Kredit soll Liquidität sichern, bis Verkauf abgeschlossen ist

Air Berlin-Flüge aus operativen Gründen gestrichen

Sonntag, 03. September 2017 | 20:23 Uhr

Air Berlin hat nach eigenen Angaben am Sonntag mehrere Flüge abgesagt. “Aus operativen Gründen muss airberlin heute Flüge streichen”, teilte die insolvente Fluggesellschaft auf ihrer Internetseite mit. “Wir bedauern die für unsere Fluggäste entstandenen Unannehmlichkeiten sehr.” Nähere Angaben etwa zur Zahl der gestrichenen Flüge und zu den Gründen machte die Airline nicht.

Air Berlin schrieb zum Beispiel bei Facebook, Passagieren, die von einer Flugstreichung betroffen seien, werde “die bestmögliche Reisealternative angeboten”. In Berlin habe es die eine oder andere Schlange vor dem Umbuchschalter gegeben, sagte ein Sprecher der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg am Abend. “Auswirkungen auf den Flugverkehr hatte das aber nicht.”

Ein Sprecher von Air Berlin war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Am Flughafen Berlin-Tegel fielen laut den online genannten Abflügen vereinzelt Verbindungen aus, etwa nach Köln/Bonn oder Stuttgart, aber auch an weiter entfernte Orte wie San Francisco. Am Flughafen Düsseldorf fielen nach Angaben eines Flughafensprechers sieben Flüge aus, größere Probleme habe es nicht gegeben. In Wien gab es am Sonntag laut Online-Flugplan keine größeren Ausfälle. Am Nachmittag wurde ein Airberlin-Flug von und nach Berlin gestrichen.

Die insolvente Fluggesellschaft kommt allerdings einem Zeitungsbericht zufolge bei der Auszahlung des 150-Millionen-Kredits voran. Der Vertrag sei unterschrieben, berichtete die “Bild am Sonntag”. Die Airline habe sich mit der staatlichen Förderbank KfW auf die Konditionen geeinigt. Demnach zahle Air Berlin der Bank nun knapp zehn Prozent Zinsen.

Mit der Kreditlinie kann Air Berlin nach Bedarf bis zu 150 Millionen Euro abrufen und so die Liquidität sichern, bis der Verkauf abgeschlossen ist. Der Kredit soll vom Bund abgesichert werden. Ziel der Staatsgarantie ist es, den Flugbetrieb der Airline solange sicherzustellen, bis die Gespräche von Air Berlin mit Interessenten für Teile des Unternehmens abgeschlossen sind. Damit soll ein geordneter Übergang ermöglicht werden. Ohne den staatlich verbürgten Kredit hätte Air Berlin den Flugbetrieb einstellen müssen. Konkurrenten sehen in dem Kredit eine verbotene Beihilfe.

Nach der Insolvenz von Air Berlin wird laut Ministerium weiter an einem Millionenkredit für die Fluggesellschaft gearbeitet. “Die technische Umsetzung ist auf dem Weg. Eine Unterschrift ist noch nicht geleistet worden”, teilte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Sonntag in Berlin mit. Zu weiteren Einzelheiten wollte sich das Ministerium nicht äußern.

Unterdessen sagte Niki Lauda, Gründer der zu Air Berlin gehörenden Fluggesellschaft Niki, er wisse noch nicht, ob er ein Angebot für Niki abgeben werde. Die Bücher seien zur Hälfte durchgesehen, der Rest stehe am Montag und Dienstag an, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters am Rande des Formel-Eins-Rennen in italienischen Monza. Die Zahlen müssten geprüft werden. “Dann kann ich eine Entscheidung fällen”, sagte der frühere Rennfahrer.

Air Berlin will bis zum 15. September verbindliche Angebote von Investoren einsammeln. Wenn alles klappt, könnte Verhandlungskreisen zufolge bereits am 21. September feststehen, wer welche Teile von Air Berlin bekommt.

Luftfahrt-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl brachte sich ebenfalls wieder ins Spiel und sagte der “Bild am Sonntag”, sein Angebot und seine Finanzierung stehe. Die genaue Summe werde er zum Ende der Frist bieten. Am Donnerstag hatte der frühere Airline-Besitzer einen Rückzieher gemacht. Wegen einer von Air Berlin vor Beginn der Verhandlungen geforderten Vertraulichkeitserklärung habe er sich entschlossen, zunächst keine weiteren Schritte zu unternehmen, hatte Wöhrl über seine Firma Intro mitgeteilt.

Der “Spiegel” hatte zudem berichtet, der ehemalige Energie-Topmanager Utz Claassen spiele den Kauf der Airline durch. Claassen habe dem Air-Berlin-Sachverwalter mitgeteilt, dass er “hochpotente und hochseriöse internationale Investoren” angesprochen habe, die die Fluggesellschaft als Ganzes kaufen und sanieren wollten.

Von: APA/ag.