Vermischtes

Appetit auf Klimaschutz [4:01]

Donnerstag, 30. Januar 2020 | 09:48 Uhr

Die Tomate schmeckt Leo ausgezeichnet, dabei wäre sie um ein Haar niemals auf seinem oder irgendeinem anderen Brot gelandet. Als nicht verkaufte Ware, mit kleinen Dellen und etwas verschrumpelt, wurde sie in einem Biosupermarkt aussortiert. Auch die anderen Lebensmittel, die sich auf einem Tisch der Jane-Goodall-Grundschule in Berlin-Friedrichshain türmen, waren eigentlich schon ein Fall für den Müll. Der Verein „Restlos glücklich” hat sie vor der Tonne gerettet. In einem Kochworkshop zeigen die Mitarbeiterinnen den Fünftklässlern nun, was man Tolles aus den Resten machen kann.

Mino und Kolja wissen schon, warum man kein Essen wegwerfen soll.

O-TON SCHÜLER MINO: “Ich hab’ auch eine Familie in Senegal, in Afrika und die haben halt nicht so viel Geld und nicht so viel Essen und die würden sich über ein Stück Apfel freuen.”

O-TON SCHÜLER KOLJA: “Weil das sehr, sehr, sehr schlecht für das Klima ist und in hundert Jahren wollen wir auch noch hier leben.”

Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung werden allein in Deutschland jährlich zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Nina Carryer, Bildungskoordinatorin von „Restlos glücklich” spricht sogar von 18 Millionen Tonnen und beruft sich dabei auf eine Studie des World Wildlife Fund.

Es ist tatsächlich so, dass ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel für den menschlichen Verzehr im Müll landen, das heißt, jedes dritte Lebensmittel. Wenn man überlegt, was man sich an Rohstoffen, an Klimagasen, die dabei entstehen, einsparen könnte, einfach indem man darauf achtet, dass man Lebensmittel wertschätzt und weniger verschwendet, dann kann man einen ganz großen Beitrag leisten

Also Lebensmittel als eine Art Food for Future? Nina Carryer findet die „Fridays-For-Future-Bewegung” in diesem Zusammenhang sehr spannend. Bei Klimaschutz werde oft nur über Reisen und Verkehr gesprochen.

“Der deutsche CO2-Fußabdruck, das sind ungefähr 20 Prozent Mobilität und 17 Prozent durch die Ernährung, also annähernd so viel, wenn man sich mal das überlegt. Und deswegen finde ich es sehr, sehr wichtig, gerade den jungen Menschen das nahezulegen, wie wichtig es ist, und auch darüber, sich bewusst zu sein, wie weit unsere Lebensmittel teilweise reisen und wie CO2 intensiv die Herstellung eigentlich ist. Und ich merke gerade heute in dem Workshop, dass wir super fitte Kids jetzt mit dabei haben, die schon viel über das Thema wissen. Und das ist einfach super wichtig, da schon früh anzusetzen. Wir hoffen natürlich auch, dass die Kinder das mit nach Hause nehmen, nach Hause tragen und dadurch vielleicht den Eltern noch ein bisschen etwas mitgeben. Was kann ich zu Hause tun, um weniger Lebensmittel zu verschwenden?”

Zum Beispiel nicht planlos einkaufen und vor allem Lebensmittel richtig lagern. Im Workshop lernen die Kinder das mit einem „Kühlschrankspiel”:

Dass Tomaten im Kühlschrank ihr Aroma verlieren, hat die 11-jährige Emma überrascht.

O-TON EMMA “Fast alle machen die Tomaten in den Külschrank rein. Und jetzt würde ich meiner Mutter erklären, dass man das nicht macht.”

Bleibt trotz Planung und Umsicht doch mal etwas übrig, heißt es, der Kreativität am Kochtopf freien Lauf zu lassen. Für uns, das Fernsehteam zu Besuch, hat der Fünftklässler Leo gleich einen Tipp:

“Vielleicht sollten Sie sich ein paar Rezepte aus dem Internet raussuchen. Was könnten Sie zum Beispiel Tomaten machen?”

Auf dem Menüplan des Workshops stehen an diesem Tag Bruschetta mit Tomate, Tortilla mit Salat und ein Schichtdessert aus Joghurt, Spekulatius und Lebkuchen. Klimaschutz kann also auch ganz schön lecker sein.

Die Problematik auf die Verbraucher abzuwälzen, hält Carryer aber nicht für richtig. Die Politik müsse klare Ansagen machen.

“Ein Ansatzpunkt wäre z.B. das Mindesthaltbarkeitsdatum, das geht auch immer groß durchs Gespräch. Brauchen wir das? Ist das sinnvoll? Das ist ja eigentlich nur eine Empfehlung von dem Hersteller und hat nichts damit zu tun, dass das dann schlecht wird, wenn dieses Datum abgelaufen ist.”

Das Bundesministerium für Ernährung hat im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung die Initiative „Zu gut für die Tonne” ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Menge der weggeworfenen Lebensmittel bis 2030 zu halbieren. Das Ziel der Kinder in der Jane-Goodall-Grundschule ist an diesem Tag etwas einfacher zu erreichen. Sie bekommen außer einem leckeren Mittagessen nach dem Workshop den Titel „Lebensmittelretter” verliehen

Von: reuters

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