Wer Googles Chrome nicht traut, kann Chromium ausprobieren

Alleskönner Webbrowser: Platzhirsche und Alternativen

Montag, 11. Februar 2019 | 11:54 Uhr

Die grundsätzliche Funktion von Webbrowsern ist klar: Sie stellen Seiten aus dem World Wide Web dar, die meist in der Programmiersprache HTML geschrieben sind. Klassisches Surfen im Internet also. Doch im Laufe der Jahre haben sich Browser zu Allround-Werkzeugen für Computer und Smartphones entwickelt. Mit den richtigen Erweiterungen werden kaum noch andere Programme benötigt.

Seit den späten 1990er Jahren entwickeln sich Browser immer mehr zum Mediacenter. Zunächst konnten Webradios direkt im Browser abgespielt werden, mit neuen Codecs und steigenden Bandbreiten für die Datenübertragung begann auch der Siegeszug des Video-Streamings. Heute zählt YouTube zu den Internetseiten mit dem höchsten Datenaufkommen weltweit. Möglich ist das durch Video-Plugins in den Browsern. Externe Programme zur Wiedergabe? Überflüssig. Selbst grafisch anspruchsvolle Spiele können über Browser gestreamt werden, solange die Internet-Bandbreite ausreichend ist.

Mit kleinen, integrierten Erweiterungen (Add-ons) kann der Browser zum Alleskönner ausgebaut werden. Es gibt die beliebten Werbeblocker, Add-ons zum Schutz der Privatsphäre, Screenshot-Tools, zahlreiche Messenger, Organizer und Shopping-Apps.

Immer mehr Programme erscheinen als Web-Version oder Browser-Erweiterung. Zum Beispiel lässt sich das Office-Paket von Microsoft komplett über Browser nutzen. Google stattet seinen Chrome-Browser mit einer eigenen Office-Suite aus. Auch der Software-Riese Adobe bietet Web-Apps seiner Grafik-, Video- und Musik-Programme an. In Kombination mit den Cloud-Speichern der Anbieter entstehen komplette Arbeitsumgebungen online, die nur einen Browser zum Zugriff benötigen. Web-Browser werden so immer mehr zum Mittelpunkt des digitalen Arbeitsplatzes. Selbst die Kommunikation kann rein über sie erfolgen mit E-Mail-Diensten, Video-Chats, VoIP-Telefonie oder Web-Apps von Messengern wie WhatsApp.

Dass der Browser in den Arbeits- und Lebensmittelpunkt der Menschen rückt, ist der Werbeindustrie und Datensammlern nicht entgangen. Auch für sie sind Browser ein wichtiges Werkzeug. Über Cookies und Webtracker werten sie unser Surf-Verhalten aus und nutzen diese Daten für maßgeschneiderte Werbung. Die Algorithmen dahinter werden immer ausgefeilter, um exakt die Interessen, Kaufkraft und weitere Details der Nutzer herauszufinden. Matteo Cagnazzo vom Institut für Internet-Sicherheit rät deshalb dazu, sich gegen allzu viel Spionage abzusichern: “Mit Erweiterungen wie Ad-Blockern lässt sich nicht nur nervige Werbung eindämmen, auch Web-Tracker werden im besten Fall blockiert und können das Surf-Verhalten nicht weitergeben.” Cagnazzo rät außerdem dazu, Cookies nicht zuzulassen und auch Passwörter nicht durch den Browser speichern zu lassen.

Nutzer haben die Wahl zwischen einer ganzen Reihe verschiedener Browser. Ein Überblick über Platzhirsche und Geheimtipps:

Der weltweit am meisten genutzte Browser ist Google Chrome. Herbert Braun vom Fachmagazin “c’t” begründet die Vormachtstellung von Chrome mit seiner Geschwindigkeit, einem schlanken Design und zahlreichen sinnvollen Erweiterungsmöglichkeiten. Kritisiert wird Chrome immer wieder, weil Datenschützer in ihm einen der vielen Arme der Datenkrake Google sehen. Wer Lust auf Chrome hat, aber Google nicht traut, kann Chromium ausprobieren. Chromium und Chrome basieren auf demselben, frei zugänglichen Code, sind also in vielen Punkten identisch. Chromium fehlen aber einige Features, die Chrome exklusiv hat. Für fortgeschrittene Nutzer ist Chromium einen Blick wert.

Microsoft Edge ist der Nachfolger des Internet Explorers, der langsam in der Versenkung verschwindet. Der Explorer hatte unter Webdesignern und Programmierern einen schlechten Ruf. Microsoft zog einen Schlussstrich und lieferte mit Edge einen schnellen und schnörkellosen Browser ab. Braun: “Edge ist schlank, simpel und konzentriert sich auf das Nötigste. Ein guter Browser, dem aber das üppige Angebot an Erweiterungsmöglichkeiten fehlt, das die Konkurrenten bieten.”

Mozilla Firefox ist bekannt für seine umfangreiche Add-on-Bibliothek. Der Lieblingsbrowser vieler Programmierer bietet eine reichhaltige Auswahl an Erweiterungen, doch Chrome hat gewaltig aufgeholt. Firefox hat dafür immer noch den Nimbus der Innovationsfreude und erhält viele Add-ons zuerst. Außerdem kann er für sich verbuchen, nicht Teil eines Datenriesen zu sein.

Safari ist besonders Mac-Nutzern ein Begriff, ist es doch der Standard-Browser von Apple. Windows- oder Android-Nutzer können also nicht von seiner Geschwindigkeit profitieren. Für ihn spricht die Integration anderer Apple-Software, dafür kann es die Liste der Erweiterungen nicht mit Firefox aufnehmen.

Exotisch wird es bei Opera, einem zwar traditionsreichen, aber wenig verbreiteten Browser. Opera fristet ein Nischendasein, galt aber lange als Innovationsmotor unter den Browsern. So hatte Opera als erster Browser einen Werbeblocker standardmäßig integriert. Heute basiert Opera auf Chromium, was den Vorteil bietet, dass auch Chrome-Erweiterungen im Opera-Browser funktionieren. Zudem überzeugt es mit einem integrierten VPN-Tool, wodurch surfen über öffentliche Hotspots sicherer wird. Opera bietet auch einen empfehlenswerten Browser für Smartphones an.

Vivaldi ist der jüngste Browser in der Liste und stammt direkt von Opera ab. Als dort die Entwicklung auf Chromium als Basis umschwenkte, gab es einen Streit im Team, der zur Abspaltung eines neuen Browsers führte. Vivaldi will das Fortsetzen, wofür Opera früher stand: Innovation und maximale Anpassung durch den Nutzer. Vivaldi ist ein Browser für Power User wie Herbert Braun, die mit ihrem Browser arbeiten und die Bedienung so effizient wie möglich auf die eigenen Bedürfnisse anpassen wollen.

Von: APA/dpa