Eingangstor von Dachau mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei"

Nachbau des gestohlenen Eingangstors von KZ-Gedenkstätte – VIDEO

Samstag, 18. April 2015 | 07:41 Uhr

Biberbach/Dachau – Wenn zum 70. Jahrestag der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau am 3. Mai Bundeskanzlerin Merkel und die anderen Gäste in die KZ-Gedenkstätte kommen,dann werden sie wieder durch das weltweit bekannte Eingangstor mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei" gehen können. Dass es sich dabei um einen Nachbau handelt, werden die meisten Gäste wohl nicht bemerken.

Dafür sorgt der Kunstschmied Michael Poitner aus dem benachbarten Biberbach. Unbekannte hatten das Tor in der Nacht zum 2. November 2014 gestohlen. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur: Und so beschloss der Stiftungsrat der Bayerischen Gedenkstätten, das Tor nachbauen zu lassen. Für den Kunstschmied Poitner war das auf den ersten Blick eine schwierige Aufgabe.

"Zuerst habe ich mir schon Gedanken gemacht über das Thema, dass ich hier einen nationalsozialistischen, ziemlich zynischen Schriftzug nachbaue. Letzten Endes ist mir aber doch klar, dass das Ganze für eine Gedenkstätte ist, wo 800.000 Besucher jedes Jahr daran denken, dass so ein Holocaust nicht wieder passieren soll. Und da gehört dieser Zynismus auch dazu und da gehört meiner Meinung dieser Schriftzug auch hin, dass man den auch lesen kann und etwas nachempfinden kann, was da passiert ist."

Mit Hilfe von Fotos und Dokumenten hat er sich dem Tor genähert.Sorgfältig skizzierte der 36-Jährige die Tür in Originalgröße auf eine riesige Pappleinwand. Seiner Meinung nach wird man den Unterschied kaum sehen können. "Der Unterschied zwischen Nachbildung und Original ist eigentlich relativ gering. Wir wissen nicht ganz genau, ob das Rahmenmaterial die richtige Dicke hat, und im Millimeterbereich kann sich natürlich das eine oder andere unterscheiden. Aber man konnte anhand der Fotografien sehr, sehr genau recherchieren, wie das Tor ausgesehen hat."

Und die Maße des nachgebauten Tores sind beachtlich: es ist 1,87 m hoch, 93 cm breit und 108 Kilo schwer. Rund 65 Arbeitsstunden investierte Poitner gemeinsam mit seinen Kollegen in die geschichtsträchtige Tür.Das Konzentrationslager in Dachau wurde nur wenige Wochen nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler errichtet.Es war ursprünglich für politische Gefangene vorgesehen, unterstand der SS und diente als Vorbild für alle späteren Konzentrationslager. Über 200.000 Menschen aus ganz Europa waren hier und in zahlreichen Außenlagern inhaftiert. Bis zur Befreiung der Überlebenden durch US-Truppen am 29. April 1945 wurden dort mehr als 41.000 Menschen ermordet.

Von: Reuters