich". Bereits im Vorfeld hat das UN-Flüchtlingswerk UNHCR seinen Jahresbericht  mit den aktuellen Zahlen zur weltweiten Situation von flüchtenden Menschen veröffentlicht: Die Steigerung der weltweit flüchtenden Menschen von 2013 auf 2014 war die höchste, die jemals im Laufe eines Jahres von der UNHCR festgestellt wurde. "Abgesehen von nackten Zahlen und erschreckenden Fernsehbildern dürfen wir eines nie vergessen: Dahinter verbergen sich ebenso viele Einzelgeschichten von Menschen, die getrieben von Hunger, Gewalt und Krieg ihre Heimat zurücklassen. Väter und Mütter, Kinder und ältere Menschen – Menschen wie du und ich –  die sich nichts mehr wünschen, als ein normales Leben in Sicherheit führen zu dürfen", beschreibt Martha Stocker die Hintergründe der Flüchtlinge, die ihr insbesondere in den vergangenen Wochen in vielen persönlichen Begegnungen geschildert wurden.

"Natürlich sollte Ziel der internationalen Bemühungen sein, das Problem an der Wurzel zu packen, doch ist das in den Herkunftsländern mit chaotischen Zuständen oftmals sehr schwierig", so Stocker. "Dies soll uns aber nicht davon abhalten, den flüchtenden Menschen auch in unserem Land Soforthilfe zu bieten und sie ein Stück des Weges zu begleiten. Denn eines verbindet uns mit ihnen: die Menschlichkeit", unterstreicht Stocker. Die Landesrätin bedankt sich anlässlich des Weltflüchtlingstages bei allen freiwilligen Vereinen und Helfern, die tagtäglich dazu beitragen, die Hoffnung und Sehnsucht dieser Menschen nach einem besseren Leben aufrecht zu erhalten.

Jugendring: Menschen- und Kinderrechte sind einzuhalten

„Es braucht mehr Sensibilität, wenn es um die Wahrung der Menschen- und Kinderrechte geht“, so Martina De Zordo, die Vorsitzende des Südtiroler Jugendringes (SJR). In Sachen Flüchtlinge müsse sich auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene einiges ändern. „Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die Genfer Flüchtlingskonvention sprechen eine klare Sprache“, so De Zordo.

Laut Menschenrechtserklärung und Flüchtlingskonvention hat jeder Mensch das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen. Zudem haben sich die Staaten dazu verpflichtet, Flüchtlinge nicht auszuweisen oder zurückzuweisen, wenn dadurch ihr Leben oder ihre Freiheit bedroht sind.

"Schutzsuchenden ist Schutz zu gewähren und gerade auch minderjährige unbegleitete Flüchtlinge haben besondere Rechte, denen Rechnung zu tragen ist. Für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge sind geeignete Unterbringungsmöglichkeiten außerhalb der Erstaufnahmezentren zu schaffen. Zudem haben Sie ein Recht auf Familienzusammenführungen. Diese Rechte sind umzusetzen“, so De Zordo.

"Für Flüchtlinge, die bei uns bleiben wollen, gilt es zudem Entfaltungsmöglichkeiten zu schaffen. Traumatisiert von wochen- oder gar jahrelanger Flucht brauchen diese Menschen soziale und psychologische Begleitungsmöglichkeiten, um wieder im Leben Fuß fassen zu können. Als Gesellschaft sollten wir uns daran messen, wie wir mit anderen umgehen und was wir anderen zugestehen. Gerade der Umgang mit Hilfe- und Schutzbedürftigen zeigt uns, welche Wertehaltung wir als Gesellschaft leben“, so De Zordo abschließend.

Von: ©lu/lpa

Bezirk: Eisacktal