Kren in geriebener Form soll gegen Rheuma helfen

Produkthaftungsrichtlinie greift nicht bei “Krone”-Kräuterpfarrer

Montag, 14. Juni 2021 | 07:35 Uhr

Gegen einen fehlerhaften Gesundheitstipp des “Krone”-Kräuterpfarrers kann laut einem am Donnerstag veröffentlichten Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) nicht erfolgreich nach der Produkthaftungsrichtlinie geklagt werden. Hintergrund ist die Beschwerde einer Leserin des Kleinformats: Sie hatte wegen eines Fehlers in der bekannten Kolumne stundenlang geriebenen Kren aufgetragen und dadurch eine “toxische Kontaktreaktion” erlitten.

Die Klägerin hatte rheumatische Schmerzen im Sprunggelenk und hielt sich an den Rat von Kräuterpfarrer Benedikt aus dem Jahr 2016, diese mit geriebenem Kren zu bekämpfen. Allerdings war dem Kräuterpfarrer ein Tippfehler unterlaufen – in dem der Redaktion übermittelten Originalmanuskript, wie “Krone”-Anwalt Gottfried Korn gegenüber der APA sagte -, und die Einwirkzeit war nicht in Minuten, sondern in Stunden angegeben. Und daher habe sie eine “toxische Kontaktreaktion” erlitten, erklärte die Klägerin. Sie vertrat die Ansicht, dass der Verlag der “Kronen Zeitung” dafür hafte, und zwar gemäß der Produkthaftungsrichtlinie. Sie klagte unter anderem auf Schmerzensgeld.

Der Oberste Gerichtshof hatte daraufhin den EuGH um Klarstellung gebeten: Zu klären war, ob auch ein Druckexemplar einer Tageszeitung als fehlerhaftes Produkt nach der Richtlinie anzusehen ist.

Der EuGH kam nun zu dem Schluss, “dass ein Exemplar einer gedruckten Zeitung, die im Zuge der Behandlung eines Themas aus dem Umfeld der Medizin einen unrichtigen Gesundheitstipp zur Verwendung einer Pflanze erteilt, durch dessen Befolgung eine Leserin dieser Zeitung an der Gesundheit geschädigt wurde, kein ‘fehlerhaftes Produkt’ im Sinne der Richtlinie über die Haftung für fehlerhafte Produkte ist.”

Von: apa