Italienisches Außenministerium hat EURAC beauftragt

Mumien des Nationalmuseums Beirut unter Obhut der EURAC

Mittwoch, 01. April 2015 | 13:35 Uhr

Beirut/Bozen – Mit seiner Sammlung von Funden aus der Frühgeschichte bis zum 19. Jahrhundert ist das Nationalmuseum von Beirut eine der bedeutendsten Einrichtungen zur Kulturgeschichte des Nahen Ostens. Derzeit wird mit Unterstützung der italienischen Regierung an einem neuen Flügel des Museums gebaut. Nie zuvor ausgestellte Funde – darunter 800 Jahre alte Mumien – werden dort künftig zu sehen sein. Wie gut sie konserviert sind und wie sie am besten ausgestellt werden sollten, untersuchen zurzeit die Mumienexperten des Bozner EURAC-Instituts für Mumien und den Iceman, an die sich das Büro für internationale Zusammenarbeit des italienischen Außenministeriums eigens mit dieser Aufgabe gewandt hatte.

Vor Ort in Beirut hat Marco Samadelli, Forscher am EURAC-Institut für Mumien und den Iceman, in den vergangenen Wochen die neun Mumien eingehend analysiert. Er untersuchte, wie sie am besten gereinigt, restauriert und mit ihren ursprünglichen Kleidungsstücken wieder eingekleidet werden können ohne Schaden zu nehmen. Außerdem entnahm er mikrobiologische Proben, die seine Forscherkollegen im EURAC-Labor für antike DNA in Haslach in Bozen auf jene Pilze hin untersuchten, die für den Gewebezerfall verantwortlich sind.

„Die Mumien sind unter recht guten raumklimatischen Bedingungen aufbewahrt worden. Nach den ersten Reinigungs- und Restaurierungsarbeiten gehe ich fest davon aus, dass sie trotz gewisser Schäden noch ausgestellt werden können“, erklärt Samadelli.

Gefunden wurden die Mumien in einer Höhle in der Nähe von Beirut in den 80er Jahren. In Baumwolltücher eingewickelt, lagern sie seit über 30 Jahren unberührt in den Kellerräumen des Museums. Die Verantwortlichen des Museums und des italienischen Ministeriums haben die Mumienexperten der EURAC in Bozen kontaktiert, um Klarheit sowohl über den Zustand der Mumien zu gewinnen als auch darüber, wie sie im neuen Bereich des Museums ausgestellt werden können. Dieser soll Ende des Jahres eröffnet werden.

Nach einer ersten Einschätzung handelt es sich um neun weibliche Mumien, davon zwei Erwachsene und sieben Kinder. Die genaue Datierung und die Todesursache können die Wissenschaftler erst nach umfangreicheren Untersuchungen feststellen. Das Museum ist auch an einer anthropologischen Studie zu den Mumien interessiert, um mehr über die Gesellschaft herauszufinden, der sie angehörten. „Ausgehend vom Fundort der Mumien und von der Annahme, dass es eine Gruppe von Frauen war, könnte man zum Beispiel vermuten, dass sie in der Höhle Schutz vor einer Gefahr gesucht haben“, erklärt Albert Zink, Leiter des EURAC-Instituts für Mumien und den Iceman.

Das italienische Ministerium wird in Kürze entscheiden, ob es das Museum bei weiteren Studien finanziell unterstützt. „Mit einer weiteren Zusammenarbeit könnten wir unsere wissenschaftliche Arbeit an den Mumien vertiefen und Geschehnisse aus dieser Zeit rekonstruieren. Gleichzeitig können wir damit einen wichtigen Beitrag leisten, um die Landesgeschichte im Libanon aufzuwerten“, so Zink.

Nachdem die Mumienexperten nun die weiteren Schritte vorbereitet haben, werden sie beim nächsten Aufenthalt in Beirut – voraussichtlich im Mai – drei Mumien restaurieren, die dem breiten Publikum im Museum Ende dieses Jahres gezeigt werden.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen