Die Bergung der sechs Tonnen schweren Tanne dauerte Wochen

Uralt-Baum aus Altausseer See geborgen

Freitag, 26. August 2022 | 08:30 Uhr

Eine rund 1.400 Jahre alte Weiß-Tanne ist im Zuge eines Forschungsprojekts aus dem Altausseer See (Steiermark) geborgen worden, teilten die Bundesforste am Donnerstag mit. Der Baum stammt aus dem seit den 1970er-Jahren bekannten Unterwasserwald mit rund 100 stehenden Baumstämmen mit Höhen von einem bis etwa 15 Metern. Mit dem Projekt sollen die Entstehungsgeschichte des Sees beleuchtet sowie Erkenntnisse zur Klimaentwicklung und der Mikroplastikbelastung gewonnen werden.

Über mehrere Woche zog sich die Bergung der in rund 18 Metern Tiefe stehenden und sechs Tonnen schweren Tanne. Im Gespräch mit der APA erklärte Projektleiter Erwin Heine, dass die Feuerwehr vier Versuche gebraucht habe, um den Uralt-Baum zu bergen. Mit Hebeballons, Seilbergung und Seilkran konnte man ihn schließlich ans rund 100 Meter entfernte Ufer bringen.

Weitere rund 100 Baumstämme befänden sich noch im See – von diesen wurden mittels Tauchroboter, Tauchern und einer Unterwassersäge Holzproben entnommen, die zeigten, dass die Bäume gleichen Alters seien. Mit der Bergung der Weiß-Tanne wollte man herausfinden, warum die Bäume unter Wasser stehen und mit der Zeit nicht am Boden liegen, begründete Heine die aufwendige Aktion. Der Wurzelkörper der Tanne zeigte, dass dieser durch Erd- und Steinablagerungen beschwert war, wodurch die Bäume im Wasser stehen. Unklar ist noch, wie diese in den See kamen.

Das Alter der geborgenen Tanne konnte durch eine Kombination der Untersuchung der Jahresringe (Dendrochronologie) und der C14-Methode, die den radioaktiven Zerfall und die bekannte Halbwertszeit des Kohlenstoffisotops nutzt, bestimmt werden: “Der Baum weist 247 Jahresringe auf und ist 859 nach Christi abgestorben”, hieß es in der Aussendung. Zu wachsen hat der Baum rund 600 nach Christi – also im Frühmittelalter – begonnen.

Laut Heine muss es im 9. Jahrhundert ein größeres Naturereignis gegeben haben, wie etwa einen Felssturz oder ein Erdbeben, was einerseits erklären könnte, warum die Bäume im See stehen und andererseits, warum alle zur gleichen Zeit abstarben. Bereits in den 1990er-Jahren untersuchte man Bäume im nahe gelegenen Atter- und Gosausee und stellte auch dort fest, dass Bäume im 9. Jahrhundert abstarben. Nun wolle man herausfinden, ob hier ein Zusammenhang bestehe, so der Projektleiter. Genauere Analysen seien aber noch ausstehend.

Nach einer Idee des renommierten, aus Österreich stammenden und 2019 verstorbenen US-Ozeanografen Walter Munk und unterstützt von der Walter Munk Foundation for the Oceans wird der Altausseer See seit 2019 gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien und den Österreichischen Bundesforsten erforscht. So wurde etwa mithilfe eines Fächerecholots ein 3D-Modell des Seebeckens angefertigt, das Sedimentformationen, größere Steine, Risse und Ähnliches im See zeige. Aktuell untersucht wird im Zuge des Projekts der Mikroplastikgehalt im See. Erste Ergebnisse weisen aber auf keine besonderen Abweichungen des Gewässers hin, so Heine.

(S E R V I C E – https://hydrography.boku.ac.at/lake-altaussee/)

Von: apa

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