Empfehlungen in vier Themenbereichen

Abschluss der Nachhaltigkeitstage: “Dringend handeln”

Freitag, 09. September 2022 | 18:28 Uhr

Die Empfehlungen des Advisory Board für eine nachhaltige Entwicklung der ländlichen Regionen standen im Zentrum der heutigen (9. September) Abschlussveranstaltung der Sustainability Days.
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­”Wir müssen dringend handeln”, sagte am heutigen Freitag Marco Frey, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Nachhaltigkeitstage 2022. Ein weiteres Abwarten würde die ökologischen, ökonomischen und sozialen Kosten noch erhöhen. Nachhaltigkeit sei ein komplexes Thema, weshalb es einen integrierten Ansatz brauche. “Das Ziel ist eine langfristige Vision, die zu einer Win-Win-Situation für die ländlichen Gebiete führt”, so Frey. Die oberste Priorität komme dabei der ökologischen Nachhaltigkeit zu: “Alles menschliche Handeln hängt vom Naturkapital und den Ökosystemleistungen ab. Das Fazit: Transformation darf keinesfalls auf Kosten der Biodiversität gehen”, resümierte Marco Frey.

Empfehlungen in vier Themenbereichen

Frey brachte auch die Empfehlungen im Themenbereich “Landwirtschaft und Ernährung” auf den Punkt: “Allen voran ein Bewusstsein für die Biodiversitätskrise schaffen, zweitens die Rolle der Forschung in der Lebensmittelproduktion stärken und schließlich nachhaltige Ernährung fördern.”

Den Schwerpunkt “Energieeffizienz und erneuerbare Energie” bezeichnete Beiratsmitglied Elena Comelli “für die Rettung des Planeten” als zentral. Die Empfehlungen lauten: “Den Energieverbrauch reduzieren, Platz machen für die Produktion und Speicherung von Erneuerbaren Energien, weiters die Zusammenarbeit und die Beteiligung, vor allem von Frauen und Jugendlichen, fördern.” Comelli gab zu bedenken: “Wir haben die nötigen Technologien, um den Wandel von den fossilen zu den erneuerbaren Energieträgern zu vollziehen, müssen aber darauf achten, dass es dabei möglichst viele Gewinner und wenig Verlierer gibt.”

Im Themenbereich “Nachhaltige Mobilität” gibt es kein Allheilmittel, unterstrich Georg Hauger vom Advisory Board. Ländliche Räume würden ganz andere Lösungen erfordern als urbane Räume. Die Empfehlungen zu diesem Themenbereich sind daher, “Regeln zu überdenken und neu zu denken, die Bündelung und Integration von Mobilitätsdiensten zu ermöglichen und Nischenplayer und gute Beispiele zum Vorbild zu nehmen”, fuhr Hauger fort.

Beiratsmitglied Raffaella Rumiati schließlich präsentierte die Empfehlungen zum Schwerpunkt “Resiliente regionale Lebensräume”. Schlüsselfaktoren dafür seien ökologische, wirtschaftliche und soziale: “Einzigartige Naturräume festlegen und schützen, das Regionaleinkommen durch die Schaffung vor Arbeitsplätzen steigern und nicht zuletzt die Gemeinschaft durch Netzwerke und interdisziplinäres Zusammenarbeiten stärken.”

Empfehlungspapier Brüssel und Rom vorlegen

“Jetzt gehen wir in die Umsetzung”, erklärte der Landeshauptmann im Anschluss. Es gelte nun, das Empfehlungspapier (Recommendation Paper) der Nachhaltigkeitstage sowohl auf europäischer Ebene zu präsentieren als auch die römischen Stellen darüber zu informieren. “Die Südtiroler Landesregierung wird sich damit in einer eigenen Klausur befassen und die Empfehlungen mit unserer Agenda abgleichen”, erklärte der Landeshauptmann. “Wir möchten unsere autonomen Spielräume nutzen, um einen Paradigmenwechsel einzuleiten und die ökologische Nachhaltigkeit in unserem Land voranzutreiben. Aber auch, um die Gesellschaft wieder mehr zusammenzuführen.” Ressourcenknappheit, Klimawandel und die Alterung der Gesellschaft: All das stifte Unfrieden. Nachhaltigkeit sei der neue Kitt für die Gesellschaft, so der Landeshauptmann.

Südtirol als Pilotregion für Kreislaufökonomie

Zum Abschluss legte der Chef des Obersten Instituts für Forschung und Schutz der Umwelt (ISPRA) Stefano Laporta die Latte noch ein wenig höher: Südtirol solle “Best Practise”-Beispiel in Italien werden und Pilotregion für Kreislaufwirtschaft werden. Er sagte konkrete Hilfe seines Instituts bei der Umsetzung zu.

Der Präsident der italienischen Regionenkonferenz wird das Recommendation Paper bei einer Sondersitzung der Regionenkonferenz auf die Tagesordnung setzen. Der Vertreter des EU-Ausschusses der Regionen meinte, dass regionale Inititativen “eine Schatzkammer” für Europa seien, denen mehr Wichtigkeit und zuerkannt werden müsse. “Ihr Land hat durch die Autonomie mehr gesetzgeberische Flexibilität und das ist ein Vorteil”, sagte er. Ziel auch für die EU müsse es sein, ländliche Gegenden verstärkt in den Fokus zu rücken und als attraktiven Lebensraum zu erhalten. Südtirol sei unter diesem Gesichtspunkt bereits ein Vorbild. Daran knüpfte ISPRA-Chef Laporta mit seinem Vorschlag, Südtirol zur Vorbildregion in Sachen Nachhaltigkeit zu machen. Es gebe inzwischen keinen Zweifel mehr, dass ein Wandel notwendig sei und eine Kreislaufwirtschaft das Ziel sein müsse. “Und dafür sind die Recommendations, die bei diesen Sustainability Days erarbeitet wurden, eine interessante Basis”.

“Dass Südtirol das Labor für Italien sein soll, ist motivierend für die Gesellschaft” meinte der Landeshauptmann abschließend. Die Politik müsse mutig sein und vorausgehen. “Der Erhalt des Status Quo ist nicht unsere Aufgabe”, sagte er.

Zogen Bilanz: Die Mitglieder des Advisory Board mit Moderator Andreas Pfeifer (Foto: LPA/Luca Guadagnini)

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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15 Kommentare auf "Abschluss der Nachhaltigkeitstage: “Dringend handeln”"


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So ist das
24 Tage 8 Min

…­”Wir müssen dringend handeln”…

Wie oft haben wir wohl diesen Satz seit Jahrzehnten gehört, aber gehandelt wird immer noch viel zu wenig 😳

N. G.
N. G.
Kinig
23 Tage 19 h

Thementage, Foren, internationale Treffen…. , Palaver ohne Ende! Das uns inzwischen das Nichtstun schon mehr kostet als das wir gehandelt hätten, leuchtet weder den Politikern noch Teile der Bevölkerung ein!

SilviaG
SilviaG
Superredner
23 Tage 19 h

Wenn nicht drastisch in alle Bereiche des täglichen Lebens eingegriffen wird, dann kann man sich das KlimaZiel an den Hut stecken. Dei Eingriffe wären so drastisch, dass die Bevölkerung auf die Barrikaden gegen würde. Deswegen wird gar niemand handeln.

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
23 Tage 18 h

@So ist das…naja, solange man nur wartet, bis andere was machen, wird wenig passieren! Jeder kann selber viel tun! Von weniger Onlinebestellungen über Internet mit x Kurieren, die ständig Verkehr erzeugen, angefangen! Weniger Auto z.B., weniger Konsumrausch und mehr regional und lokal einkaufen….. man braucht auch nicht ständig das neueste Handy! Meines ist gute 10 Jahre alt und funktioniert immer noch!

N. G.
N. G.
Kinig
23 Tage 17 h

@SilviaG Sagt DIE, die bei Covid gegen fast alles und jedes war, mit dem Argument es wäre zu viel eingegriffen worden. Grins
Der Bericht ok , deine Ausage sogar , aber klare LINIE findet sich bei der auch so schlauen Frau keine.

SilviaG
SilviaG
Superredner
23 Tage 14 h

@oracle
Onlinehandel verursacht weniger Verkehr als würde jeder einzeln in die Ortschaft fahren um das selbe Produkt dort zu holen.
Außerdem sind solche Selbstmaßnahmen zwar löblich, bringen aber nichts. Flugreisen müssten verboten werden. Es gäbe nur mehr Sonntagsbraten, ansonsten vegetarisch. Mal an einem Sonntag Verwandte besuchen? Fehlanzeige. Wir können uns nicht einmal vorstellen wie das Leben dann wäre. Lockdown wäre an der Tagesordnung

SilviaG
SilviaG
Superredner
23 Tage 11 h

@ng
Grins, ich verstehe was du meinst, aber ich muss dich enttäuschen. Du wirst mich nie durchschauen, weder in Sachen Covid noch in meiner Meinung zum Klimawandel. Dafür bist du nämlich zu einfältig.

Faktenchecker
23 Tage 7 h

Der BOT grinst. Das leiest auch der LH. Grins.

Faktenchecker
23 Tage 7 h

ng tut nichts ausser hier Senf verzapfen.

SilviaG
SilviaG
Superredner
21 Tage 10 h

Danke Verzweiflung
Zum 👎 reicht das Handynetz?
😄😄😄

Privatmeinung
Privatmeinung
Superredner
23 Tage 18 h

Nachhaltigkeitstage  😂 dass ich nicht lache. Allein in Südtirol sind in den Recyclinghöfen riesiege Unterschiede  zwischen entsorgen und Restmüll. 
In den Supermarkets muß für jede Sorte Obst u. Gemüse ein separates Nylon verwendet werden (anscheinend recyclbar, dann kommt der Waagschein aus Plastikpapier drauf, dann ist es wieder Restmüll). 
Das günstigere Gemüse und Obst ist alles in Plastik verpackt. Bio Obst u. Gemüse können sich nur mehr wenige leisten.
Aber anscheinend interessiert der anfallende Müll usw. niemanden.
Ich würde mal hier anfangen etwas für die Nachhaltigkeit zu tun, als bei Vorträgen und Versammlungen große Reden schwingen.

N. G.
N. G.
Kinig
23 Tage 17 h

Es wäre mehr getan gewesen wenn man sie 1 Jahr im Wald Müll sammeln hätte lassen.

Savonarola
23 Tage 20 h

Millionen von Euros für eine Schlussfolgerung, die schon lange klar war. das wahre Fazit dieser Tage: viel Ressourcenverbrauch und viel heisse Luft, was ebenso nicht nachhaltig ist.

schlauer
schlauer
Tratscher
23 Tage 16 h
„Wir gehen jetzt an die Umsetzung“ sagt der Herr Landeshauptmann. Leider wird es bei diesen Versprechungen bleiben. Kann mich noch gut daran erinnern wie Herr Kompatscher beim Beschlussantrag im Landtag im Frühjahr 2020 zur Rettung des Brixner Auwaldes dagegen stimmte und selber eine Brandrede für die Rodungs-Ausgleichsmassnahmen hielt: „es gab viele Gespräche mit Umweltgruppen und es hat sich herausgestellt, dass die Erweiterung der Millander Au eine gute Lösung ist“! Ich sage hingegen, dass das reines „GREENWASHING“ ist, weil man kann nicht über Jahrhunderte gewachsene Natur einfach ersetzen!! Zudem führt diese Au-Erweiterung in stark pestizidbelastete Obstwiesen, die auch bis zu zwei… Weiterlesen »
Laempel
Laempel
Superredner
23 Tage 13 h
Das Steuergeld, das für die sogenannten “Nachhaltigkeitstage” ausgegeben wurde, ca. 2,4 Millionen Euro, wird nun halt vielen Bürgern mit brennenderen Problemen ein weiteres Mal spürbar nachhaltig fehlen. Aber das scheint denen, die vom fast dreifachen Milliönchen gezehrt haben, ja nachhaltig schnuppe zu sein. Es lebe die Nachhaltigkeit, solange sie die richtigen Taschen füllt! Mehr schafft sie bis jetzt ja nicht. Oder kann jemand ein Beispiel aufzeigen, wo durch Bla-bla-Treffen dieser Art auch nur ein Funken von echter Nachhaltigkeit für alles Leben auf Erden bleibend generiert wurde? Nachhaltigkeit predigen kann fast jeder, aber Nachhaltigkeit bewirken ist erst dann möglich, wenn alle… Weiterlesen »
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