voestalpine kam wegen Kronzeugenregelung straffrei davon

205 Mio. Euro Kartellstrafe für Stahlfirmen in Deutschland

Donnerstag, 12. Juli 2018 | 13:25 Uhr

Das deutsche Bundeskartellamt hat ein Edelstahlkartell, an dem auch die voestalpine beteiligt war, zu einer Geldbuße von insgesamt 205 Mio. Euro verdonnert. Der oberösterreichische Technologiekonzern geht allerdings straffrei aus, da er das Verfahren mittels Kronzeugenantrag 2015 ins Rollen gebracht hat. Das Unternehmen bestätigte heute, “in das dargelegte Verfahren involviert gewesen zu sein”.

Konkret werfen die Kartellwächter sechs Unternehmen illegale Preisabsprachen und den Austausch wettbewerblich sensibler Informationen vor. Die betroffenen Stahlhersteller hätten sich zumindest seit 2004 bis längstens zur Durchsuchung im November 2015 illegal untereinander abgestimmt.

Bei den betroffenen Unternehmen handelt es sich um die ArcelorMittal Commercial Long Deutschland GmbH (Köln), die Dörrenberg Edelstahl GmbH (Engelskirchen), die Kind & Co. Edelstahlwerke GmbH & Co.KG (Wiehl), die Saarstahl AG (Völklingen), die Schmidt + Clemens GmbH + Co. KG (Lindlar) und die Zapp Precision Metals GmbH (Schwerte). Weiters abgestraft wurde die zwischenzeitlich aufgelöste Edelstahl-Vereinigung e.V. Gegen vier weitere Unternehmen und einen Verband dauern die Ermittlungen laut Bundeskartellamt noch an.

Das Kartellverfahren wurde mit einer branchenweiten Razzia im November 2015 infolge eines Kronzeugenantrags des oberösterreichischen Stahlkonzerns, zu dem der ehemals eigenständige Edelstahlerzeuger Böhler-Uddeholm gehört, eingeleitet. “In Anwendung der Bonusregelung des Bundeskartellamtes wird gegen die voestalpine keine Geldbuße verhängt”, erklärte die Behörde.

“Die Unternehmen haben über Jahre hinweg wichtige Preisbestandteile beim Vertrieb von Edelstahl abgesprochen”, so der Vorwurf der deutschen Kartellbehörde. Durch die abgestimmte, brancheneinheitliche Berechnung und Anwendung von Schrott- und Legierungszuschlägen und durch einen “weitreichenden Austausch wettbewerblich sensibler Informationen” sei der Preiswettbewerb zwischen den Unternehmen “erheblich beeinträchtigt” worden.

Die voestalpine habe die “Verstöße” innerhalb des Konzerns durch Routine-Überprüfungen (“Audits”) aufgedeckt, wie sie am Donnerstag in einer ersten Reaktion mitteilte. Die Ursprünge der Geschehnisse lägen in der länger zurückliegenden Vergangenheit und seien durch die voestalpine AG “nach ihrem Bekanntwerden vollumfänglich aufgearbeitet und dem Bundeskartellamt offengelegt” worden. “Die zentral involvierten Mitarbeiter sind nicht mehr im voestalpine-Konzern tätig”, hieß es aus dem Unternehmen.

“Der voestalpine-Konzern akzeptiert keine Kartellverstöße”, sagte Konzernsprecher Peter Felsbach zur APA. Unterstützt von einem “funktionierenden Compliance-System” habe auch der vorliegende Fall aufgedeckt werden können. Die Geschehnisse seien sofort nach ihrem Bekanntwerden vollumfänglich aufgearbeitet und dem deutschen Bundeskartellamt offengelegt worden. Die Mitglieder des Vorstandes “waren in diesen Sachverhalten weder involviert, noch hatten sie darüber Kenntnis”, betont man bei der voestalpine.

Von: apa

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