Vorbote für den Aufschwung

AFI-Barometer: Bessere Stimmung bei den Südtiroler Arbeitnehmern

Donnerstag, 23. April 2015 | 13:47 Uhr

Bozen – In Anwesenheit von Landesrätin Martha Stocker und AFI-Präsident Toni Serafini wurde heute die achte Ausgabe des AFI-Barometers vorgestellt. Das Hauptergebnis: Die Stimmung bei den Südtiroler Arbeitnehmern zieht wieder an – in zwei Fällen sogar deutlich, nämlich was die erwartete Entwicklung der Südtiroler Wirtschaft und die erwartete Entwicklung der Arbeitslosigkeit anbelangt. Die Indikatoren der Realwirtschaft spiegeln die verbesserte Stimmung noch nicht wieder. Dazu AFI-Präsident Toni Serafini: „Heute mehr denn je ist es notwendig, dass die öffentliche Hand über Investitionen die Nachfrage stützt und dass die Privatwirtschaft den besonders günstigen Moment auf den Zinsmärkten als Chance für Investitionsvorhaben wahrnimmt.“

Am 16. April ist die Gemeinschaftsdiagnose der führenden europäischen Prognose-Institute veröffentlicht worden. Die Experten erwarten, dass sich der wirtschaftliche Aufschwung im Euro-Raum festigt, begünstigt durch den niedrigen Rohölpreis und den schwachen Euro. Die Europäische Zentralbank hält an der expansiven Geldpolitik fest – dennoch dürfte die Inflation über das gesamte Jahr die Marke von ein Prozent nicht überschreiten. Die Weltkonjunktur wird 2015 vor allem von den USA angetrieben. Die Forscher rechnen für 2015 mit folgenden Wirtschaftswachstumsraten: USA +2,9 Prozent, Euro-Raum +1,4 Prozent, Deutschland +2,1 Prozent, Österreich +0,8 Prozent, Italien +0,4 Prozent. Positiv ist, dass in Italien die Stimmung sowohl bei den Unternehmen als bei den Verbrauchern wieder anzieht. Auf die Realwirtschaft hat sich dies bislang allerdings noch nicht positiv niedergeschlagen.

Stimmungsbild: Alle sieben Indikatoren bessern sich, zwei davon deutlich

Die Stimmungsbild bei den Südtiroler Arbeitnehmern hellt sich durchgehend auf: Alle sieben Indikatoren entwickeln sich in eine positive Richtung – in zwei Fällen sogar relativ deutlich. Es handelt sich um jene, die das wirtschaftliche Umfeld betreffen, nämlich die erwartete Entwicklung der wirtschaftlichen Entwicklung sowie die erwartete Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Die fünf Indikatoren, welche die persönliche Situation der Arbeitnehmer abbilden, bleiben nur stabil mit leicht positivem Vorzeichen. 30 Prozent beträgt nun der Anteil der Südtiroler Arbeitnehmer der angibt, nur mit Schwierigkeiten über die Runden zu kommen, weil das Geld nicht bis ans Monatsende reicht. Es ist dies der niedrigste Wert seit Einführung des AFI-Barometers. Dazu AFI-Direktor Stefan Perini: „Es spricht einiges dafür, dass sich der wirtschaftliche Aufschwung auch in Südtirol festigt. Sehen wir die Stimmungsindikatoren als Vorboten, so bahnt sich in Südtirol bei den Arbeitslosenzahlen eine Trendumkehr an. Für das AFI bleibt ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent für die Südtiroler Wirtschaft im Jahr 2015 absolut in Reichweite.“

Qualität der Arbeit: Zeitdruck als größeres Problem

Das Thema Qualität der Arbeit wird erst seit Ende der 70-er Jahre wissenschaftlich beleuchtet. Obwohl es noch keine in allen Ländern akzeptierte Definition gibt ist man sich einig, dass die Qualität der Arbeit mehrere Facetten besitzt, die sowohl die organisatorischen Aspekte der Arbeit (Arbeitsbedingungen) als auch subjektive Faktoren (Arbeitszufriedenheit) betreffen. Unterschiedlich sind auch die Methoden, um die Qualität der Arbeit zu messen. Das AFI hat sich in dieser Sache an den Arbeitsklimaindex der österreichischen Arbeiterkammern angelehnt. Das AFI-Barometer hat erhoben, welche die Arbeitsaspekte sind, mit denen Südtirols Arbeitnehmer am zufriedensten sind. Es sind dies das Ansehen des Unternehmens (Zufriedenheitsgrad: 69 Prozent), die Stellung als Arbeitnehmer in der Gesellschaft (63 Prozent) und die Möglichkeiten der Weiterbildung (55 Prozent). Weniger ausgeprägt ist die Zufriedenheit mit dem derzeitigen Einkommen (46 Prozent) sowie mit den Karrieremöglichkeiten (42 Prozent). Demgegenüber werden diese Faktoren als Belastung gewertet: der Zeitdruck (40 Prozent), die technischen und organisatorischen Veränderungen (20 Prozent) und schlechte Gesundheitsbedingungen am Arbeitsplatz (13 Prozent).

Work ability: 44 Prozent der Südtiroler Arbeitnehmer werden ihre heutige Arbeit mit 65 Jahren nicht mehr ausüben können

Der Anstieg der Lebenserwartung schlägt sich auf die Arbeitswelt in eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit nieder. Damit ist auch schon das Thema der work ability geboren, sprich der Arbeitsfähigkeit auch in fortgeschrittenem Erwerbsalter. Ein wesentlicher Faktor, der dazu beiträgt, die Beschäftigungsfähigkeit hoch zu halten, ist die Qualität der Arbeit. Im Sonderteil des AFI-Barometers wurden Südtirols Arbeitnehmer gefragt, inwiefern sie davon ausgehen, ihre derzeitige Arbeit auch noch mit 65 Jahren ausüben zu können: 15 Prozent werten dies als absolut unwahrscheinlich, 29 Prozent als eher unwahrscheinlich, 34 Prozent als relativ wahrscheinlich und 23 Prozent als sehr wahrscheinlich. Als Maßnahmen, um auch noch mit 65 Jahren arbeiten zu können, geben 85 Prozent die Reduzierung von Stress an, 78 Prozent die Verbesserung des Arbeitsklimas mit Vorgesetzten und Kollegen, 74 Prozent geringere körperliche Belastungen. Erwähnenswert ist, dass für die Arbeitnehmer flexible Arbeitszeiten einen höheren Stellenwert genießen als kürzere. „Der Umstand, dass ein so hoher Anteil der Arbeitnehmer glaubt, mit 65 Jahren ihre heutige Arbeit nicht mehr ausüben zu können ist allarmierend“, stellt Irene Conte fest, die das AFI-Barometer betreut. „Es braucht Maßnahmen über das gesamte Erwerbsleben, um die Arbeitsfähigkeit stets hoch zu halten“.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen