61.868 offene Stellen beim AMS gemeldet

Arbeitslosigkeit in Österreich im August weiter gesunken

Freitag, 01. September 2017 | 15:29 Uhr

Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist im August erneut gesunken. Die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer ging um 3,6 Prozent bzw. 13.832 auf 374.792 Personen zurück. Die Arbeitslosenquote (nationale Berechnung) sank um 0,6 Prozentpunkte auf 7,7 Prozent. Damit war die Zahl der Personen ohne Job im August 2017 niedriger als im August 2015 und 2016.

Die gute Konjunkturlage zeigt sich am Arbeitsmarkt durch einen neuen Rekordwert der Beschäftigung. Ende August 2017 waren in Österreich 3,734.000 Personen unselbstständig beschäftigt, um 77.000 Personen mehr als im Vorjahr.

“Der positive Trend ist weiter spürbar”, erklärt Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) am Freitag in einer Aussendung. Dazu habe auch der seit Juli geltende Beschäftigungsbonus beigetragen, meinte AMS-Vorstand Herbert Buchinger im “Ö1”-Mittagsjournal des ORF-Radio. AMS-Vorstand Johannes Kopf verwies in einer Aussendung auf Beschwerden über Besetzungsschwierigkeiten und Fachkräftemangel. Daher müsse man verstärkt in die Qualifizierung von Arbeitssuchenden investieren.

Bei Männern und Frauen, bei Inländern und Ausländern sowie bei Jungen bis 25 Jahre sank die Arbeitslosigkeit. Leicht gestiegen ist sie bei Älteren ab 50 Jahren. Hier setzt Stöger auf das Anlaufen der “Aktion 20.000”, die älteren Langzeitarbeitslosen Arbeitsplätze bei Gemeinden und gemeinnützigen Einrichtungen verschaffen soll.

Höher lag im August auch die Zahl der Arbeitslosen mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen. Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist gestiegen. Fast jeder vierte Arbeitslose (23,6 Prozent) hat gesundheitliche Einschränkungen, ihr Anteil hat sich seit zehn Jahren fast verdoppelt, so eine Aussendung des Arbeitsmarktservice (AMS) am Freitag. Bei Personen ab 50 Jahren hat sich die Anzahl seit 2007 sogar verdreifacht. Zugenommen hat die Zahl der nervlichen und psychischen Problemlagen – laut Buchinger auch auf den vermehrten Arbeitsstress und die Arbeitsverdichtung zurückzuführen.

Insgesamt 28.552 anerkannte Flüchtlinge oder subsidiär Schutzberechtigte waren im August arbeitslos vorgemerkt oder in Schulung, ein Anstieg zum Vorjahr um 10,6 Prozent. Der Großteil davon, nämlich 17.776 Personen, lebt in Wien. Die meisten der Arbeitssuchenden, exakt 12.836 Personen, kommen aus Syrien.

Nach Branchen betrachtet hat vor allem der Bau stark angezogen: Die Arbeitslosigkeit am Bau ist um 10,1 Prozent gesunken, in der Herstellung von Waren sank sie um 8,6 Prozent. Im Tourismus ist die Arbeitslosigkeit um 8,5 Prozent rückläufig und auch im Handel ist die Arbeitslosigkeit um 7 Prozent ebenso wie in der Arbeitskräfteüberlassung mit 4,8 Prozent gefallen.

In allen Bundesländern ging im August die Arbeitslosigkeit zurück. Prozentuell war der Rückgang in Tirol mit minus 12,9 Prozent am größten, in absoluten Zahlen gemessen fiel der Rückgang in Wien mit 5.213 Arbeitslosen weniger am stärksten aus. Die meisten offenen Stellen gab es in Oberösterreich mit 17.167 freien Arbeitsplätzen. Der stärkste Rückgang bei Schulungsteilnehmern war in Salzburg mit minus 11,6 Prozent zu verzeichnen.

Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Die NEOS fordern eine Offensive im Bereich der Qualifikation, außerdem sollte das Arbeitslosengeld zeitlich gestaffelt sein und nach zwei Jahren in die Mindestsicherung überführt werden. Die Industriellenvereinigung (IV) beklagt eine zu hohe Regulierungslast für die Unternehmen, auch sollten die Lohnnebenkosten zumindest auf deutsches Niveau sinken. Der Gewerkschaftsbund (ÖGB) sieht die Arbeitsmarktpolitik auf dem richtigen Weg, nun müsse man die Weiterbildung gezielt fördern und nicht dem deutschen Hartz-IV-Modell nacheifern. Die Arbeiterkammer (AK) drängt auf eine Unterstützung der Aktion 20.000 für ältere Langzeitarbeitslose durch Länder und Gemeinden. Die Wirtschaftskammer (WKÖ) ortet einen zunehmenden Fachkräftemangel, daher solle die überregionale Vermittlung forciert werden.

Von: apa

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