Vermischtes

Früherer KZ-Wachmann vor Gericht [1:42]

Donnerstag, 17. Oktober 2019 | 17:10 Uhr

Der 93 Jahre alte Angeklagte Bruno D., hier hinter der Mappe, hat sich zu Beginn des Prozesses um Verbrechen im Nazi-Konzentrationslager Stutthof zu seiner Vergangenheit als Wachmann bekannt, allerdings sei er das nicht aus freien Stücken gewesen und nicht als Mitglied der SS. Ihm sei bewusst, dass er als 17-Jähriger auf der falschen Seite gewesen war, sagte sein Verteidiger Stefan Waterkamp am Donnerstag am Rande des Prozesses vor der Strafkammer am Landgericht Hamburg. Aber darum gehe es nicht, fügte der Verteidiger hinzu:

O-Ton: “Es ist tatsächlich die Frage, ob zu dieser Zeit in dieser Situation Versetzungsanträge möglich waren. Mir ist nicht bekannt, dass es welche gab.”

In dem Lager seien die eigentlichen SS-Wachleute an die Front geschickt worden, und man habe dann Wehrmachtsleuten einfach SS-Uniformen angezogen.

Die Staatsanwaltschaft wirft Bruno D. Beihilfe zum Mord an mehr als 5000 Menschen vor. Als KZ-Wachmann habe er zwischen August 44 und April 45 die “heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt”, wie auch die Vertreterin der Hamburger Staatsanwaltschaft, Nana Frombach, sagt:

O-Ton: “Aufgabe dieses Prozesses wird es sein, herauszufinden, ob es für den Angeklagten eine Alternative gegeben hätte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, weil uns kein Einzelfall bekannt geworden ist, in dem beispielsweise ein Wachmann, der den Dienst verweigert hatte, selber getötet worden wäre.”

Die Verteidigung wiederum wirft der Justiz laut Medienberichten “rechtsstaatswidrige Verzögerung” vor. Denn spätestens seit 1982 sei den Behörden bekannt gewesen, dass Bruno D. während der Nazizeit Wachmann im KZ Stutthof gewesen war.

Von: reuters

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