Die Nachfrage der Wirtschaft bleibt hoch

Arbeitslosigkeit in Deutschland bleibt auf Rekordtief

Mittwoch, 31. August 2016 | 13:40 Uhr

Ungeachtet der Verunsicherung vieler Unternehmen durch das Brexit-Votum der Briten bleibt die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf einem Rekordtief. Im August waren bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) 2,684 Millionen Erwerbslose registriert – weniger gab es in dem Sommermonat seit der Wiedervereinigung noch nie. Das sind 111.000 weniger als vor einem Jahr.

“Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter gut”, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise am Mittwoch. Verglichen mit dem Vormonat gab es dagegen eine Zunahme um 23.000. “Bei diesem Anstieg spielt die geringe wirtschaftliche Aktivität während der Urlaubszeit eine Rolle”, sagte Weise.

So halten sich Unternehmen in der Ferienzeit traditionell mit Neueinstellungen zurück, während sich zugleich viele Jugendliche nach Abschluss ihrer schulischen oder betrieblichen Ausbildung kurzfristig arbeitslos melden. Werden solche jahreszeitlich bedingten Schwankungen herausgerechnet, sank die Zahl der Erwerbslosen im Vergleich zum Vormonat um 7.000 und damit stärker als von Ökonomen erwartet.

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist weit niedriger als im Schnitt der Eurozone: In Deutschland liegt sie derzeit nach europäischer Berechnungsweise bei 4,2 Prozent, in der Währungsunion insgesamt bei 10,1 Prozent.

“Der Brexit hat dem unverwüstlichen deutschen Arbeitsmarkt keinen Schaden zugefügt”, sagte der Chefvolkswirt der Förderbank KfW, Jörg Zeuner. Dabei hat der Anti-EU-Entscheid der Briten von Ende Juni viele Firmenchefs verunsichert: Das Ifo-Geschäftsklima – der wichtigste Frühindikator für die deutsche Wirtschaft – kühlte sich im August so stark ab wie seit der Eskalation der europäischen Staatsschuldenkrise vor rund vier Jahren nicht mehr. Experten fürchten, dass Großbritannien nach dem EU-Austritt in eine Rezession rutscht. Deutsche Exporteure müssen dann mit Einbußen rechnen, ist das Land doch einer ihrer wichtigsten Kunden. “Auswirkungen auf die Beschäftigungspläne der Unternehmen sind jedoch bislang kaum auszumachen”, sagte BayernLB-Analyst Stefan Kipar.

Experten gehen aber davon aus, dass die hohe Zuwanderung gegen Jahresende die Arbeitslosigkeit ansteigen lässt. “Bisher zeigt sie sich nur in einem deutlichen Anstieg von Maßnahmen zur Arbeitsförderung”, sagte KfW-Experte Zeuner. “Rund 900.000 Personen nehmen derzeit an Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung und Qualifizierung teil.” Finden sie im Anschluss keinen Job, könnten sie als arbeitslos gezählt werden, sagte BayernLB-Experte Kipar.

Die Nachfrage der Wirtschaft nach neuen Mitarbeitern bleibt unterdessen hoch. Derzeit sind 685.000 Stellen bei der BA gemeldet, rund 89.000 mehr als vor einem Jahr. Insgesamt standen im Juli 43,71 Millionen Frauen und Männer im Arbeitsprozess, um 535.000 mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs nahm um 614.000 auf knapp 31,4 Millionen zu.

Von: APA/ag.

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