"Billiger, Geflüchte zu integrieren als sie nicht zu integrieren"

AMS: Zuwanderung stärkte Österreich, Geflüchtete integriert

Donnerstag, 15. März 2018 | 07:50 Uhr

Die Arbeitslosigkeit in Österreich wird laut der jüngsten AMS-Prognose in den Jahren 2018 und 2019 weiter sinken, 2020 und 2021 dann eher gleich bleiben. Verantwortlich für den Rückgang ist die gute Konjunkturlage, verbunden mit einer geringeren Zuwanderung nach Österreich, erläuterte der Vorstand des Arbeitsmarktservice, Johannes Kopf, im APA-Gespräch.

Gleichzeitig zeigte sich Kopf mit der Integration von Geflüchteten am österreichischen Arbeitsmarkt grundsätzlich zufrieden. “Wir liegen bei den Integrationserfolgen bei den Flüchtlingen über den Erwartungen”, sagte Kopf. Es sei “ein langer Prozess und herausfordernd”. Die gute Wirtschaftslage helfe aber bei der Arbeitsmarktintegration.

Im Februar 2018 waren 32.644 anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte beim AMS als arbeitslos vorgemerkt oder in Schulungen, ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Jeden Monat kommen rund 800 bis 1.000 Geflüchtete neu zum AMS, die Asyl oder subsidiären Schutz erhalten haben. Schutzberechtigte haben keinen Asylstatus, aber ihr Leben oder ihre Gesundheit wird in ihrem Herkunftsland bedroht und daher dürfen sie vorerst in Österreich bleiben.

Um den Arbeitsmarkterfolg von Flüchtlingen zu messen, beobachtet das Arbeitsmarktservice die Personen, die im Jahr 2015 und 2016 Asyl oder subsidiären Schutz erhalten haben. Von den Geflüchteten, die im Jahr 2015 beim AMS registriert wurden, waren Ende Juni 2016 insgesamt 10,1 Prozent in Beschäftigung und im Oktober 2017 bereits 26,2 Prozent. Bei den Flüchtlingen aus dem Jahr 2016 lag der Wert Ende Oktober 2017 bei 16,8 Prozent. Aktuellere Zahlen liegen derzeit noch nicht vor.

Bei den 9.525 Flüchtlingen, die im Jahr 2015 auf den Arbeitsmarkt gekommen sind, erwartet der AMS-Vorstand, dass im Frühling bereits 30 Prozent in Beschäftigung sein werden. “Es ist nichts zum Jubeln. Es ist absolut im Plan, sogar leicht über Plan.” Ursprünglich habe man damit gerechnet, dass nach fünf Jahren, ungefähr die Hälfte der anerkannten Geflüchteten in Beschäftigung sein wird.

Die kolportierten Kürzungen der schwarz-blauen Regierung für Integrationsmaßnahmen sieht Kopf skeptisch. “Die Vorgaben zur Kürzung der Mittel für Integration beim AMS halte ich nicht für eine gute Idee”, sagte der AMS-Vorstand. “Ich halte es deswegen nicht für eine gute Idee, weil es nicht ökonomisch sinnvoll ist.” Wenn den Flüchtlingen niemand helfe am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, ausreichend Deutsch zu lernen und einen Job zu finden, dann würden sie länger in der Mindestsicherung bleiben und auch mehr kosten. “Der Großteil dieser Menschen wird da bleiben, damit ist es billiger sie zu integrieren, als sie nicht zu integrieren”, so Kopf.

Konkret lag die Arbeitslosenquote im Jahr 2017 bei 8,5 Prozent (österreichische Berechnung), heuer soll sie auf 7,9 Prozent und im Jahr 2019 auf 7,5 Prozent sinken. Im Jahr 2020 wird eine Stagnation bei 7,5 Prozent erwartet. Das Arbeitskräfteangebot soll nach plus 51.000 im Vorjahr heuer um 43.700 Personen, 2019 um ca. 40.000 und 2020 um ca. 37.600 steigen. Dass das Arbeitskräfteangebot im Jahr 2016 trotz geringerem Wachstum stärker gestiegen sei als 2017, sei auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich, aber eine Folge der geringeren Zuwanderung im Vorjahr. Die AMS-Prognose basiert auf Berechnungen des Wifo (2018) und von Synthesis (2019 und 2020).

Die Zuwanderung sinkt, weil in jenen Ländern, von denen bisher viele Arbeitskräfte nach Österreich kommen, die Arbeitslosigkeit großteils deutlich niedriger ist als in Österreich. Tschechien hat die niedrigste Arbeitslosigkeit in der ganzen EU, auch in Deutschland, Ungarn, Polen und Rumänien liegt die Quote unter der österreichischen von 5,5 Prozent (EU-Methode, Jänner 2018). Die in der Arbeitslosigkeits-Statistik “gute Situation” der Tschechen, Polen und Rumänen habe auch viel damit zu tun, dass sehr viele ihren heimischen Arbeitsmarkt verlassen haben. Deren demografische Situation sei durch diesen “Exodus” der “Jungen und gut Qualifizierten” daher ungleich schlimmer als die österreichische.

In Österreich sei das demografische Problem durch die Zuwanderung “massiv entschärft” worden. Das Arbeitskräfteangebot zwischen 2010 und 2017 sei um fast 400.000 Personen gestiegen, der Großteil davon waren Ausländer. “Das gestiegene Arbeitskräfteangebot hat den österreichischen Wirtschaftsstandort im Hinblick auf seine demografische Dimension massiv gestärkt”, erklärt Kopf. Das Qualifikationsniveau von zugewanderten Deutschen und Ungarn sei höher als jenes der Österreicher. “Da kommen schon die richtigen Leute”, meint der AMS-Vorstand in Bezug auf die Zuwanderung aus der EU auf den österreichischen Arbeitsmarkt.

Von: apa