Kultur

Corona-Kunstinstallation macht Station vor der EZB [2:09]

Montag, 29. Juni 2020 | 12:27 Uhr

Ein im Zweifel tödliches Virus, das die Menschen auf ihre Verwundbarkeit zurückwirft. Angst, Verlust, Not und Einsamkeit – diese Begriffe waren der Ausgangspunkt für den Bonner Künstler Dennis Josef Meseg, um sich mit dem Coronavirus und seinen Folgen zu beschäftigen. Entstanden ist die Installation „It is like it is” – zu deutsch: “Es ist, wie es ist.”

111 Schaufensterpuppen, beklebt mit rot-weißem Flatterband – mit ihnen tourt der Künstler durch Deutschland.

O-Ton: “Es kommt immer auf die Stadt an. Generell wird es sehr ernst genommen, aber die Interpretation ist halt immer offen, es ist eine Darstellung der aktuellen Situation. In Bochum hatte ich den Fall, dass eine Frau zu mir kam, und sagte: Ja, toll, dass endlich mal jemand etwas macht, dass die Maßnahmen der Regierung gerechtfertigt sind. Ich unterhalte mich ein bisschen mit ihr, drehe mich rum. Da kommt die nächste Frau und sagt: Toll, dass endlich mal jemand etwas macht, dass die Maßnahmen der Regierung total überzogen sind.”

In Frankfurt am Main hat Meseg die Installation in Sichtweite des EZB-Gebäudes aufgebaut. Die Puppen sollen das Unfassbare fassbar machen, das eingeschränkte Leben und die Beschneidung der Grundrechte aller Menschen darstellen. Wie sehen das Passanten?

“Klar ist das jetzt ein einschneidendes Erlebnis für alle Menschen überall, und jeder denkt dran. Aber die Frage ist halt immer: Was wäre, wenn man nichts macht. Man sieht es in anderen Städten wie New York oder in Schweden, wo die sehr locker damit umgegangen sind. Und da sind die Zahlen halt viel höher. Ich glaube schon, dass unsere Regierung damit ganz gut umgegangen ist.”

“Mittlerweile fühlt es sich ein bisschen übertrieben an, jetzt wo man sich so ein bisschen an die Situation gewöhnt hat. Finde ich auch ein bisschen gefährlich, dass man sich in diesen Abstand und diese Reflexe, den man manchmal hat, auf Menschen zuzugehen, verlernt.”

Seit zwei Monaten reist Meseg mit seinem Projekt bereits durch die Republik. Die nächsten Stationen sind Leipzig am 3. und Dresden am 4. Juli.

Von: reuters

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