Der Verkauf sollte bis Ende Oktober abgeschlossen sein

Air-Berlin-Krise dominierte Luftfahrtsymposium

Mittwoch, 06. September 2017 | 16:27 Uhr

Am 15. September endet die Angebotsfrist für die insolvente Air Berlin und deren Österreich-Tochter Niki. Für weite Teile gilt die deutsche Lufthansa als Favorit, die in Österreich die AUA (Austrian Airlines) betreibt. Zuletzt ist der Bieterkreis nochmals gewachsen. Die Air-Berlin-Krise hat am Mittwoch das in Wien stattfindende Luftfahrtsymposium dominiert.

Einschätzungen von Übernahmeangeboten und deren Chancen wurden abgefragt. Wie ernst AUA-Chef Kay Kratky Interessensbekundungen einzelner Investoren beurteilt, darunter von Niki Lauda für Niki oder vom Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl für Air Berlin, behielt Kratky für sich. Er kenne keine Angebote von ihnen. “Ich hoffe, dass es nur ernsthafte Angebote werden.”

Air Berlin und Niki hätten nur seriöse Anbieter verdient, die ein vernünftiges Konzept böten und auch in der Lage seien, eine solche Transaktion zum Erfolg zu bringen, sagte Kratky bei dem Symposium. “Das ist alles andere als eine kleine Transaktion.” Seine Gruppe habe die ganz besondere Situation um Air Berlin seit vielen Wochen und Monaten verfolgt. Nun seien noch ein paar Spätberufene gekommen, die jetzt Zeitnot beklagten. Auch die hätten sich mit ein wenig Vorbereitung früher einstellen können, findet Kratky.

“Wie die Würfel fallen, müssen wir abwarten”, sagte der AUA-Chef. Dann müsse man schauen, wie die gedanklichen Szenarien real umgesetzt werden könnten, meinte er ohne das Lufthansa-Angebot für Air-Berlin-Teile bzw. für Niki näher zu beschreiben. “Die Zeit müssen wir uns nehmen.”

Der deutsche Luftfahrtberater Ulrich Schulte-Strathaus äußerte sich heute skeptisch zu Niki Laudas Airline-Rückkaufbewerbung. Ob Niki eigenständig (“stand alone”) bestehen könne, sei mit einem großen Fragezeichen zu sehen. Strathaus sieht wie viele andere die Lufthansa als aussichtsreichste Bewerberin für Maschinen und Crews der Air-Berlin-Gruppe. In seinen Augen geht die Konsolidierung bei den Airlines in Europa erstaunlich langsam voran. In den USA seien schon viel früher die Marktkräfte freigesetzt worden.

Zu viel Marktmacht fürchten Kritiker eines Lufthansa-Deals. AUA-Chef Kratky hält Warnungen vor Monopolisierung und einer Auflösung des Wettbewerbs aber für “absurd”. Ein starkes Drehkreuz brauche zumindest zwei starke Partner, neben dem Flughafen selbst sei eine “gewisse Marktplatzierung” des Home Carriers nötig. “Wir dürfen da auch keine nationale Brille aufsetzen, sondern müssen europäisch und global denken.”

Im Wachstum will sich Kratky nicht nur an Opportunitäten orientieren. “Wir brauchen einen langfristigen Plan. Wenn sich am Weg etwas ergibt, nehmen wir das natürlich sehr gerne mit.” In Wien wäre noch Platz.

Das Schicksal von Air Berlin und Niki beschäftigt auch den Flughafen Wien gerade intensiv. Eine wachsende AUA/Lufthansa/Eurowings-Gruppe ist den Managern am Airport lieber als eine weiter schrumpfende Air Berlin. Mit 7,5 Prozent Marktanteil von Air Berlin/Niki im ersten Halbjahr gehe es um eine relevante Größe und vor allem um viele Jobs. Flughafen-Vorstand Julian Jäger hofft auf möglichst rasche Entscheidungen. Es sei Unsicherheit im Markt. Ein “Grounding” der Air Berlin wäre für alle Beteiligten die schlechteste Lösung.

Auch das Schicksal von Niki wird dann entschieden. Am Mittwoch ist aus Österreich der Chef der Air-Berlin-Tochter Niki, Oliver Lackmann, in Berlin. Dafür ließ er kurzfristig seine Teilnahme am diesjährigen Luftfahrtsymposium in Wien sausen. Nach Informationen der Berliner Zeitung “B.Z” zeichnet sich immer mehr die Zerschlagung der Air Berlin und der Verkauf vor allem an Lufthansa und Easyjet ab.

Klappe alles reibungslos, sollte der Verkauf bis Ende Oktober abgeschlossen sein. Das sei auch notwendig, da Air Berlin dann endgültig das Geld ausgehe und auch für die bisher nicht von der Pleite betroffene Niki Insolvenz angemeldet werden müsse, schreibt die “B.Z.”

Am Mittwoch und Donnerstag liefen Gespräche zwischen den Insolvenzverwaltern und Air-Berlin-Beschäftigtenvertretern über einen Sozialtarifvertrag. Den sollen mögliche Käufer von Air Berlin übernehmen. Anfang nächster Woche (11./12. September) sollen, wie es heißt, Verhandlungen zwischen Verdi sowie Easyjet und Lufthansa stattfinden. Dabei solle u.a. vereinbart werden, welche Beschäftigten übernommen werden sollen.

Am 15. September endet offiziell das Bieterverfahren, am 21. September ist Gläubigerausschuss, der sein Okay für bis dahin vom Air-Berlin-Vorstand und den Insolvenzanwälten ausgehandelte Kaufverträge geben muss. Für 26. September habe die deutsche AUA-Mutter Lufthansa eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung angesetzt. Dort soll die Zustimmung zum Kauf von Air-Berlin-Teilen eingeholt werden, schreibt die Zeitung. Danach rechnet man intern mit dem Start des offiziellen Prüfverfahrens der EU-Wettbewerbshüter.

Von den USA ausgehend steht für europäische Airlines und Flughäfen eine weitere Welle an schärferen Kontroll- und Sicherheitsvorkehrungen an. Das wird in den nächsten Wochen auch für die Lufthansa und ihre Tochter AUA ein Thema. Kratky sah das aber nicht mehr nur als ein Kostenthema für die Luftverkehrsbranche. Er will, dass der Staat dafür aufkommt.

Nach Angaben Kratkys wird die Lufthansa-Gruppe voraussichtlich mit einem zusätzlichen Betrag in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe belastet. Für die AUA bedeute das einen hohen einstelligen Millionenbetrag, sagte der Airline-Chef heute beim heurigen Luftfahrtsymposium.

“Hier muss der Staat eine Sicherheitsinfrastruktur bereitstellen und diese Kosten zu 100 Prozent übernehmen”, sagte Kratky. Das Thema der Sicherheitslage sei eher eine Hoheitsaufgabe als eine unmittelbare industrielle Aufgabe. Unter anderem geht es um die Bezahlung verdeckter Kontrollen und neuer Security-Systeme.

Von: apa

Kommentare

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1 Kommentar auf "Air-Berlin-Krise dominierte Luftfahrtsymposium"


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Mikeman
Mikeman
Universalgelehrter
15 Tage 13 h

armseeliges Geschäft die ganze Luftfahrt,entweder es wird getrickst ansonsten Pleite, bereits immer mehr Gesellschaften haben das Problem die 380 zu betreiben und überlegen diese Kisten an die Leasinggesellschaften zurück zu geben und was dabei wieder Investoren wieder geprellt werden ………… 

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