US-Architektur-Ikone Denise Scott Brown

Architekturzentrum Wien beleuchtet Denise Scott Brown

Mittwoch, 21. November 2018 | 14:59 Uhr

Für das Architekturzentrum Wien (Az W) ist sie “Geheimtipp” und “Ikone” gleichermaßen: die US-amerikanische Architektin Denise Scott Brown, der man mit der Schau “Downtown” nun die erste umfassende Einzelausstellung ausrichtet. “Man kennt ihr Werk auf jeden Fall, oft aber unter anderem Namen”, erläuterte Az W-Direktorin Angelika Fitz am Mittwoch bei der Pressekonferenz.

Geschuldet sei die mäßige Bekanntheit ihres Namens dem Bestreben der Architektin, gemeinschaftlich zu arbeiten. So gründete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Robert Venturi, der vor zwei Monaten verstarb, in den 1960er Jahren das Architekturbüro VSBA, das mit mehr als 140 wichtigen Designpreisen ausgezeichnet wurde. Gemeinsam mit Steven Izenour verfassten die beiden den Klassiker “Learning from Las Vegas”, in dem sie anhand des Las Vegas Strips die Symbolik, die Autostadt und deren gesellschaftliche Auswirkungen analysierten. Den Pritzker-Preis erhielt Venturi 1991 allerdings allein. Zu den Bauten des Büros zählen u.a. der Sainsbury-Trakt der Londoner National Gallery, das Verwaltungsgebäude von Toulouse oder das Mielparque Nikko Kirifuri Hotel in Japan.

Und so hat sich Scott Browns ehemaliger Mitarbeiter Jeremy Tenenbaum, der die Wiener Schau gemeinsam mit Katharina Ritter gestaltet hat, für eine sehr subjektive, intime Vermittlung der Lebens- und Werkgeschichte seiner Mentorin entschieden. Wie eine Piazza soll der mit Schiffboden ausgelegte Ausstellungsraum wirken, schließlich sei Scott Browns Werk von der gegenseitigen Beeinflussung von Architektur und Stadtplanung geprägt. Ausgestattet mit einem Café, einem Shop und einem zentralen “Brunnen” wirkt der Saal tatsächlich wie ein – wenn auch aus der Zeit gefallener – urbaner Raum, den man sich erschlendern kann.

Um sich in der weder chronologisch noch thematisch angeordneten Schau zurecht zu finden, hat Tenenbaum ein Buch verfasst, das sich auf höchst unterhaltsame Weise als Reiseführer durch Scott Browns Schaffen versteht – einziger Wermutstropfen: das Buch ist, obwohl es exklusiv für die Schau in Wien entstanden ist, nur auf Englisch erhältlich. Überhaupt ist die Muttersprache der Architektin in der Ausstellung, die aus vielen Wandtableaus und angedeuteten Schaufenstern besteht, sehr dominant. Die deutschen Texte muss man auf den Wänden, die ausschließlich mit Zitaten der Architektin versehen sind, oft suchen.

“Es ist zu viel Information, aber das haben Städte so an sich”, rät Tenenbaum dazu, “Downtown” mehrmals zu besuchen. Dabei kann man auch selbst Spuren hinterlassen: Beim “Ugly Instagram Game” kann man es Denise Scott Brown nachmachen, und das Schöne im Hässlichen sehen. Fotos von diesen Entdeckungen können mit dem Hashtag #uglyinstagram_azw auf Instagram gepostet werden und tauchen dann auf alten Röhrenfernsehern in der Ausstellung auf. Sein eigenes Foto kann man in einer Fotobox machen, das Resultat erscheint auf einer riesigen Leinwand, die wiederum als Hintergrund für ein Selfie dienen soll, das man dann ebenfalls auf Instagram posten soll. So gesehen eine authentische Teilnahme am urbanen Raum.

(S E R V I C E – “Downtown Denise Scott Brown”, 22. November bis 18. März im Architekturzentrum Wien. Der Katalog “Your Guide to Downtown Denise Scott Brown” kostet 36 Euro und ist u.a. im Az W-Shop erhältlich. Infos unter www.azw.at)

Von: apa

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