Politik

Im Smarthome auf Verbrecherjagd? [2:50]

Freitag, 14. Juni 2019 | 20:06 Uhr

Das Smarthome-Gerät Alexa kann ebenso wie Apples Siri mittels Spracherkennung Musik abspielen, die Eieruhr stellen oder das Licht regulieren. Romana Bauer aus München weiß das – mittlerweile – zu schätzen.

“Ich selber hab die gar nicht gekauft. Mein Freund hat sie gekauft. Am Anfang dachte ich, ich brauche das überhaupt nicht und das ist Quatsch. Mittlerweile bin ich sehr froh, dass ich sie habee und möchte eigentlich nicht mehr ohne Alexa sein.”

Doch wer zu Alexa spricht, muss auch mit der Möglichkeit leben, dass Informationen aufgezeichnet und weitergeben werden: zur Verbraucheranalyse etwa oder gar zur Verbrechensbekämpfung.

“Ich bin da ein bisschen zwiegespalten, weil ich denke auf der einen Seite würde ich mich schon unwohl fühlen, wenn ich einfach wüsste, die Daten werden irgendwo gespeichert und können im Notfall rausgeholt und verwendet werden. Aber natürlich habe ich nichts zu verbergen. Ich mache hier keine kriminellen Machenschaften, insofern betrifft es mich persönlich nicht. Und darum denke ich mir auf der anderen Seite, wenn dadurch Verbrechen aufgeklärt werden können oder zum Beispiel sogar ein Terroranschlag vermieden werden kann, ist es natürlich super.”

Alexa und Co. böten zwar die Möglichkeiten, Verbrecher zu überführen, doch die Innenminister des Bundes haben dem am Freitag in Kiel eine Absage erteilt.

“Die Bundesregierung hatte nie vor und hat auch nicht vor, Kinderzimmer zu überwachen oder Chips in Babypuppen oder, wie heißt das, Alexa oder Alexi: Alexa – da bin ich gestern korrigiert worden, drum bin ich jetzt da ganz durcheinander. Das ist nicht vorgesehen, das ist in dem Beschluss auch noch einmal eindeutig festgehalten worden, dass wir da für die Strafverfolgungsbehörden keine neuen Rechtsgrundlagen schaffen, sondern dass wir einfach mal uns Klarheit verschaffen, wie es in der Umsetzung der bestehenden Rechtsgrundlagen in der Bundesrepublik Deutschland steht. Das ist mir sehr wichtig, deshalb noch mal hier die Wiederholung des Satzes: Glauben Sie uns, ich habe etwas anderes hier überhaupt nicht bei keinem Bundesland registriert, wir bekämpfen Terroristen, wir bekämpfen Extremisten, wir bekämpfen Verbrecher. Und wir bekämpfen nicht die Medien, die Journalisten oder die Kinderzimmer.”

Anfang Juni hatte es geheißen, die Sicherheitsbehörden sollten nach dem Willen des Bundesinnenministeriums künftig auch Daten von vernetzten Geräten auswerten dürfen. Durch die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung aller Lebensbereiche steige die Bedeutung solcher digitaler Spuren, so damals ein Ministeriumssprecher in Berlin. Bei der Sitzung der Innen-Ressortchefs in Kiel am Freitag aber war das Thema nur eines von Dutzenden.

Weitere Programmpunkte waren die Bekämpfung von Clan-Kriminalität oder Kindesmissbrauch und Kinderpornografie sowie Möglichkeiten zur Senkung von Einbruchszahlen. Auch die umstrittenen Abschiebungen nach Afghanistan, die Eindämmung von Extremismus, die Beteiligung von Fußballvereinen an Kosten von Polizeieinsätzen oder Maßnahmen zum Schutz gegen Waldbrände spielten eine Rolle. Seehofer und seine bei einer Abschluss-Pressekonferenz anwesenden Länderkollegen lobten unisono die gute Atmosphäre, die bei der Zusammenkunft geherrscht habe

In Sachen Alexa heißt es für Romana Bauer in München aber erst einmal Entwarnung – zumindest was die Nutzung ihrer Daten durch die Sicherheitsbehörden angeht.

Von: reuters

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