AUA weiter mit hohen Verlusten unterwegs

AUA will gut bis zum Sommer kommen – Job-Abbau geht weiter

Donnerstag, 05. August 2021 | 14:35 Uhr

Die Austrian Airlines (AUA) hofft mit ausreichend Fluggästen und ohne neuem Corona-Aufflackern zur nächsten Sommersaison zu kommen. Aktuell sei man durch die höheren Buchungszahlen zuversichtlich, die traditionelle Ablöse des Tourismusgeschäfts durch Geschäftsreisende im Herbst zeige sich aber noch nicht, hieß es am Donnerstag. Nach hohen Verlusten im Halbjahr könnte es nun einige Monate mit schwarzen Zahlen geben, der Liquiditätspolster sei zuletzt sogar gewachsen.

Aktuell liege man im Segment Touristik auf einem Produktionsniveau sogar 10 Prozent über jenem des Vorkrisen-Jahres 2019, sagte AUA-Vorstandsdirektor Michael Trestl in einem Webcast. Die Konsumenten seien aber verunsichert, was Reisebeschränkungen, Tests usw. betreffe. Das zeige sich auch an der hohen Zahl von Anrufen und Kontakten, die trotz nur halber Angebote 30 Prozent über normal lägen. “Wir sind zuversichtlich, dass wir von einer verlängerten Tourismus-Saison profitieren können – aber das Glas ist nur halb voll.”

“Wir sind bald seit eineinhalb Jahren in der wahrscheinlich epochalsten Krise, die diese Branche jemals gesehen hat”, sagte AUA-Chef Alexis von Hoensbroech. Alle Airlines zusammen hätte voriges Jahr weltweit 60 Prozent weniger Fluggäste verzeichnet, 126 Mrd. Dollar Verlust geschrieben und eine Million Arbeitsplätze abgebaut. Einen Schlussstrich unter die Coronakrise kann er noch nicht ziehen: “Im Augenblick deutet sich ja in den Infektionszahlen der Beginn einer vierten Welle an, die sich aus der Delta-Variante speist – und wie stark sich das auswirken wird, wissen wir nicht.”

Während europäische Urlaubsdestinationen wie etwa in Griechenland, Spanien und Italien jetzt im Sommer durchaus gefragt sind, sind die Buchungen bei Geschäftsreisen und bei Fernreisen schlecht. Der AUA-Chef: “Ein Beispiel ist, dass die USA nach wie vor die Reisen von EU-Bürgern in die USA nicht zulassen, außer in Ausnahmen und das Geschäft Richtung Asien ist natürlich noch extrem gedämpft, weil die Asiaten wahrscheinlich noch lange brauchen werden, bis sie ein Impfstadium erreicht haben, das es ihnen dann auch erlaubt, von ihrer Null-Covid-Strategie durch Verhinderung von Grenzübertritten dann irgendwann wieder abzuweichen.”

Für die AUA rechnet von Hoensbroech für das dritte Quartal mit “schwarzen Zahlen in einzelnen Monaten”, Prognosen für einen möglichen Gewinn im Quartal seien aber schwierig. “Wichtig ist, dass wir den nächsten Sommer erreichen, das halten wir für überwiegend wahrscheinlich”. Man habe einen guten Liquiditätspolster, der zuletzt sogar angewachsen sei.

Für den laufenden Personalabbau gehe er davon aus, dass es bei der Zielgröße von 1.350 Leuten als Obergrenze bleiben könne, wie dies im März kommuniziert und heute bestätigt wurde. Von den 1.350 seien schon “850 wegfluktuiert”, weitere 500 Menschen Überhang noch offen. Das sei “ein Wasserstand. Da kommt nichts Neues auf den Tisch”, so von Hoensbroech. Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2020 ist die Zahl per 30.6. schon um 9 Prozent von 6.756 auf 6.132 gesunken, im ersten Halbjahr 2019 zählte man noch 6.999 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Um wettbewerbsfähig aus der Krise fliegen zu können, werde das restrukturierte Unternehmen etwa 20 Prozent kleiner sein, erklärte das Management der Lufthansa-Tochter. Vor allem bei Piloten und Flugzeugtechnikern könnte es einen Überhang geben, teils gebe es aber auch schon wieder Neueinstellungen. 2017/18 habe man sogar 1.000 Stellen aufgebaut bei der AUA, erinnerte der CEO.

