Verteilungsgerechtigkeit

AFI: Kluft zwischen arm und reich nach wie vor groß

Freitag, 05. August 2022 | 11:47 Uhr

Bozen – “Die Werte entsprechen denen der Vorjahre. Das vorherrschende Gefühl ist, dass es in Südtirol eine starke Ungleichverteilung des Reichtums zwischen denen, die viel haben, und denen, die wenig haben, gibt”, sagen AFI-Forscher. “Aber es wäre vermessen, eine andere Wahrnehmung zu erwarten, wenn man die Situation bedenkt, in der wir uns derzeit befinden: Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie, der starke Anstieg der Inflation, der Krieg in der Ukraine. All das verringert sicher nicht die Kluft zwischen denen, die im Überfluss leben und denen, die den Gürtel enger schnallen müssen.“  Als eine der Hauptursachen für die Ungleichheit nannten die Befragten die staatliche und lokale Wirtschaftspolitik. Für die Verbesserung der eigenen Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen braucht es laut der Umfrage eine  gute Ausbildung, man sollte aber auch die richtigen Leute kennen.

Hier geht es zur Grafik!

Vor dem Sonderthema, das diesmal die hohen Lebenshaltungskosten betrifft, wurden die wichtigsten Ergebnisse der Sommerausgabe des IPL-Barometers vom Institut bereits am 22. Juli auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Die Fragen des Themenblocks hingegen wurden erst vor wenigen Tagen ausgewertet. Der Themenblock zielte darauf ab, die Wahrnehmung wirtschaftlicher Ungleichheit in der Region zu erfassen, aber auch mögliche Ursachen und Instrumente aus arbeits- und wirtschaftspolitischer Sicht benennen zu können.

Hier geht es zur Grafik!

Um das Thema Verteilungsgerechtigkeit aus allen Blickwinkeln zu beleuchten, sind sowohl Umfrage- als auch Verwaltungsdaten wertvoll, betonen AFI-Forscher. „Umfragen spiegeln die Wahrnehmungen von bestimmten Zielgruppen wider und zeigen auf, wie die Menschen über einen bestimmten Sachverhalt denken. Verwaltungsdaten wiederum sind nützlich, um diesen Sachverhalt angemessen einzuordnen“.

Für nur 18 Prozent ist die Kluft unerheblich

83 Prozent der Befragten schätzen die Kluft zwischen arm und reich in Südtirol als relativ groß (59 Prozent) oder sehr groß (24 Prozent) ein. Nur 18 Prozent finden, dass diese Kluft unerheblich ist.

Die Hauptursachen der Ungleichheit: Wirtschafts- und Lohnpolitik

Für die Südtiroler Arbeitnehmer ist die lokale und gesamtstaatliche Wirtschaftspolitik Hauptursache für die Kluft zwischen arm und reich (33 Prozent). Es folgen Lohnpolitik (23 Prozent) und Steuerpolitik (18 Prozent), also  Faktoren, die der einzelne Arbeitnehmer nicht beeinflussen kann. Erst an vierter Stelle finden wir “Unterschiedliche Arbeitsleistung” als Antwort (zehn Prozent).

Wichtig für die Karriere: Gute Ausbildung, aber auch die richtigen Leute kennen

Engagement und Arbeitseinsatz sind sicherlich notwendig, um den sozialen Aufstieg zu schaffen, aber nach Meinung der Befragten nicht allein ausschlaggebend. Der wichtigste Faktor für den beruflichen Erfolg sei eine gute Ausbildung. Die Befragten geben aber auch an, dass man die richtigen Leute kennen sollte, um voranzukommen. Auf einer Skala von 0 (unwichtig) bis 10 (sehr wichtig) lag nur die Bildung im Durchschnitt über 8. Für die Karriere zweitrangig sind laut den Befragten harte Arbeit, pures Glück oder die Zugehörigkeit zu einer wohlhabenden Gesellschaftsschicht.

Instrumente zur Verringerung der Ungleichheit

Die einschneidendsten Maßnahmen zur Bekämpfung der Ungleichheit sind – für weibliche Arbeitnehmer – eine solide Grundausbildung und lebenslanges Lernen, aber auch die Schaffung von hochwertigen Arbeitsplätzen (in beiden Fällen bewerteten 95 Prozent der Befragten diese Maßnahmen als “sehr oder äußerst wirksam”). Es folgen ein progressives Steuersystem (83 Prozent), nicht ohne eine angemessene Kombination mit Sozialtransfers, und eine stärkere Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen (76 Prozent).

