Fertigstellung von zahlreichen Autos verzögert sich

22.000 Autos wegen VW-Zuliefererstreits weniger gebaut

Sonntag, 28. August 2016 | 13:14 Uhr

Der Zuliefererstreik wird einem Zeitungsbericht zufolge für Volkswagen teuer. Wegen fehlender Teile der Prevent-Tochter ES Automobilguss hätten rund 22.000 Golf und Passat nicht produziert werden können, berichtete die “Welt am Sonntag”. Allein im Wolfsburger Stammwerk seien 10.000 Golf nicht wie geplant vom Band gelaufen.

“Es wird einige Wochen dauern, bis wir die nicht produzierten Autos fertigstellen können”, sagte ein VW-Manager dem Blatt. Offizielle Zahlen zum wirtschaftlichen Schaden sind noch nicht bekannt. Laut Zeitung taxieren Experten diesen für den Dax-Konzern auf weit mehr als 100 Millionen Euro. VW geht davon aus, dass die Pkw-Produktion ab Montag wieder normal läuft, nachdem sich Europas größter Autobauer mit den Zulieferern auf einen Kompromiss verständigt hat.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh will unterdessen die Fähigkeiten von Mitarbeitern künftig besser nutzen, um gegen den Verlust von Arbeitsplätzen anzukämpfen. “Ich glaube, gerade in den Verwaltungsbereichen werden sich in den kommenden fünf bis zehn Jahren eine Menge Arbeitsplätze verändern und ein Teil sogar wegfallen, sagte Osterloh der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

“Mit dem verstärkten Einzug selbstlernender Maschinen greift die Herausforderung der Automatisierung einfacher Tätigkeiten. Eine Entwicklung, die wir in der Produktion schon seit Jahrzehnten haben.”

Osterloh betonte: “Das wird vermutlich sogar so weit gehen, dass Computerprogramme künftig selbstständig konstruieren können, wenn man die technischen Vorgaben setzt. Natürlich werden unsere Kollegen das letzte Wort behalten. Aber es werden Arbeitsschritte entfallen. Hört sich an wie Raumschiff Enterprise, ist aber gar nicht so weit weg.”

Volkswagen suche jetzt zum ersten Mal Mitarbeiter, bei denen nicht Formalqualifikationen wie Schulabschluss und Studium im Vordergrund stehen. Es gehe darum: “Was kann derjenige wirklich?” Es gebe etwa etliche Leute, die privat Apps entwickelten und ansonsten in der Drei-Schichten-Produktion arbeiteten. “Sie sollen in Teams integriert werden, um ihr Potenzial fürs Unternehmen voll zu nutzen.”

Es gebe auch vielversprechendere Wege, als Leute mit Hochschulstudium ins Unternehmen zu holen, die dann trotzdem Sachbearbeiter bleiben. “Jemand, der in der Buchhaltung arbeitet, kann vielleicht auch ganz andere Dinge, worum man sich heute noch gar nicht kümmert. Das treiben wir als Betriebsrat voran”, sagte Osterloh.

Wie die Mitarbeiter für künftige Aufgaben geschult werden könnten, will Osterloh in Arbeitsgruppen zwischen Betriebsrat und Unternehmen erforschen lassen. “Die Jobs, die in den kommenden Jahren wegen der Automatisierung auf der Kippe stehen, müssen wir analysieren. Und die Kolleginnen und Kollegen im Zweifel qualifizieren, damit sie andere Tätigkeiten übernehmen können”, kündigte der VW-Aufsichtsrat an.

Im Frühling waren Pläne bekanntgeworden, wonach bis Ende 2017 in der VW-Verwaltung jeder zehnte Job wegfallen könnte – gut 3.000 Stellen.

Probleme für die Belegschaft will der einflussreiche Betriebsratsboss abfedern. “Wir werden einen Wandel der Beschäftigung erleben, bei dem wir sicherlich nicht jeden Arbeitsplatz halten können. Aber ich mache mir erstmal keine Sorgen, weil wir den Riesenvorteil der Babyboomer haben”, sagte er zu den geburtenstarken Jahrgängen vor und nach 1960.

“Die können über unsere Altersteilzeitregelung das Unternehmen eher verlassen. Darüber haben wir die Chance, einen Umbau in der Belegschaft vorzunehmen.” Trotz aller Unsicherheiten versprach der 59-Jährige: “Solange ich Betriebsratsvorsitzender bin, wird hier keiner betriebsbedingt gekündigt. Dafür stehe ich.”

Osterloh ist seit 2005 Betriebsratsvorsitzender bei Volkswagen und sitzt auch im Aufsichtsrat des Konzerns. Der Autobauer hat weltweit gut 610.000 Mitarbeiter. Vor allem in der VW-Kernmarke will Markenchef Herbert Diess das Unternehmen auf mehr Effizienz trimmen, weil die Marge im Vergleich auch mit anderen Massenherstellern schwach ist. Osterloh lastet das auch den Entwicklungskosten an, die vor allem VW-Pkw betreffen. Entwicklungen etwa zu neuen Motoren kommen auch bei den Schwestermarken wie Seat und Skoda zum Einsatz.

Von: APA/ag.

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

3 Kommentare auf "22.000 Autos wegen VW-Zuliefererstreits weniger gebaut"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
santina
Tratscher
1 Monat 1 Tag

Passt doch!
Wenn man weniger Autos verkauft, dann sollte man auch weniger Autos bauen!

santina
Tratscher
1 Monat 22 h

VW konnte 22.000 Autos nicht bauen.
Seit langem die erste gute Nachricht aus dem Hause VW.
22.000 Dreckschleudern weniger.

santina
Tratscher
1 Monat 18 h

Hier leistet die PR-Abteilung von Volkswagen einen ganz miesen Job:
FAKT IST – DIE VERKAUFSPLÄTZE DER VW-HÄNDLER SIND DERZEIT ÜBERVOLL.
Wer ein solches Fahrzeug haben will, hat eine riesige Auswahl an ALLEN SOFORT VERFÜGBAREN Varianten.

Also schummelt Volkswagen hier bereits wieder.
Aber so kennt man die Stümper ja!

wpDiscuz