Die Online-Weinproben sind in der Pandemie populär geworden

Online-Weinproben liegen in Deutschland im Trend

Mittwoch, 17. März 2021 | 14:30 Uhr

Wer hätte vor der Pandemie geglaubt, dass Weinfreunde so viel Spaß daran haben würden, sich zur Verkostung mit einem Winzer vor dem Bildschirm zu verabreden? Doch aus dem Notnagel wurde ein Renner.

Alexander Kohnen lässt den strohgelben Blanc de Noir mit Schwung im Weinglas kreisen und fordert in die Kamera auf: “Nehmt einen kleinen Schluck und stellt fest, ob ihr einen trockenen Wein habt oder einen halbtrockenen. Das merkt ihr an der Zungenspitze.” Mehr Säure mache sich am Speichelfluss bemerkbar, der an den Zungenrändern herausfließt, erklärt der Inhaber des International Wine Institutes Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Die Online-Weinproben liegen im Trend und werden pandemiebedingt täglich populärer. Das Deutsche Weininstitut (DWI) hat bereits 160 Winzer aus den 13 deutschen Weinanbaugebieten sowie Veranstalter virtueller Weinproben in einer Anbieterliste aufgeführt, die Online-Tastings veranstalten.

Winzer wurden überrascht von der Resonanz

“Viele Winzer wurden überrascht von der großen Resonanz. Ich denke sogar, die Online-Weinproben sind gekommen, um zu bleiben”, sagt DWI-Sprecher Ernst Büscher. Er hat beobachtet, wie sich Weingüter und Winzergenossenschaften raketenartig professionalisiert haben – sowohl bezüglich des Equipments als auch hinsichtlich der Präsentation.

Oftmals verbleiben die Weinverkostungen im Netz. “So kann man die Probe zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen, wenn man nicht alle Weine an einem Abend verkosten möchte oder wenn man sich mit Freunden erneut zu einem Wein-Tasting verabredet”, erklärt Büscher.

Ganz nebenbei gibt es bei den Online-Testings auch reichlich Tipps, sich einem Wein zu nähern. “Wenn man ungeschwenkt in das Glas hineinriecht, bekommt man erstmal das Reine, was als erstes abdampft”, sagt Alexander Kohnen zum Blanc de Noir. Das sei meist das Aroma, was aus dem Weinberg und der Traube kommt. “Wenn ich dann schwenke, trifft die warme Luft auf den Glasboden. Der Sauerstoff zieht nach oben und die Aromen können andocken”, erklärt Kohnen und lässt das Glas in seiner Hand kreisen.

Dabei tue auch die Form des Glases etwas für den Wein. Für einen Blanc de Noir empfiehlt der Ahr-Experte etwa Gläser mit einer kleinen Kuppe: “Die hat den Vorteil, dass die Kühle lange im Glas erhalten bleibt.” Ein enger Rand des Glases wiederum bestimmt die Fließgeschwindigkeit, mit der der Wein auf die Zungenspitze trifft.”

Welche Speisen passen zu welchen Tropfen?

Praktisch sind auch Empfehlungen, welches Essen zu welchem Tropfen passt. Kohnen fällt zum Beispiel beim Blanc de Noir sofort zweierlei vom Perlhuhn ein. Also Brust und Keulchen, dazu Blattsalate mit einem Himbeer-Grapefruit-Dressing.

Auch über Geld sollte man reden: Die eigentlichen Verkostungs-Events sind kostenlos. Zahlen muss man allerdings für den Wein. Je nach Anzahl der zu besprechenden Flaschen muss in der Regel mit 40 bis 60 Euro gerechnet werden. Manchmal bieten Winzer auch Schnupperpreise.

Käse, Weißbrot, Speckpflaumen bereithalten

Es gebe mittlerweile auch virtuelle Verkostungen, die mit Schlemmerpaketen gekoppelt sind – entweder zum Vorkochen direkt zum Tasting oder gleich mit Direktlieferungen vom Partner-Gastronomen, berichtet Ernst Büscher.

Er empfiehlt zur Vorbereitung auf speisenfreie Verkostungen ein bisschen Weißbrot und Käse für zwischendrin bereitzustellen. Eher Weichkäse zum weißen und bevorzugt Bergkäse zum roten Wein. Auch mit Speck ummantelte Pflaumen und Datteln seien gute Weinbegleiter.

Weiß- und Roséweine rechtzeitig kaltstellen

Nicht vergessen werden sollte, rechtzeitig vor der Verkostung Rosé- und Weißweine natürlich gut zu temperieren und Rotweine atmen zu lassen, erinnert Ernst Büscher. Wenn einem das erst einfällt, wenn die Verkostung beginnt, sei das Erlebnis leider getrübt.

Bei Weinverkostungen mit mehreren Hundert Teilnehmern fasst meist ein Moderator die Fragen und Kommentare zusammen. Das gibt dem Event oft eine ganz eigene Dynamik. Da kommt es schon mal vor, dass noch über den Anteil der Steillagen oder den Vorzügen vom Anbau auf Schiefer gesprochen wird, der Moderator aber dazwischenfunkt: “Es häufen sich gerade die Anfragen, ob man sich schon einschenken soll?”

Eingeschenkt werden soll auf jeden Fall bei den kommenden zwölf Weinentdecker-Seminaren über weitere deutsche Weinanbaugebiete, die monatlich bis März 2022 folgen.

Von: APA/dpa

Kommentare

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7 Kommentare auf "Online-Weinproben liegen in Deutschland im Trend"


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Offline
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Universalgelehrter
25 Tage 29 Min

Ich wollte auch teilnehmen, konnte aber den Wein nicht übers Internet “probieren” 😉 Wahrscheinlich war die W-LAN Leitung 🙈 falsch angeschlossen….🤣🤣🤣🤣

PuggaNagga
25 Tage 10 Min

Online Wein saufen?
Stell ich mir etwas trocken vor. Aber wenn es einen Rausch gibt, wieso nicht?

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
24 Tage 22 h

@PuggaNagga
Da kanns einen ordentlichen Rausch geben. Die Geschäftsidee ist pfiffig: Teilnehmer buchen den Online-Kurs + Kiste der dort verkosteten Spirituosen. Oder Kochkurs und Speisezutaten. Kostet dann locker an die 100 €.

DontbealooserbeaSchmuser
24 Tage 21 h

Früher war allein zuhause vor dem Bildschirm saufen weniger angesehen als heute 😜

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
25 Tage 24 Min

Sehr schön war auch unsere Online-Bierverkostung und der Sensorik-Kurs.

Burgltreiber
Burgltreiber
Superredner
24 Tage 19 h

Online Wein des Jahres Corona Barrique ein Jahr im Fass eingesperrt!

Savonarola
24 Tage 18 h

Speckpflaumen

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