Das AFI-Barometer erscheint viermal im Jahr (Winter, Frühjahr, Sommer, Herbst) und gibt das Stimmungsbild der Südtiroler Arbeitnehmerschaft wieder. Die telefonisch geführte Umfrage betrifft 500 Arbeitnehmer und ist für Südtirol repräsentativ. Die nächsten Umfrageergebnisse werden Mitte Oktober 2022 vorgestellt.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

22 Kommentare auf "AFI: Kluft zwischen arm und reich nach wie vor groß"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Vonmiraus
Vonmiraus
Tratscher
3 Tage 22 Min

Meiner Meinung nach sind die Leute zu faul zum arbeiten.
Ich z. B. gehe mir trotz Rente nach 50 Jahren Arbeit etwas dazu verdienen. Jammern allein bringt nichts.
Arbeit gäbe es bei uns ohne Ende, aber wie gesagt, die Leute sind faul und jammern lieber.
Ein Beispiel: eine Bekannte sucht für die Reinigung der Fw Reinigungskräfte. Eine Arbeit, die bald mal erlernbar wäre und in diesem Fall auch gut bezahlt.
NIEMAND hat sich gemeldet.
Also hört auf mit dem Heulen, ohne Fleiß kein Preis.

Zefix
Zefix
Universalgelehrter
2 Tage 23 h

zohlt sicher guat wenn sich niamend melded

PuggaNagga
2 Tage 6 h

Putzfrauen, Auf neudeutsch Raumpfleger:innen bekommen in Südtirol zwischen 15 und 20 Euro die Stunde. Also das ist meines Erachtens ein sehr gut bezahlter Job der keine großen Vorkenntnisse erfordert. Nur etwas schmutzig, wenig angesehen und deshalb will den keiner machen.
Putzfrauen die etwas taugen und weniger verlangen findet man schließlich keine.

Fantozzi
Fantozzi
Superredner
3 Tage 51 Min

Mir tuat koaner load olle lebn auf zu grossen fuas ….

PuggaNagga
2 Tage 6 h

Sell stimp.
Olle fohrn in Urlaub, hobn 2 Auto, eBike, neues Smartphone, Markenkleidung, kafn a Wohnung.
Mi erstaunt es olm wieder wie sich monche leit ols leistn kennen, man kennt jo deren beruf und a irgendwie deren Einkommen. I red ned von die Besserverdienenen sondern normale Arbeitnehmer.

Entequatch
Entequatch
Tratscher
3 Tage 20 Min

Ein faktor ist wohl auch die u terschiedlichen ausgaben, zb eine person die in jungen jahren (unter 30 jahre) mit sehr viel sparen und darlehen aufnehem, sich ein haus kauft, wird mir 50jahren als “reich” abgestempelt… eigentümer einer wohnung/haus und schulden frei. Dies i vergleich zu einer der das gleiche einkommen hatte, aber dieser hat das geld fürs reisen, parties, auto etc ausgegeben gilt mit 50 als arm denn dieser muss miete zahlen

Vonmiraus
Vonmiraus
Tratscher
3 Tage 18 Min

Noch eine Überlegung, arm und reich hat es immer schon gegeben. Manch einer arbeitet viel und kommt zu etwss.
Andere liegen auf der faulen Haut und heben immer nur die Hand auf und fordern. Sie vergessen dabei, dass man nicht ummer nur aus dem Topf nehmen kann, man muss auch was hinein tun.

Sag mal
Sag mal
Kinig
2 Tage 22 h

Vonmiraus Die verzichten auf n i c h t s .BeimUrlaub fängts an?Ein Muss!!!

Konnnixwoasnix
Konnnixwoasnix
Grünschnabel
2 Tage 19 h

Do hosch a recht, lei kim mir fir dass es nor dor Stoot oan schwar mocht!

