"medianda" aus der Taufe gehoben

Wenn sich zwei streiten, hilft Mediation

Donnerstag, 02. April 2015 | 08:05 Uhr

Bozen – Konflikte gehören zum Menschsein dazu: in Ehe und Familie, unter Erben, bei Mietverträgen, in Nachbarschaft oder Schule, am Arbeitsplatz, zwischen Geschädigten und Versicherungen, im interkulturellen Umfeld. Damit Streit nicht in Gewalt ausartet oder unter großem Geld- und Zeitaufwand vor Gericht ausgefochten wird, bietet sich Mediation an: Mediation sucht mit Hilfe einer neutralen, allparteilichen, dritten Person nach konstruktiven Lösungen. Die Streitparteien sprechen in Anwesenheit von MediatorInnen fair und offen miteinander und entwickeln gemeinsam zukunftsträchtige Lösungen.

Unter dem Namen „medianda“ haben sich Mediatoren in Südtirol zu einer neuen Plattform zusammengefunden. Sie wollen über Mediation informieren, sensibilisieren, die Interessen der Mediatoren vertreten und für Qualität bei Aus- und Weiterbildung von Mediatoren eintreten. Am Donnerstag, 9. April startet „medianda“ mit einer südtirolweiten Inforeihe über Familienmediation in Schlanders.

Karl Tragust ist Vorsitzender der neuen Plattform „medianda“: „Am Anfang einer Mediation steht die Erkenntnis, dass die Konfliktpartner gemeinsam fähig sind, eine für alle akzeptable Lösung zu finden“, erklärt er. Das setze voraus, dass die beteiligten Streitparteien freiwillig in ein konstruktives Gespräch gehen und alle Meinungen und Sichtweisen gehört werden.

Mediatoren sorgen bei diesen Mediationsgesprächen als allparteiliche und neutrale Dritte für den nötigen Rahmen. Das ermöglicht es den Streitenden, fair und offen miteinander zu reden. Mediatoren schlagen keine Lösungen vor, sprechen auch keine Verurteilungen aus oder ergreifen Partei, sondern fassen als Hüter des Verfahrens das Gesagte immer wieder zusammen und „entwickeln“ eingefahrene Behauptungen. Sie suchen mit allen Beteiligten nach Wegen, die auch abseits der bisherigen Lösungsvorstellungen liegen.

Der neuen Plattform „medianda“ gehören Mediatoren an, die über eine anerkannte Ausbildung verfügen, aus verschiedenen Berufssparten kommen und bei Streitigkeiten, Mediation im ganzen Land in deutscher und italienischer Sprache anbieten. Karl Tragust betont: „Bei Mediation geht es um Einsicht, nicht um Rechthaberei. Es gibt keine Verlierer. Im konstruktiven Gespräch können beide Parteien nur gewinnen.“ Es gehe darum, Konflikte zu verstehen und den Konfliktparteien den nötigen Raum zu geben, um neue Lösungswege zu kreieren.

„medianda“ will die Südtiroler Bevölkerung über die Vorteile von Mediation informieren und aufzeigen, bei welchen Problemen sie besonders wirkungsvoll helfen kann. Mediation sei eine andere Denkweise, eine ungewohnte Form des Reagierens, erklärt Tragust. „Der Vorteil von Mediation ist, dass alle Interessen zum Tragen kommen, auch jene, die zum Beispiel bei einem Zivilprozess nicht berücksichtigt werden.“ Der Vorsitzende von „medianda“ sagt dazu: „Mediation ist eine verbale Methode. Die Streitparteien teilen sich Fakten und Gefühle mit und hören sich gegenseitig zu. Wir Mediatoren und Mediatorinnen sind dafür verantwortlich, dass das in richtiger Weise geschieht und tatsächlich die richtigen Konfliktpunkte herausgearbeitet werden.“ Mediation reduziere Verfahrens- und Konfliktfolgekosten, die Kosten sind nicht vergleichbar mit Rechtsanwalts- und Gerichtskosten, ist der Vorsitzende von „medianda“ überzeugt.

Die Mediatoren dieser neuen Plattform arbeiten auf Honorarbasis. Der Mediationsvorgang sei unbürokratisch und flexibel, Gesprächstermine werden gemeinsam vereinbart, die Öffentlichkeit werde nicht über die Medien informiert, betriebliche oder persönliche Geheimnisse bleiben gewahrt, erklärt seine Stellvertreterin, Rechtsanwältin Stefania Calabrò.

Stefania Calabrò betont: „Mediation beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit.“ Vertraulichkeit, Unparteilichkeit und Verschwiegenheit gehörten zu den Grundregeln. Mediationsverfahren seien bei Familienstreitigkeiten genauso sinnvoll, wie bei Problemen am Arbeitsplatz, im öffentlichen Raum, unter Erben oder Nachbarn, aber auch bei interkulturellen Problemen.

Mit einer zehnteiligen Veranstaltungsreihe informiert „medianda“ im ganzen Land über Mediation. Der Zyklus beginnt am 9. April in Schlanders und findet jeweils donnerstags um 20.00 Uhr statt. Die Infoabende stehen Arbeitenden im Sozialbereich, Lehrpersonen, RechtsanwältInnen, PolitikerInnen, VertreterInnen von Institutionen und Verbänden aus dem Sozialen, der Schule, der Wirtschaft, der Sozialpartner, Menschen in Konflikt- und Streitsituationen und allen Interessierten offen. Sie sind kostenlos und werden von einem Impro-Theater begleitet. Weitere Veranstaltungen gehen im April, Mai, September, Oktober und November in Bruneck, Bozen, Neumarkt, Meran, Sterzing, Brixen und Kaltern über die Bühne. Weitere Informationen finden Interessierte unter www.medianda.eu. „medianda“ steht auch anderen MediatorInnen offen, entsprechende Informationen sind ebenfalls auf der Webseite nachzulesen. Die Webseite konnte dank eines großzügigen Beitrages der Raiffeisenkasse Bozen realisiert werden.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen