Robin: Steigende Löhne und Renten nicht als Staatsfeind betrachten

Acht Schritte, um die Inflation zu stoppen

Donnerstag, 19. Mai 2022 | 16:58 Uhr

Bozen – Die Teuerung und der „Teuro“ in Südtirol greifen kräftig zu. Im April lag die Inflation in Bozen bei 8,1 Prozent und damit auf einem neuen Höchstwert der letzten Jahrzehnte. Laut den Statistikämtern beträgt die Differenz zwischen der lokalen und der nationalen Teuerungsrate inzwischen 2,1 Prozentpunkte. Darauf weist der Südtiroler Verbraucherschutzverein hin.

Für die durchschnittliche Südtiroler Familie beträgt der Kaufkraftverlust unter Zugrundlegung der vom ASTAT prognostizierten Verbrauchsausgaben für 2021 einen Betrag von 3.137 Euro. Arbeitnehmerfamilien haben mit mehr als acht Prozent Inflation einen Monatslohn jährlich weniger in der Kasse.

„Der Handlungsspielraum für Normalverbraucherinnen und -verbraucher wird enger und enger, wobei vor allem ärmere Menschen von der Krankheit Inflation stärker betroffen sind. Die Politik schaut der Teuerungswelle größtenteils zu und daher sind die Verbraucherinnen und Verbraucher selbst bei der Eindämmung der Inflation am Zug“, erklärt Robin.

Doch was tun, wenn es finanziell enger wird oder die Sparquote dahinschmilzt? Robin bringt acht konkrete Vorschläge, die hier im Wortlaut folgen:

1. Preise vergleichen ist angesagt: Wo immer es möglich ist, sollten Sie die Preise vergleichen und halten Sie Ihre Missbilligung gegenüber „Preissündern“ nicht hinter dem Berg.

2. Haushaltsbuch führen: Notieren Sie sorgfältig Ihre Ausgaben und Einnahmen, um unnütze Spesen zu vermeiden (auf der Homepage der Verbraucherzentrale Südtirol erhalten Sie kostenlos ein Onlinehaushaltsbuch, auch als App)

3. Einkaufsliste führen: Mit einem Einkaufszettel reflektieren Sie ihr Einkaufsverhalten und er kann neben dem Sparen auch dabei helfen, weniger Fleisch- und Milchprodukte zu konsumieren, weniger Lebensmittel zu verschwenden, saisonal einzukaufen und Verpackungsmüll zu vermeiden.

4. Versicherungs- und Gelddienstleistungen auf den Prüfstand: Einmal im Jahr sollten Sie gut überlegen und sich eventuell dabei beraten lassen was wirklich gebraucht wird und ob das Notwendige nicht günstiger zu haben ist. Stellen Sie sich auch die Frage, ob das Ersparte gut vor Inflation geschützt ist. Fühlen Sie sich auch nicht bei Wohnbaudarlehen, Altersvorsorge und Steuererklärung überfordert.

5. Ratenkäufe: Nehmen Sie nichts auf sich, was die Haushaltsbilanz langfristig nicht verkraften könnte. Denn Ratenankauf ist grundsätzlich teurer: Jemand muss schließlich die Zinsen und den Aufwand bezahlen.

6. Wohnung/Haus: Heizen/Kühlen Sie nicht im Übermaß, vergleichen Sie die Strom- und Gaspreise (z.B. auf der Homepage consumer.bz.it), überlegen Sie die Nutzung von erneuerbarer Energie z.B. über eine Fotovoltaik-Anlage (ev. auch für Warmwasser und Elektroauto). Versteckten Stromfressern sollte der Stecker gezogen werden.

7. Verkehr: Vermeiden Sie überflüssige Fahrten und überlegen Sie Alternativen wie zu Fuß, Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel und Fahrgemeinschaften. Beim Autokauf sich besonders intensiv informieren und beim Tanken nicht an die erstbeste Zapfsäule fahren (Osservaprezzi carburanti).

8. Werbung: Meiden Sie Produkte jener Marken, die übermäßig Werbung machen. So müssen Sie auch nicht die oft beträchtlichen Kosten der Werbung mit bezahlen.

Der Geschäftsführer des Verbraucherschutzvereins Robin, Walther Andreaus, ruft die Politik auf, sich verstärkt in die Preis- und Tarifspirale einzuklinken. „Wenn es der Wirtschaft (noch) gut geht, heißt das noch lange nicht, dass es breiten Schichten der Bevölkerung gut geht. Derzeit laufen viele Haushalte Gefahr, auf ein Niveau unterentwickelter Regionen zurückzufallen. Auch sollte man aufhören, steigende Löhne und Renten wie den Staatsfeind Nummer eins zu behandeln. Doch auch wer auf tägliche Kleinigkeiten wie Kaffee, Glücksspiel usw. verzichtet, auf den wartet ein kleines Vermögen. Denn wer richtig mit dem Geld umgeht, hat mehr vom Leben.“

Vonseiten der Politk seien weitere Maßnahmen steuerlicher, einkommensseitiger und ausgabenseitiger Natur notwendig. Auch müsse auf grüne Transformation und sozialen Ausgleich gesetzt werden. „Eine sehr schwierige Aufgabe!“, erklärt Andreaus.

Von: mk

Bezirk: Bozen

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