Die Coronakrise wirkt sich weiter negativ auf den Arbeitsmarkt aus

Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit bleiben in Österreich hoch

Dienstag, 01. September 2020 | 13:45 Uhr

Die Coronakrise hat den österreichischen Arbeitsmarkt weiter fest im Griff. Im August waren 422.910 Personen ohne Job. Das sind um 92.219 Personen bzw. um 27,9 Prozent mehr als im August 2019. Davon waren 371.893 Personen beim AMS arbeitslos gemeldet und 51.017 Personen in Schulung. In Kurzarbeit sind aktuell laut Arbeitsministerium 452.499 Menschen, die Zahl ist seit Ende Juli recht konstant.

Die Covid-19-Krise führte seit Mitte März 2020 zu einem extremen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Arbeitslosen geht zwar seit Mitte April zurück, dennoch liegt die Zahl der beim AMS vorgemerkten Personen weit über dem Niveau des Vorjahres. Die Arbeitslosigkeit lag nach nationaler Definition im August bei 9,0 Prozent und damit um 2,2 Prozentpunkte höher als vor einem Jahr.

Die Lage für Arbeitslose und angehende Lehrlinge blieb auch im August schwierig. So gibt es mehr Lehrstellensuchende als angebotene Lehrstellen, es fehlen 2.822 Lehrstellen. Die Lehrstellenlücke hat sich durch die Coronakrise deutlich erhöht. Den 10.483 sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden (ohne überbetriebliche Lehrausbildung) standen 7.661 sofort verfügbare Lehrstellen gegenüber.

Die beim AMS gemeldeten sofort verfügbaren offenen Arbeitsstellen sind mit 66.005 um 19,4 Prozent bzw. um 15.901 weniger als im August 2019. Vergleicht man die angebotenen offenen Stellen mit den sofort verfügbaren Arbeitssuchenden (ohne Schulungen), zeigt sich eine Relation von 5,6, das heißt auf eine offene Stelle kommen rein rechnerisch 5,6 Arbeitssuchende.

Bei den Bundesländern war die höchste relative Steigerung im Jahresvergleich in Tirol zu verzeichnen, wo es im August um 56,8 Prozent mehr Arbeitslose (inklusive Schulungsteilnehmer) gab. Die stärkste Steigerung in absoluten Zahlen verzeichnete Wien mit einem Plus von 37.391 Arbeitslosen. Bei Inländern stieg die Zahl der Arbeitslosen um 24 Prozent, bei Ausländern um 36 Prozent.

Die meisten Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer, nämlich 242.534, sind im Haupterwerbsalter von 25 bis 49 Jahren. Die Coronakrise verschärft jedoch auch die Probleme am Arbeitsmarkt für Ältere und Jugendliche. Im August waren fast 62.000 Personen zwischen 15 und 24 Jahren ohne Job, um ein Fünftel mehr als noch vor einem Jahr. Bei über 50-Jährigen stieg die Zahl der Arbeitslosen (inklusive Schulungsteilnehmer) sogar um mehr als ein Viertel auf fast 120.000. Arbeitsmarktexperten fordern gezielte Maßnahmen zur Eindämmung.

Nach Branchen differenziert leiden Beherbergung und Gastronomie mit einem Arbeitslosen-Anstieg von 55,7 Prozent am stärksten unter der Coronakrise, gefolgt von Verkehr und Lagerei mit einem Plus von 47,8 Prozent und Bau mit 35,3 Prozent. Die Warenproduktion verzeichnet um 30,2 Prozent mehr Arbeitslose, der Handel um 28,7 Prozent und der Bereich Arbeitskräfteüberlassung um 25,5 Prozent. Sogar im Gesundheits- und Sozialwesen gab es einen Anstieg der Arbeitslosen um 19,6 Prozent.

Das Arbeitsministerium betont die Fortschritte gegenüber dem Vormonat Juli: So konnten im Tourismus 6.000 Personen wieder in Jobs vermittelt werden. Gegenüber Ende Juli 2020 sank die Arbeitslosigkeit um 12.058 Personen und die AMS Schulungsteilnahmen stiegen um 5,0 Prozent.

Von: apa

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