Politik

Schwesig: Gesetz für Entgelttransparenz bricht mit Tabu [2:23]

Mittwoch, 11. Januar 2017 | 15:27 Uhr

Mit dieser Demonstration vor dem Brandenburger Tor im März 2015 machten die Teilnehmer darauf aufmerksam,

dass Frauen in Deutschland immer noch weniger verdienen als Männer. Nach Angaben der Statistiker lag diese Gehaltslücke im Jahr 2015 im Schnitt bei 21 Prozent. Wenn man berücksichtigt, dass Frauen öfter Teilzeit arbeiten, seltener in Führungspositionen aufsteigen und stärker in sozialen Berufen mit geringeren Verdiensten arbeiten, beträgt die Lücke noch sieben Prozent.

Das Gesetz für Entgelttransparenz, das die Bundesregierung jetzt auf den Weg gebracht hat, solle dazu beitragen, die Lohnunterschiede von Männern und Frauen zu verringern, sagte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig.

“Es geht darum, mit einem Tabu zu brechen. Und zwar mit dem Tabu: Über Geld redet man nicht. Dieses Tabu hilft eigentlich nur – wenn es keine Transparenz gibt, dient es eigentlich nur dem, dass ich gar nicht weiß: Werde ich eigentlich für meine Arbeit gerecht, fair bezahlt?”

Beschäftigte in Unternehmen mit über 200 Mitarbeitern erhalten ein Auskunftsrecht, was eine vergleichbare Gruppe des anderen Geschlechts verdient. Unternehmen ab 500 Mitarbeitern sollen betriebliche Verfahren zur Überprüfung von Lohngleichheit einführen. Die Neuregelung betrifft etwa 14 Millionen Beschäftigte.

Schwesig sieht in dem Gesetz einen weiteren Schritt zu mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft:

“Ich glaube, dass an dem Vorwurf, das Frauen schlecht verhandeln, nicht viel dran ist. Das ist ehrlichgesagt auch wieder so etwas typisches: Wir Frauen sind selbst schuld. Das ist so, was wir uns immer anhören. Egal, worum es geht im Leben. Ich frage mich, wie eigentlich eine Frau verhandeln soll, die gar nicht weiß, was hat denn zum Beispiel der männliche Kollege vor mir auf diesem Platz verdient. Wenn sie gar nicht weiß, wie werden die anderen eingestuft. Oft erfährt man das vielleicht durch Zufall, wenn man vielleicht gut kann mit den Kollegen, ein Feierabendbier zusammen trinkt. Und ich bin einfach dafür, dass dieses Zufallsprinzip beendet wird. Dennoch ist es wichtig – und das ist schon auch meine Botschaft – die Rechte von Frauen werden nur durchgesetzt, wenn wir Frauen sie natürlich auch einfordern.”

Schwesig setzte durch, dass Unternehmen nicht nur Auskunft über das Grundgehalt einer vergleichbaren Kollegen-Gruppe geben müssen, sondern auch über zwei weitere Gehaltsbestandteile wie etwa Boni oder einen Dienstwagen.

Von: reuters

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