Air Berlin macht zuletzt vor allem Negativschlagzeilen

Air Berlin entschädigt Passagiere mit zehn Millionen Euro

Freitag, 07. Juli 2017 | 16:56 Uhr

Für Verspätungen und Flugausfälle bei Air Berlin vor allem im April und Mai sind Entschädigungszahlungen von “deutlich mehr als zehn Millionen Euro” fällig. Diese Zahl nannte Vorstandschef Thomas Winkelmann in der “Rheinischen Post” (Freitag). Seit dem Wechsel auf einen neuen Flugplan Ende März gibt es viele Verspätungen und Flugausfälle bei der hoch verschuldeten Fluggesellschaft.

Ein Grund für die Probleme war die schleppende Beförderung von Gepäck am Flughafen Berlin-Tegel nach einem Wechsel des Vertragspartners. Deshalb will Winkelmann jetzt von dem neuen Bodendienstleister Aeroground Geld sehen. Vor allem im April und Mai blieben viele Koffer von Umsteigern in Berlin liegen oder die Fluggäste mussten lange am Gepäckband warten. “Wir fordern vom Mutterunternehmen von Aeroground, dem Flughafen München, Schadenersatz in Millionenhöhe. Es ist unerträglich, wie unprofessionell Aeroground aufgebaut und gemanagt wurde. “Außerdem legen wir Sonderschichten ein, um die Gelder auszuzahlen”, sagte Winkelmann.

Aeroground reagierte darauf am Freitag mit dem Angebot, die Zusammenarbeit mit Air Berlin vorzeitig zu beenden. Wenn Air Berlin das wolle, sei man zu einem Ausstieg aus dem Anfang März geschlossenen Vertrag bereit, hieß es am Freitag in Unternehmenskreisen. Dies sei Air Berlin schriftlich mitgeteilt worden.

Aeroground hält den im März verdichteten Flugplan von Air Berlin mit unrealistisch kurzen Umsteigezeiten, einer mangelhaften Steuerung des Flugbetriebs, fehlenden Ansprechpartnern bei der Airline und zu wenig Platz in Tegel für die Hauptgründe für die großen Schwierigkeiten bei der Gepäckbeförderung. Nach wie vor gebe es “Unregelmäßigkeiten” im Flugbetrieb, auch wenn es “etwas besser geworden” sei, hieß es bei Aeroground.

Air Berlin will trotz allem mit Aeroground weitermachen. “Wir erwarten, dass unser Dienstleister seine Probleme nun endlich professionell angeht und die vertraglich zugesicherten Leistungen erbringt”, sagte Unternehmenssprecher Ralf Kunkel. Air Berlin habe in Tegel ihre Hausaufgaben gemacht. “Wir haben über 800 Personen eingestellt. Wir haben den dichten Tegel-Flugplan entzerrt und bereinigt.”

Um die krisenbeladene Fluggesellschaft sanieren zu können, verlangte Winkelmann Zugeständnisse von der Belegschaft und dem Geschäftspartner TUI. “Wir müssen mit der TUI über den Vertrag reden, der 2009 über die Überlassung von 14 Maschinen abgeschlossen wurde. Der ist viel zu teuer und ein Mühlstein am Hals der Air Berlin. Das wird TUI nicht gern hören, aber da müssen wir ran.” Mit den Gewerkschaften Verdi und Vereinigung Cockpit wolle er darüber sprechen, wie die Produktivität verbessert werden könne.

Von: APA/dpa