Neue Studie von in Südtirol und Innsbruck tätigen Forschern

Nur rascher Klimaschutz erhält Großteil der Schneetage in Alpen

Donnerstag, 23. Juni 2022 | 07:05 Uhr

Die in den vergangenen Jahrzehnten gestiegenen Durchschnittstemperaturen im Alpenraum sorgen schon heute vielerorts für weniger Schneesicherheit. Schwenkt die Welt nicht auf den Pfad der Begrenzung des Anstiegs im Sinne der Pariser Klimaziele ein, schmilzt der Anteil der Schneetage bis zum Ende des Jahrhunderts rapide dahin, wie Forscher aus Südtirol und Tirol berechneten. Besonders stark wäre der Schwund im Westen und Süden der Alpen, Österreich käme glimpflicher davon.

Die im Fachmagazin “Hydrology and Earth System Science” veröffentlichte Untersuchung reiht sich in eine Riege mehrerer wissenschaftlicher Veröffentlichungen ein, die den Alpenraum im Zentrum großer Veränderungen sehen. So hat etwa die an der Universität Basel tätige österreichische Ökologin Sabine Rumpf anhand von Aufnahmen aus dem All von 1984 bis 2021 eine starke Vegetationszunahme und ein leichtes Minus bei der Schneebedeckung über 1.700 Metern registriert. Wissenschafter von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), von MeteoSchweiz und Meteo-France haben kürzlich im Fachjournal “Climate Dynamics” gezeigt, dass durch die Erwärmung vor allem unterhalb von rund 1.500 Metern Seehöhe öfter Regen statt Schnee fallen bzw. der Schnee schneller wieder schmelzen wird.

Studienleiter Michael Matiu von Eurac Research in Bozen hat nun regionale Klimamodelle mit täglichen hochaufgelösten Satellitendaten aus insgesamt rund 20 Jahren gefüttert. Von der jeweiligen Schneelage ausgehend wurden dann die Prognosen unter verschiedenen Klimaszenarien in Richtung Ende des Jahrhunderts gerechnet.

Einmal gingen Matiu und der Ko-Autor der Studie, Florian Hanzer von der Universität Innsbruck, von einer starken Erwärmung von vier bis fünf Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau im von Frankreich bis Ostösterreich und von Süddeutschland bis Norditalien, Slowenien oder Südfrankreich reichenden Alpenbogen aus. Dieses Szenario würde laut Experten eintreten, wenn keine Anstrengungen zum Klimaschutz mehr ergriffen würden, sagte Matiu im Gespräch mit der APA.

Auf der anderen Seite stehen Modellierungen zu Entwicklungen, die den Pariser Klimazielen mit der angepeilten Erwärmung von 1,5 bis zwei Grad Celsius entsprechen. Unter dieser Annahme würden laut dem Wissenschafter in niedrigen Lagen rund ein Viertel der Schneetage verloren gehen. In rund 1.500 Metern Seehöhe gäbe es dann um ein Fünftel weniger Tage mit Schneebedeckung, in noch höheren Lagen wäre mit einem Verlust von rund einem Achtel oder rund 25 Tagen zu rechnen.

Bleiben die Treibhausgasemissionen aber ungebrochen hoch, würden auf rund 2.500 Metern gleich 76 Tage abhanden kommen, so die neuen Berechnungen. Auf ungefähr 500 Metern Seehöhe würde sich die Anzahl der Schneetage um 14 auf nur noch fünf verbleibende reduzieren. Würden die Emissionen hingegen eingedämmt, könnten dort der Untersuchung zufolge rund zehn Tage mit Schneebedeckung quasi gerettet werden.

Die Situation der nördlichen und östlichen Alpen hat Matiu zwar nicht detailliert simuliert, es sehe aber danach aus, dass der österreichische Teil des Gebirges bei den Schnee-Reduktionen etwas besser davonkäme. “Die Änderungen sind für Deutschland und Österreich geringer als für Italien und Frankreich”, was vor allem die Effekte der starken Erwärmung betreffe. Gehe man allerdings von einem Plus von “nur” 1,5 bis zwei Grad aus, sind der Norden und der Süden ähnlich betroffen. Die Schneetag-Verluste lägen dann je nach Höhenlage recht ähnlich bei ungefähr 15 bis 30 Tagen.

Weniger Schneetage hätten jedenfalls Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit auch in Regionen abseits der Berge, da diese vielfach eng mit der Schneeschmelze in alpinen Gebieten verflochten ist. Selbst wenn viele Skigebiete weiter Kunstschnee produzieren könnten, käme es bei Wasser- und Energiemangel öfter zu Konkurrenzsituationen. Neben wirtschaftlichen Effekten würde die Umwelt der Alpen voraussichtlich massiven Verwerfungen ausgesetzt. Daher gelte es, die Veränderungen durch Klimaschutz möglichst zu begrenzen, so der Wissenschafter.

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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10 Kommentare auf "Nur rascher Klimaschutz erhält Großteil der Schneetage in Alpen"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
OrB
OrB
Universalgelehrter
13 Tage 4 h

Diesen Termin haben wir bereits verpasst.
Die Gier des Menschen nach Geld und Macht hat keinen Platz für Klimaschutz und Natur.

Doolin
Doolin
Kinig
13 Tage 2 h

…dafür haben wir ja die Schneekanonen…
🤪

Lorenzina
Lorenzina
Grünschnabel
13 Tage 2 h

Da sprichst du sicher von Dier🤔

Sigo70
Sigo70
Superredner
13 Tage 32 Min

Hieß es das nicht bereits in den 90er Jahren?

traktor
traktor
Kinig
12 Tage 22 h

die akws anschmeissen könnte ein erster sprung sein! der russe kann sein gas inhalieren und das klima hat damit kein problem!! eine win-win situation, bis wir autark sind

genau
genau
Kinig
12 Tage 20 h

Man kann ein Gasfeld nicht einfach von jetzt auf Gleich zudrehen.

Wenn das Gas keinen Abnehmer findet wird es eben abgefackelt.
Dann hast du dein geliebtes Klima!🤣

falschauer
13 Tage 2 h

da ein schritt in richtung klimaschutz nicht von heute auf morgen getan werden kann und dies aus wirtschaftlichen gründen auch nicht gewollt ist, sind wir bereits auf dem absteigenden ast und das schlimme dabei ist zudem, dass wir die folgen viel früher zu spüren bekommen als von der wissenschaft prognostiziert

Grantelbart
Grantelbart
Universalgelehrter
13 Tage 2 h

Oje na wenn der Tourismus drunter leiden könnte, muss aber wirklich gehandelt werden. Schluss mit lustig!

ieztuets
ieztuets
Tratscher
12 Tage 23 h

wenn sell davon obhäng, ischs sowieso schunn zu spot und die Schneekanonen brauchn holt a Kälte, a wennse schunn foscht ba +Grade funktioniern!

Staenkerer
12 Tage 21 h

noch johrelongen bla bla und x unnütze ober sauteure klimagipfel brauchts jetz a nit mit weiteren nla, bla panik mochn! jetz gheart a imsetzboret plan aufn tisch und der nor noch kräften umzusetzn!
ober do beim umsetzn a bauern und turistiker es ihre dazua tien wern müśen, sich i schworz ….

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