Atypische Arbeitsverhältnisse im öffentlichen Dienst Südtirols

Ältere sicher betreuen und selber prekär arbeiten?

Montag, 28. September 2015 | 13:13 Uhr

Bozen – Mit der stetig wachsenden Nachfrage nach sozialen Dienstleistungen gewinnt der öffentliche Arbeitgeber immer mehr an Bedeutung, gerade auch bei Pflege und Betreuung. In Südtirol zählten die Dienste und Pflegeeinrichtungen von Land, Gemeinden und Bezirksgemeinschaften Ende 2013 über 4.000 Beschäftigte. Trotz beginnender Sparmaßnahmen verzeichnete dieser Bereich in den Jahren 2009-2013 einen Beschäftigungszuwachs von immerhin +11,5 Prozent. Aber: „Ein Viertel der älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeitet ‚atypisch‘ mit befristeten Verträgen, was einem Rekordwert entspricht“, heißt es in der jüngsten Veröffentlichung des AFI | Arbeitsförderungsinstitut.

Im Rahmen der Studienreihe zu den „atypischen Arbeitsverhältnissen“ hat das AFI diesmal den Bereich Pflege und Betreuung im öffentlichen Dienst näher angeschaut. Aus der Datenanalyse und den Forschungsinterviews gehe hervor, dass der Bereich Pflege vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten biete. „Attraktiv ist dieser Bereich unter anderem für ältere Umsteiger genauso wie für Frauen, die auf die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit Wert legen und einen wohnortnahen Arbeitsplatz sehr schätzen“, skizziert AFI-Mitarbeiterin Heidi Flarer das Gesamtbild.

Jüngere unbefristet beschäftigt, ältere befristet

Wie aber steht es um die Beschäftigten in Teilzeit oder mit zeitlich befristeten Arbeitsverträgen, also die so genannten „atypischen Arbeitsverhältnisse“? Aus den Daten im Zeitraum 2009 bis 2013 würden drei Merkmale hervorstechen: „Der Bereich Pflege im öffentlichen Dienst ist unumstrittene Domäne weiblicher Erwerbstätiger, der Teilzeit (43,9 Prozent) und der Befristungen (32,3 Prozent)“, stellt AFI-Forschungsmitarbeiter Werner Pramstrahler fest. Im Gegensatz zu anderen Zweigen des öffentlichen Dienstes falle der hohe Anteil jüngerer Beschäftigter mit unbefristetem Arbeitsvertrag (37,0 Prozent) positiv auf. Eine Besonderheit sei es aber, dass rund ein Viertel der älteren Bediensteten in der Pflege und Betreuung mit befristeten Verträgen beschäftigt sei. Pramstrahler hierzu: „In den Gruppen der über 40jährigen und der über 50-jährigen Beschäftigten haben nur rund drei Viertel einen unbefristeten Arbeitsvertrag; 25 Prozent arbeitet befristet: Das ist ein Rekordwert.“
Da die Nachfrage nach sozialen Dienstleistungen weiter zunimmt, gebe es in manchen Bereichen einen Fachkräftemangel. Das fordere von den Betrieben erhöhte Flexibilität, die in erster Linie an atypisch Beschäftigte weitergegeben werde; für sie gelte „ein System der permanenten Bewährung“, so Heidi Flarer. Allerdings sei der öffentliche Arbeitgeber bestrebt, Bedienstete mit befristetem Vertrag möglichst zu halten“, streicht die Studie des Arbeitsförderungsinstitutes die Bemühungen der Personalverantwortlichen heraus. Die Kontinuität für Bedienstete mit atypischen Arbeitsverhältnissen zu gewährleisten, werde aber zunehmend schwieriger, hieße es von deren Seite.

Mit Kooperation und Vernetzung zu besseren Arbeitsplätzen und Dienstleistungen

Weil die stetig hohe Dienstleistungsqualität ein Muss und auf der Kostenseite Sparen angesagt sei, verdichte sich das Arbeitspensum der bestehenden Beschäftigten: „Es droht eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Notwendig sind neue Formen der Kooperation zwischen Einrichtungen, mehr Vernetzung und eine Erhöhung der Arbeitsqualität“, schlussfolgert AFI-Präsident Toni Serafini.

Abrufbar ist die vollständige Studie auf der Homepage des Instituts: www.afi-ipl.org

Von: ©mk

Bezirk: Bozen