Tuifly und Air Berlin dürften fusionieren

Air Berlin und TUIfly sollen zu Ferienflieger verschmelzen

Mittwoch, 05. Oktober 2016 | 17:30 Uhr

Im europäischen Markt für Ferienflieger gibt es wohl bald einen neuen Anbieter: Die Touristiksparte von Air Berlin soll mit TUIfly verschmolzen werden. Darüber verhandeln derzeit Air Berlin, deren Mehrheitseigner Etihad Airways und die TUIfly-Mutter TUI, wie die Unternehmen am Mittwoch mitteilten. Ziel sei die “Gründung eines neuen europäischen Airline-Verbundes.”

Für die angeschlagene Air Berlin würde damit die angestrebte Schrumpfkur weitergehen. Laut dem österreichischen Luftfahrtexperten Kurt Hofmann wäre mit dem TUI-Deal auch die heimische Air-Berlin-Tochter Niki aus dem Schneider. Die Marke Niki dürfte aber von TUIfly verdrängt werden und verschwinden.

Über einen Zusammenschluss von Air Berlin und TUIfly wurde seit vergangener Woche spekuliert. Nun bestätigten die Unternehmen die Gespräche. TUI, Etihad und Air Berlin “beabsichtigen die Verabschiedung eines Grundsatzabkommens zu gegebener Zeit”, wie sie mitteilten. Alle Pläne unterlägen “den notwendigen unternehmensinternen und behördlichen Genehmigungen”.

Der neue “Airline-Verbund” soll den Angaben zufolge von Deutschland, Österreich und der Schweiz aus “ein umfassendes Streckennetz bedienen”. Dabei sollen “das Know-how” von Etihad sowie die “hochleistungsfähige Vertriebskapazität der TUI” helfen.

Hintergrund der Neuordnung ist die Dauerkrise der deutschen Niki-Mutter Air Berlin. Die zweitgrößte Fluggesellschaft in Deutschland schreibt – mit Ausnahme eines kleinen Gewinns im Jahr 2012 – seit 2008 nur rote Zahlen. Nun soll ein großer Umbau die Lösung bringen: Air Berlin will seine Flotte auf 75 Maschinen halbieren und 1.200 Stellen streichen.

Übrig bleibt das “Kerngeschäft” mit den 75 Fliegern, die künftig von Berlin und Düsseldorf aus fliegen sollen. 40 Maschinen samt Personal vermietet Air Berlin ab Ende März an die Lufthansa. 35 weitere Maschinen könnten nun an den neuen Ferienflieger gehen.

TUIfly wiederum betreibt derzeit insgesamt 41 Flugzeuge und konzentriert sich auf klassische Urlaubsflüge. 14 TUIfly-Maschinen samt Besatzung mietet Air Berlin bereits seit 2009 vom bisherigen Konkurrenten.

Die “Süddeutsche Zeitung” berichtete, TUI wolle Ende Oktober auf einer Aufsichtsratssitzung entscheiden, TUIfly auszulagern. Der Reisekonzern wolle dann nur noch 24,9 Prozent an seiner deutschen Fluggesellschaft halten. Mit weiteren 24,9 Prozent werde sich Etihad beteiligen. Eine Mehrheit von 50,2 Prozent solle eine österreichische Stiftung kontrollieren, damit die Verkehrsrechte des künftig in Wien ansässigen Unternehmens gewahrt blieben.

Seit Montag gibt es bei TUIfly und Air Berlin Unregelmäßigkeiten im Flugbetrieb, weil sich viele Besatzungsmitglieder kurzfristig krankmelden. Von Ufo hieß es dazu, die jüngsten Gerüchte hätten bei den Mitarbeitern Ängste und Unsicherheiten ausgelöst.

Am Mittwoch hat Air Berlin knapp jeden zwanzigsten Flug streichen müssen. Betroffen seien 32 von insgesamt 696 Flügen, teilte das Unternehmen mit. Grund seien Crew-Engpässe bei TUIfly, die zum Teil kurzfristig gemeldet würden – ein Drittel der TUI-Flotte fliegt samt Besatzung für Air Berlin. Auch bei TUIfly werden mehr als 20 Flüge annulliert.

“Von 99 vorgesehenen Flügen werden heute voraussichtlich 75 Flüge durchgeführt und Teile der TUIfly-Flugverbindungen auch über Partner sichergestellt”, teilte der Ferienflieger aus Hannover mit. Bereits an den beiden Vortagen hatte es bei 30 Prozent der TUIfly-Flüge verspätete Starts gegeben, weil sich plötzlich viele Crews krank gemeldet hatten.

Bei TUIfly steht ein tiefgreifender Umbau bevor, die Mitarbeiter befürchten Jobverluste. “Die massiven kurzfristigen Krankmeldungen der Kabinen- und Cockpitmitarbeiter schaden Kunden und Mitarbeitern in hohem Maße”, heißt es in der Erklärung.

Nach Angaben von Betriebsratschefin Karin Grobecker soll es Ende kommender Woche bei einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung nähere Informationen über die geplante Umstrukturierung geben. Sie sprach von großer Verunsicherung unter den Mitarbeitern der Airline.

Bei Air Berlin hieß es, man bedauere die Unannehmlichkeiten und bemühe sich, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Nach Möglichkeit würden Fluggäste auf andere Flüge umgebucht. “Zum jetzigen Zeitpunkt konnten 90 Prozent unserer heutigen Flüge pünktlich starten”, teilte Air Berlin mit.

Vor der Zentrale des Ferienfliegers Tuifly am Flughafen Hannover ist es am Mittwoch zu spontanen Mitarbeiter-Protesten gekommen. Das Unternehmen bestätigte die Kundgebung. Nach Angaben von Augenzeugen waren etwa 100 Menschen teils mit ihren Angehörigen vor der Zentrale erschienen. Sie skandierten: “Wir sind Tuifly und wollen es auch bleiben.”

Von: APA/ag.