"Ja, es hat wehgetan"

Tattoo-“Freak” zieht Auto nur mit den Augenhöhlen

Samstag, 14. April 2018 | 08:10 Uhr

Gut ist es gegangen, nichts ist geschehen: Die Knochen schienen zwar ein bisschen unheimlich zu knacken und der allererste Ruck dürfte der schwerste gewesen sein, Extremkünstler Andrew Stanton überstand seinen grotesken Stunt aber offensichtlich unbeschadet. Mit seinen Augenhöhlen hat der US-Artist am Mittwoch vor der Wiener Stadthalle ein tonnenschweres Auto ein Stück weit transportiert.

Der weiße Dodge bewegte sich anfangs nur ganz zaghaft, dann rollte er doch die gesamte Länge der Halle D entlang. Mit an Bord: “Lucky Diamond Rich, seit 2006 der “meist-tätowierte Mann der Welt”. “Ja, es hat wehgetan”, gestand der skurrile Darsteller “Andrew S.” kurz danach im APA-Gespräch ein. Aber: “Sport schmerzt auch. Oder von neun bis fünf herumzusitzen – da spielt das Kreuz irgendwann nicht mehr mit”.

Andrew Stanton schockiert und unterhält gemeinsam mit Partnerin Kelvikta the Blade als “The Swing Shift Side Show” vor allem im US-Spielerparadies Vegas. Auch hierzulande ist er aus Fernseh-Talentshows bekannt, im Guinness Buch der Rekorde 2014 scheint der als “Mr. Screwface” im Rahmen der “längsten durch Nase und Mund geführte Metallspirale” auf. Heute hat sich das Duo auf historisch-klassische Jahrmarkt-Unterhaltung der Jahrhundertwende 1900 spezialisiert.

Der menschliche Körper hält Erstaunliches aus, bewies diese erstmals auf diesem Kontinent präsentierte schräge Höchstleistung. In diesem Fall überzeugten vor allem die Gesichtsknochen. Die Augenhöhlen des sehr asketischen Performance-Künstlers sind sehr stark ausgeprägt, bis zu einem gewissen Grad könne dies aber jeder lernen. Eine gewissenhafte Vorbereitung ist Voraussetzung – und das ideale Equipment.

Die benutzten Haken etwa, die dem schrägen Talent als Befestigung dienten, wurden speziell für diese Zwecke entwickelt und adaptiert. Was seine Mutter über diese Art, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, denkt? Im Gegensatz zu seinem Vater bringe sie es durchaus übers Herz, zuzusehen. “Sie will, dass ich glücklich bin und die Welt sehe.” Begonnen hat alles übrigens in jungen Jahren mit Schwertschlucken, wovon bei der Veranstaltung eine extreme Variante zu sehen sein wird – Blicks ins Innere inklusive.

Veranstalter Jochen Auer holt seit mehr als zwei Jahrzehnten die bizarren Attraktionen und Protagonisten rund um die permanente Körperkunst nach Österreich. Diese findet er auf der ganzen Welt – und vereint unterschiedlichste Besucher bei seiner “Wildystle & Tattoo Messe”, die auch das Rahmenprogramm sehr gut annehmen. Ob ältere Damen im Dirndl, distinguierte Herren im Anzug oder Enkerln mit ihren Großeltern, sie alle vereine das Interesse an den handverlesenen Künstlern, Tätowierern und Ausstellern aus fünf Kontinenten und mehr als 25 Ländern.

Von: apa