Kurzarbeit hoffe man weiterhin nur bis zum ersten Quartal 2022 in Anspruch nehmen zu müssen. Das sei “auch aktuell die Planung”, so der CEO: “Ab 1. April 2022 hoffen wir ohne Kurzarbeit auskommen zu können.” Dann wolle man mit Beginn der Sommersaison 2022 in Richtung Vollauslastung kommen. Außer einigen Personen im Management sei praktisch die gesamte Belegschaft in Kurzarbeit. Ausleihungen vom Steuerzahler sowie gestundete Sozialversicherungsbeiträge wolle man zurückzahlen, das könne hier sogar ein dreistelliger Mio.-Betrag sein. Die Stundungen habe man nach den für alle geltenden Regeln beansprucht, man könne die vollständig geplante Rückzahlung leisten.

Im Halbjahr habe man heuer das zweitschlechteste Ergebnis in der AUA-Geschichte eingeflogen, so von Hoensbroech, nämlich fast so schlecht wie im vorigen Jahr. Im gesamten Halbjahr lag das operative Minus (adjusted EBIT) bei -201 Mio. nach -235 Mio. ein Jahr davor bzw. nach -53 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2019. Im zweiten Quartal lag das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen heuer bei -95 Mio. Euro, ein Jahr davor, im ersten Covid-19-Lockdown, waren es -99 Mio. Euro gewesen, vor der Krise im Jahr 2019 positive 46 Mio. Euro.

Der Halbjahresumsatz der AUA sank wegen der Coronakrise um 42 Prozent auf 187 (332) Mio. Euro – im zweiten Quartal waren es mit 126 Mio. Euro um 260 Prozent mehr als im Vorjahresquartal, aber um 79 Prozent weniger als im zweiten Quartal 2019.

Die Passagierzahl der AUA ging im Halbjahr um 44 Prozent von 1,99 Mio. auf 1,11 Mio. zurück, verglichen mit 2019 (rund 6,7 Mio.) war das ein Rückgang um 83 Prozent. Die Zahl der AUA-Flüge sank um 31 Prozent auf 16.286 – zwei Jahre davor waren es noch 66.419. Die angebotenen Sitzkilometer schrumpften binnen Jahresfrist um 37 Prozent auf 2,91 Mrd., die verkauften Sitzkilometer halbierten sich auf 1,54 Mrd. (-51 Prozent). Der Sitzladefaktor ging auf 53,1 (68,1) Prozent zurück. Ende Juni wurden nur 55 Prozent der Kapazität von vor der Krise angeboten.

Erfreulich sei für die AUA das am 14. Juni verkündete Urteil des Europäischen Gerichts. Mit diesem wurde die Klage von Ryanair und Laudamotion gegen die Staatshilfe für die Austrian abgewiesen und die Beihilfe der Republik Österreich in Höhe von 150 Mio. Euro für unionsrechtskonform erklärt. Mitte Juli hat die AUA 30 Mio. Euro aus dem im Rahmen der staatlichen Stabilisierungsmaßnahmen aufgenommenen Konsortialkredit von insgesamt 300 Mio. Euro vorzeitig getilgt.

Die Flotte der rot-weiß-roten Airline wird in Kürze auf knapp unter 60 verkleinert sein, rechnete das Management vor. Von vor der Krise noch 83 Maschinen wurden 18 Dash verabschiedet, dann sind sieben A-319 weggefallen und sechs A-320 hinzugekommen; in Summe wird um drei Boeing-767 verringert, und zwei Maschinen wurden in der Wüste abgestellt, unterm Strich werden das dann 59 sein. Über mögliche Aufstockungen nach der Krise denke man noch nicht nach, aber eine Boeing-787 wäre grundsätzlich “ein gutes Muster”, meinte Trestl.

Zum Thema Klimaschutz hält es der AUA-Chef für “das Wichtigste, dass wir bei den synthetischen Treibstoffen vorankommen”. Treibstoff auch für Flugzeuge müsse ja nicht unbedingt aus fossilen Quellen stammen, sondern könne auch aus CO2, Strom und Wasserstoff (H2) gemacht werden. Dafür müssten aber größere Kapazitäten geschaffen werden. Verpflichtende Beimischung müssen wettbewerbsneutral dargestellt werden. Zu vermehrten Bahn-Zubringerdiensten, um kürzere Inlandsflüge auf die Schiene zu bringen, bekennt sich von Hoensbroech, hier kommt zunächst die Westbahn-Strecke in Frage – hier soll laut Trestl am 23. August Richtung Linz und Salzburg der Testbetrieb starten – nach Süden (Graz, Klagenfurt) müssten noch Tunnel-Fertigstellungen (erst Koralm, dann Semmering) abgewartet werden. Zum Ziel der AUA, die CO2-Emissionen bis 2030 gegenüber 2005 um 30 Prozent zu senken, zeigte sich der CEO “zuversichtlich, dass wir es schaffen”.

Von: apa

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