Die Zukunft von Air Berlin ist noch ungewiss

Air-Berlin-Verhandlungen laufen “auf Hochtouren”

Dienstag, 22. August 2017 | 20:51 Uhr

Die Verhandlungen über die Zukunft der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin laufen nach Angaben ihres Chefs Thomas Winkelmann “auf Hochtouren”. Die Gespräche liefen derzeit “Tag und Nacht”, sagte Winkelmann im Interview mit dem “Handelsblatt”. Er sei “zuversichtlich, dass wir schon bald erste positive Nachrichten melden können”.

Derzeit verhandle Air Berlin mit Lufthansa und “mindestens noch zwei weiteren Interessenten”, sagte Winkelmann, ohne Namen zu nennen. Medienberichten zufolge sind neben dem britischen Billigflieger Easyjet auch der Touristikkonzern TUI und die Thomas-Cook-Tochter Condor an Teilen von Air Berlin interessiert. Air Berlin hatte am Dienstag vergangener Woche Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet.

Ein Angebot des Nürnberger Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl liege bisher nicht vor, sagte Winkelmann dem “Handelsblatt”. “Bisher muss ich das deshalb leider für einen PR-Gag halten, eine Trittbrettfahrerei in einer für viele Mitarbeiter sehr schwierigen Situation”, kritisierte er.

Da die Zeit auch mit Blick auf die mehr als 8.000 Mitarbeiter dränge, beschäftige sich Air Berlin “vorrangig mit den Angeboten, die uns vorliegen und die seriös sind”. Die Gewerkschaften würden “regelmäßig über alle wichtigen Schritte” informiert. Er sei “optimistisch, dass wir für einen großen Teil der Beschäftigten eine Zukunft finden werden”. Es gehe ihm um “faire Lösungen” für die Arbeitnehmer bei Air Berlin.

Der Unternehmer Wöhrl wies in der Zeitung “Die Welt” den Vorwurf zurück, er sei ein Trittbrettfahrer und wolle sich nur profilieren. Mit Blick auf die Kompetenz seiner Luftfahrtgruppe und seine Beteiligung am Aufbau der heutigen Air Berlin sei dies eine Unverschämtheit. Die von ihm früher geführten Fluggesellschaften Deutsche BA, LTU und gexx seien wichtige Bausteine der heutigen Air Berlin. Selbst die Lufthansa-Billigtochter Eurowings habe ihre Wurzeln unter anderem in dem von ihm gegründeten Nürnberger Flugdienst.

Wöhrl bekräftigte, dass er über seine Gesellschaft Intro-Verwaltungs GmbH zusammen mit Partnern aus der Branche und Investoren bei der Air-Berlin-Dachgesellschaft einsteigen und die Gruppe als Ganzes erhalten wolle. “An einer Teillösung sind wir nicht interessiert”, sagte er der “Welt”.

Dem Magazin “Börse Online” sagte Wöhrl, er wolle Air Berlin “in seiner gegenwärtigen Aufstellung” fortführen “und dann im laufenden Betrieb” sanieren. Angaben zum Investitionsvolumen oder zu möglichen Partnern der Offerte machte Wöhrl nicht. Ein detailliertes Angebot werde er vorlegen, nachdem er Zugang zu den Unternehmensdaten erhalten habe, was bisher nicht der Fall sei.

Vertreter der Gläubiger der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin kommen indes am Mittwoch erstmals zusammen. Der vorläufige Gläubigerausschuss werde sich zu seiner konstituierenden Sitzung treffen, hieß es.

Der Billigfluganbieter Ryanair meldete unterdessen Interesse an der gesamten Air Berlin. “Wir wären sehr froh, ein Gebot für die gesamte Air Berlin abzugeben”, sagte Ryanair-Chef Michael O’Leary der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Doch habe Ryanair keinen Zugang zum Datenraum mit Wirtschaftsdaten von Air Berlin.

Deshalb wisse Ryanair nicht, wie viel Restrukturierung notwendig sei oder wie viel Geld die Airline verliere – und warum. Ein Sprecher von Air Berlin erklärte dagegen, die Fluggesellschaft sei offen für Partnerschaften. Das gelte für alle Interessenten. “Herr O”Leary ist herzlich eingeladen, uns bei der Rettung von Arbeitsplätzen zu helfen.” Air-Berlin-Chef Winkelmann erklärte gegenüber dem “Handelsblatt”, seit Ende Mai/Anfang Juni sei der Datenraum allen Interessenten zugänglich. Mehr als zehn Unternehmen hätten sich bereits informiert.

Der Ryanair-Chef kritisierte erneut, dass Air Berlin bereits mit der Lufthansa verhandle und die Kranich-Linie in einem “abgekarteten Spiel” gestärkt werden solle. “Was wird übrig bleiben, wenn die Lufthansa ihre Diskussionen abgeschlossen hat?”, sagte der Ire. Er brauche Informationen über Leasing- und Tarifverträge sowie über die Vereinbarungen mit den Flughäfen, ehe er den Sanierungsbedarf ermitteln könne. Eine Sprecherin von Ryanair ergänzte, Air Berlin habe erst im August Insolvenz angemeldet. Von der Öffnung des Datenraumes im Mai habe niemand etwas mitbekommen, das sei überholt. O’Leary zufolge würde Ryanair im Fall einer Übernahme die Airbus-Maschinen von Air Berlin behalten, obwohl der Billigflieger bisher ausschließlich Flugzeuge von Boeing einsetzt.

Die nach Passagierzahlen größte Fluggesellschaft Europas will nach Worten O’Learys als Marktführer eine Rolle in der Konsolidierung der Luftfahrtbranche spielen. So hatte Ryanair im Juli erklärt, ein “unverbindliches” Angebot zum Kauf der angeschlagenen italienischen Fluglinie Alitalia abgegeben zu haben. In fünf Jahren seien voraussichtlich nur noch vier oder fünf große Fluggesellschaften in Europa übrig, prophezeite O’Leary – neben Ryanair und Lufthansa noch Air France-KLM, die British-Airways- und Iberia-Mutter IAG und womöglich Easyjet.

Der Gläubigerausschuss soll nach einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung”bereits bei seiner konstituierenden Sitzung am Mittwoch die Aufspaltung der Fluggesellschaft genehmigen. Seit Tagen werde eine Absichtserklärung zum Verkauf der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki an die Lufthansa vorbereitet. Eine Zustimmung des vom Insolvenzgericht bestellten Ausschusses gelte als wahrscheinlich. Grund sei, dass die Finanzlage des Unternehmens trotz des von der deutschen Regierung gewährten Überbrückungskredits in Höhe von 150 Millionen Euro äußerst heikel sei. Ein Lufthansa-Sprecher wollte den Bericht am Dienstag nicht kommentieren.

Der Gläubigerausschuss tritt am Mittwoch um 09.00 Uhr erstmals zusammen. Ihm gehören neben einem Vertreter von Air Berlin, der Bundesagentur für Arbeit, die drei Monate lang das Insolvenzgeld für die 7.200 Mitarbeiter in Deutschland zahlt, und der Commerzbank auch ein Geschäftsführer der Lufthansa-Tochter Eurowings an. Eurowings hat 38 Maschinen mit Besatzungen von Air Berlin gemietet und vorfinanziert und wäre deshalb von einer Einstellung des Flugbetriebs stark betroffen.

Von: APA/ag.