Vermischtes

Fahrende Bibliothek bringt Kinder auf andere Gedanken [2:42]

Donnerstag, 11. Juli 2019 | 20:42 Uhr

Ab in den Bus und los geht’s. Nicht mit der Fahrt, sondern mit Lesen. In der afghanischen Hauptstadt Kabul können Kinder umsonst einen alten Linienbus betreten, der zu einer mobilen Bücherei umgebaut wurde.

“Immer wenn ich hier Bücher lese, stelle ich mir vor, in einer anderen Welt zu sein.”

“Wir sind sehr glücklich, wenn wir hier lesen, weil wir so viel lernen können.”

“Bücher zu lesen macht uns schlauer und lässt uns träumen”

Das Projekt wurde von Freshta Karim ins Leben gerufen. Die 27-Jährige weiß, wie wichtig Bildung für ein Kind ist. Einen Teil ihrer Kindheit musste sie als Kriegs-Geflüchtete in Pakistan verbringen. US-Truppen hatten die Taliban im Jahr 2001 aus der Hauptstadt vertrieben, woraufhin ein Krieg ausbrach, der bis heute nicht zu Ende gekämpft wurde.

Karim kehrte im Jahr 2017 zurück in ihre Heimatstadt. Mit einem abgeschlossenen Masterstudium und einer Idee. Sie die gemeinnützige Organisation Charmaghz, die mittlerweile drei Busse unterhält:

“Derzeit fahren zwei mobile Bibliotheken und ein mobiles Kino herum. Sie befahren verschiedene Gebiete der Stadt. West-Kabul und eine andere Gegend, die ziemlich heruntergekommen ist. Wir sind entschlossen, unsere Arbeit fortzusetzen. Bald wollen wir auch in die Provinzen fahren.”

Fünf Mal die Woche fahren die Busse von Schule zu Schule. Die Bücher sind in Persisch, Afghanisch, Arabisch und Englisch geschrieben. Ein Luxus für die Schülerinnen und Schüler. Nach Jahrzehnten des Krieges gehen nach Angaben der Vereinten Nationen nur sechs von zehn Kindern zu einer Schule. Nur etwa die Hälfte der Schulen im Land haben ein eigenes Gebäude. Dementsprechend hat Afghanistan eine der niedrigsten Alphabetisierungsraten der Welt. Nur drei von zehn Erwachsenen können laut den Vereinten Nationen richtig lesen.

“Meine Ausbildung war mir sehr wichtig, Kinder sind mir sehr wichtig und gerade ihre Zukunft. Ich wollte ihnen eine Möglichkeit geben, nachzudenken, weiterzukommen, und Fragen zu stellen. Daher kam mir diese Idee sehr sinnvoll vor.”

Laut Karim ist ihre Arbeit aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es sei noch ein langer Weg, sagt sie. Gemeinsam müsse man stark sein und dafür arbeiten, dass wieder eine Art Normalzustand erreicht werde.

Von diesem ist das Land noch weit weg. Das Jahr 2018 dürfte auch einigen von diesen Kindern im Gedächtnis geblieben sein. Mindestens 3.800 Menschen, darunter 900 Kinder, wurden nach UNESCO-Angaben getötet, 7.000 verletzt. Für Zivilisten war es das tödlichste Jahr im gesamten Krieg.

In den Bussen von Freshta Karim können die Kinder auf andere Gedanken kommen. Das Projekt wird fast vollständig durch Spenden finanziert.

Von: reuters

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