PuggaNagga
2 Tage 6 h
Genau so ist es. Während ich mal wieder eine Doppelschicht mache, letztens von 08 bis ca. 23.30 Uhr gearbeitet, sind die anderen Freitags um 15.00 Uhr schon in der Kneipe und besaufen sich. Aber dann neidvolle blicke zuwerfen sobald ich mit meinem Auto spät abends nach einem langen Arbeitstag nachhause fahre. Zudem muss man sich auch noch blöde Sprüche gefallen lassen und erdulden dass das Geschäft wohl gut laufen muss um sich so einen Wagen leisten zu können. Da könnte ich jedesmal….😡😡 arggggggg, aber Gelassenheit und Besonnenheit ist eine Tugend und Stärke. Arbeit ist nich interessant, ein notwendiges Übel. Gehasst.… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Kinig
3 Tage 50 Min

Nicht die Lohn Politik ist Schuld an der Misere, auch (!) , es ist vielmehr die Steuer Politik!

Fieghdiehenne
2 Tage 22 h

das beste Beispiel ist Südtirol …. Bauern und Hoteliers bekommen Förderungen und Steuererleichterungen und die Arbeitnehmer zahlen drauf !

PuggaNagga
2 Tage 6 h

Warum änderst du nicht deinen Status als Arbeitnehmer? Kannst ja selbst Arbeitgeber werden und auch in die Kaste der Leute die Steuererleichterungen bekommen aufsteigen. Jeder hat die Möglichkeit dazu.
Immer jammern und auf andere zeigen…
Aber nicht vergessen, wer viel verdient zahlt viel steuern.

ieztuets
ieztuets
Tratscher
3 Tage 1 h

Nach wie vor groß? Die Unterschiede steign olleweil weiter, schunn amoll ba die Ungstelltn zwischn “Führungskräfte” und “normale”, von ondere Groaßverdiener redmer gor nit…

PuggaNagga
2 Tage 6 h

Also da gibt es nur eine Lösung. Arsch aufreisen und auch in die Riege der Führungskräfte aufsteigen.
Dazu muss man halt auch was beitragen und bestimmte Fähigkeiten haben. Mit jammern wird man nicht Führungskräfte.
Jeder hat sein Glück selbst in der Hand. Nur nebenbei gesagt, Führungskräfte haben in der Regel keinen 8 Stunden Job.

Eisenhauer
Eisenhauer
Grünschnabel
3 Tage 20 Min

Sicher gibt es große Unterschiede beim Einkommen. Es gibt aber im Verhältnis zum Einkommen kleine Unterschiede bei den Ausgaben. Die meisten leben über ihre Verhältnisse. Wenn man dann jemanden der sich beklagt zu wenig Geld zu haben darauf hinweist wo er sparen könnte, dann ist die Antwort nicht selten: jo wenn’s des nit trog…

Offline1
Offline1
Kinig
2 Tage 20 h

Einen nicht unerheblichen Anteil an der Kluft zwischen “Arm” und “Reich” hat die Bildung. Und da meine ich ausdrücklich nicht die EINbildung !!

marher
marher
Universalgelehrter
2 Tage 23 h

In Südtirol gibt es sehr viele wohlhabende Menschen die aber nur zum Teil mit Fleiss zum Wostand gekommen sind. Und genau diese sind meistens dijenigen die wirklich arme und notdürftige Familien kritisieren und nur wenig solidarisch sind. Und ja es gibt zuviele Schlaumeier die zu faul sind zu arbeiten und hinten und vorne vom ungerechten System unterstützt werden, weil das Land nicht im Stande ist rigorose Kontrollen durchzuführen.

sakrihittn
sakrihittn
Universalgelehrter
2 Tage 22 h

Speziell die Kluft zwischen fleißig und reich ist riesengroß.

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Universalgelehrter
2 Tage 22 h

Extrem unterschiedliche Bezahlung bei den Berufsbildern ist schon mal hervorzuheben. 

Ein Zukunftsmodell für Südtirol: 
Wohlstand ist: wenn es 25% weniger Arbeitsplätze geben würde und diese 25% mehr bezahlt werden würden. 

Zugspitze947
7 h 42 Min

neider: Dümmer gehts wohl nimmer ? Wie soll DAS funktionieren ? Wir wollen ja alle preiswert einkaufen,bei 25 % Mehrkosten geht alles Flöten 🙁

Neuling
1 Tag 22 h

In Südtirol nix neues das 60 % arm sind 20 % Besserverdiener und 20% reich 😉
Ich gehöre zu den 60 % 😂

wpDiscuz