Bergsteigerfilm soll große Hollywood-Produktion werden

Reinhold Messner will in vier Jahren Hollywood erklimmen

Sonntag, 09. Oktober 2016 | 10:20 Uhr

Die Bergsteigerlegende Reinhold Messner will es auf den höchsten Film- und Entertainment-Gipfel schaffen: Er sei zuversichtlich, dass in den nächsten vier Jahren aus einem von ihm geschriebenen Treatment für einen Bergsteigerfilm eine große Hollywood-Produktion werde, sagte Messer im Gespräch mit der APA. Ein einflussreicher Produzent habe sich bereits für fünf Jahre die Rechte daran gesichert.

Ein Jahr sei mittlerweile seit der Vertragsunterzeichnung vergangen, so Messner, der am 12. Oktober auf Servus TV mit seinem Dokumentarfilm “Still Alive” sein Debüt als Filmemacher bzw. Regisseur feiert. Bei dem möglichen Hollywood-Film handle es sich um eine “fiktiv gebastelte Geschichte”, die aus vielen wahren Geschichten zusammengesetzt sei – darunter auch solche, die er selbst erlebt habe, erklärte der 72-jährige Südtiroler. Gedreht werden soll unter anderem im Messner nicht ganz unvertrauten Himalaya.

“Der Produzent ist ein ähnlich schräger Vogel wie ich. Er ist vom Stoff fasziniert”, berichtete der Mann, der als erster alle 14 Achttausender bestiegen hatte. Trotz allem Optimismus ist sich Messner aber der Gesetzmäßigkeiten der amerikanischen Filmindustrie bewusst. An erster Stelle stehe dort das Kinokassenmagnet-Potenzial des Filmes und deshalb würden sich die Verantwortlichen auch zuallererst darum kümmern, Hollywood-Stars der ersten Reihe für das Projekt zu gewinnen. Namen bzw. nähere Details zu nennen – das ist Messner logischerweise vertraglich untersagt. Auch die Ausarbeitung des fertigen Drehbuches stehe noch an.

Doch während der Hollywood-Film noch Zukunftsmusik ist, steht “Still Alive” unmittelbar vor der Tür. Messner bringt die wahre Geschichte des jungen Mediziners und Tiroler Bergsteigers Gert Judmaier auf den Bildschirm, der im Jahr 1970 beim Abstieg vom 5.199 Meter hohen Mount Kenya in Ostafrika 30 Meter in die Tiefe stürzte und sich einen offenen Unterschenkelbruch zuzog. Damals eigentlich ein Todesurteil.

Judmaiers Bergkamerad Oswald Ölz versuchte trotz allem, vor Ort eine Rettungsaktion zu organisieren, die allerdings angesichts der damaligen Verhältnisse am zweithöchsten Berg Afrikas scheiterte. Tiroler Bergretter eilten daraufhin sechs Tage nach dem Unfall von Innsbruck aus nach Kenia, um in der bisher einzigen interkontinentalen Bergrettungsaktion das scheinbar Unmögliche möglich zu machen.

Judmaier und Ölz erzählen “im On und Off” die Geschichte der Rettung am Mount Kenya nach. Im Film dargestellt werden sie von den beiden Tiroler Top-Alpinisten Hansjörg und Vitus Auer. “Ich wollte keine moralische Heldengeschichte machen. Es geht um die Auseinandersetzung in der Psyche der Menschen, die am Rande ihrer Möglichkeiten stehen”, schilderte Messner. Ihn würden die “realen Emotionen” interessieren, denn: “Das Leben ist besser als unsere Phantasie”.

Der Südtiroler sieht “Still Alive” erst in zweiter Linie als Bergsteigerfilm. Es sei vielmehr ein dokumentarischer Spielfilm über Kameradschaft, Liebe, Freundschaft, Leben und Tod. Und er beinhalte auch eine Kernaussage, die wohl auch auf Reinhold Messners Leben zutrifft: “Es lohnt sich im Leben bis zum letzten Blutstropfen zu kämpfen”.

Der Begriff Freundschaft trifft übrigens auch auf Messners Beziehung zu Judmaier und Ölz zu. Und diese begann im Jahr 1970 mit einem Treffen in der Innsbrucker Klinik, als Messner gerade selbst mit frisch amputierten Zehen nach seinem Nanga Parbat-Abenteuer in einem Einzelzimmer lag und Judmaier, ein junger Arzt, eingeliefert wurde. Dabei erzählten dann Letzterer und Ölz, der auf Besuch kam, jene Überlebensgeschichte, aus der Jahrzehnte später “Still Alive” wurde.

Gedreht wurde der Doku-Spielfilm je zwei Wochen lang an Originalschauplätzen am Mount Kenya sowie im Südtiroler Sulden. Nach Drehbuch konnte bei diesem Film laut Messner nicht gearbeitet werden, sondern der Neo-Regisseur und sein Team operierten quasi nach den Vorgaben der jeweiligen Natur und Wetter-Bedingungen.

“Still Alive” markiert jedenfalls den Beginn von Messners “siebentem Leben”. Das Wort Karriere lehnt er ab. Der ein oder andere Gipfelsturm dürfte jedoch auch als Filmemacher willkommen sein.

Von: apa

Bezirk: Bozen, Eisacktal, Vinschgau

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