Politik

Ehrenmedaille für Carola Rackete [3:05]

Mittwoch, 11. September 2019 | 12:31 Uhr

Auszeichnung für die deutsche Kapitänin Carola Rackete am Dienstagabend in Barcelona. Die 31-jährige Rackete wurde vom katalanischen Regionalparlament mit der “Goldmedaille der Ehre” für ihren Einsatz zur Rettung von Migranten im Mittelmeer ausgezeichnet. Rackete war Ende Juni in Italien festgenommen worden, nachdem sie ihr Schiff „Sea-Watch 3″ mit 40 Flüchtlingen an Bord in den Hafen von Lampedusa gesteuert hatte. Und das, obwohl Italiens damaliger Innenminister Matteo Salvini von der rechtsextremen Lega das Anlegen von Rettungsschiffen in italienischen Häfen verboten hatte. Die Laudatio bei der Preisverleihung hielt Fußballtrainer Pep Guardiola, der die “Goldmedaille der Ehre” im Jahr 2010 erhalten hatte:

“Während andere Solidarität bestrafen und Hilfe kriminalisieren, erkennt dieses Haus Ihre Arbeit an und drückt Ihnen seine Dankbarkeit aus.”

Rackete begründete ihr Vorgehen damals mit der verzweifelten Lage der Menschen an Bord. Dafür sei vor allem die Politik der Europäischen Union verantwortlich,

sagte die Kaptänin vor der Preisverleihung. Im August hatte sie die Annahme der höchsten Verdienstmedaille der Stadt Paris abgelehnt und die Bürgermeisterin der Stadt für ihren Umgang mit Migranten kritisiert.

“Dann finanziert die EU auch noch diese sogenannte libysche Küstenwache, die aus Milizen hervorgegangen ist und Menschen völkerrechtswidrig in ein Bürgerkriegsland zurückbringt, wo wir alle genau wissen, dass sie schlimmen Menschrechtsverletzungen ausgesetzt sind. Wir sprechen halt von Kidnapping, von Folter, von Vergewaltigung usw. Und dass die EU bei so etwas mitmacht, schockiert mich als Bürger von Europa. Und ich denke, dass alle, die wir in diesen reichen Ländern wohnen, die für unsere Außenpolitik verantwortlich sind, sich gegen dieses Verhalten der EU stellen müssen.”

Die italienische Staatsanwaltschaft wirft Rackete Beihilfe zur illegalen Einwanderung sowie das Eindringen in italienische Hoheitsgewässer vor. Das Verfahren gegen sie läuft noch.

Davon will sich die deutsche Kapitänin aber nicht abschrecken lassen:

“Ich denke, es ist eine sehr persönliche Entscheidung, welches Risiko man eingehen möchte. Und es gibt gleichzeitig in ganz Europa viele, viele Möglichkeiten, Geflüchtete oder Migranten vor Ort zu unterstützen, die zum Beispiel schon in Italien oder auch in Deutschland sind. Dort gibt es sehr viele Initiativen, die Hilfe brauchen. Viele Deutsche haben sich da ja auch freiwillig seit Jahren schon engagiert. Und ich denke diese Arbeit, die kontinuierlich jede Woche stattfindet, ist genauso wichtig, wie die Arbeit, die wir zum Beispiel auf See machen.”

Sie mache sich wegen des Verfahrens in Italien keine Sorgen, weil ihr Vorgehen gerechtfertigt gewesen sei, sagte Rackete.

Von: reuters

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