Mit Experten diskutiert

5,8 Mrd. Euro: WIFO-Studie zum Südtiroler Landeshaushalt

Donnerstag, 14. April 2022 | 13:12 Uhr

Bozen – Mit jährlichen Gesamtausgaben von rund 5,8 Milliarden Euro verwaltet die Autonome Provinz Bozen finanzielle Ressourcen in Höhe von 23,4 Prozent des Südtiroler Bruttoinlandsprodukts. In der heutigen Veranstaltung hat das WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen die Ergebnisse der neuen Studie zum Südtiroler Landeshaushalt einem Fachpublikum vorgestellt.

Die offiziellen Haushaltsdokumente sind die wichtigsten Instrumente, mit denen die öffentliche Verwaltung die Bürger über die Verwendung der öffentlichen Ressourcen informiert. Da es wichtig ist, die darin enthaltenen Informationen lesen und interpretieren zu können, hat das WIFO diese Dokumente in enger Zusammenarbeit mit Prof. Emanuele Padovani der Universität Bologna, einem ausgewiesenen Experten für öffentliche Haushalte von Regionen, untersucht. Die Analyse, die auch dank der von der Landesverwaltung zur Verfügung gestellten Informationen und Mitarbeit möglich war, konzentrierte sich auf den Vierjahreszeitraum von 2017 bis 2020. Im Besonderen wurden dabei die Einnahmen und Ausgaben des Landeshaushaltes ausgewertet sowie die finanzielle Nachhaltigkeit und inhaltliche Aussagekraft der Haushaltsdokumente unter die Lupe genommen.

Wie bei der Veranstaltung gezeigt wurde, sind die öffentlichen Finanzen in Südtirol dank einer sorgfältigen und vorsichtigen Verwaltung der Ressourcen sehr solide. Allerdings hat die Verwaltung – aufgrund der schwerfälligen öffentlichen Vergabeverfahren – Schwierigkeiten, Ausgaben zu tätigen, wodurch sich Planungsschwierigkeiten für Ämter und Abteilungen ergeben. Außerdem ermöglichen die öffentlich zugänglichen Haushaltsdokumente für die Stakeholder nicht immer eine detaillierte Analyse spezifischer Fragen. Dies erschwert die Verwendung des Landeshaushalts als Instrument für strategische und politische Diskussionen.

Im Vergleich zum Trentino verfügt das Land Südtirol über erheblich mehr Ressourcen, was sich auch auf die verschiedenen Aufgabenbereiche auswirkt. Die Gesundheit stellt in beiden Provinzen die Hauptausgabe dar; den Bereichen Soziales und Verkehr weist Südtirol jedoch deutlich mehr Mittel zu. Die Verteilung der laufenden Ausgaben hat sich durch die Coronakrise geändert: So wurden im Jahr 2020 mehr finanzielle Mittel für die Gesundheit, wirtschaftliche Entwicklung, Tourismus, Soziales und Arbeit zur Verfügung gestellt, um die negativen Auswirkungen der Krise auf die Gesellschaft und Wirtschaft so weit wie möglich abzufedern.

Gemeinsam mit Giulio Lazzara, Vizegeneraldirektor und Abteilungsdirektor für Finanzen der Autonomen Provinz Bozen und Enrico Gastaldelli, Amtsdirektor für Haushalt und Programmierung, wurden die Studienergebnisse mit dem anwesenden Publikum diskutiert.

„Für die Umsetzung des Nationalen Plans für Aufbau und Resilienz (PNRR) ist eine optimale Planung vonseiten der Landesverwaltung notwendig, um Investitionen innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens durchführen zu können. Hierfür kann auch eine Koordinierung der örtlichen Körperschaften auf Landesebene beitragen“, schlägt Handelskammerpräsident Michl Ebner vor.

Von: luk

Bezirk: Bozen