AUA baut 1.100 Jobs ab und kürzt Gagen

AUA will Neustart und wälzt Insolvenzszenario

Donnerstag, 07. Mai 2020 | 16:24 Uhr

Die Austrian Airlines (AUA) verhandeln täglich um Staatsgelder und weitere Überlebenshilfen. Bis spätestens zum 18. Mai muss ein belastbarer Plan für die Fortführung vorliegen, der auch die Wirtschaftsprüfer überzeugt und das nötige Testat bringt. Der Belegschaft wird ein hartes Sparpaket abverlangt. 1.100 der 7.000 Stellen sollen bis 2023 gestrichen, Gagen stark gekürzt werden.

Um Rettung oder Absturz geht es zur Zeit der Coronakrise bei den Fluggesellschaften in ganz Europa. Seit fast sieben Wochen hat auch die AUA keine Einnahmen mehr, nur noch Kosten, heißt es. Entsprechend massiv sollen nach Plänen des Vorstands die Kosten zusammengestrichen werden. Scheitert das Sparprogramm, so bereitet man sich in der AUA-Führung auf eine geordnete Insolvenz vor. Die Rede ist von einem Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung mit noch größeren Schnitten.

Ein solches Worst Case-Szenario als “Alternative” war im Aufsichtsrat Mittwochabend Thema. Das Kontrollgremium holte vom Vorstand aber im wesentlichen Informationen zur Liquiditätslage sowie Fortschrittsberichte zur Arbeit in den Verhandlungsteams ein. Der Vorstand habe sich Rückenstärkung geholt, sein Neustart-Programm durchzuziehen.

Nach bisherigem Plan will die AUA in zwei bis drei Jahren um ein Viertel kleiner als vor Corona-Ausbruch aus der Krise kommen. Die Airline will so lang wie möglich kurzarbeiten, wenn möglich über zwei oder drei Jahre. Um die geplanten Gehaltskürzungen durchzuziehen, will sie die Kollektivverträge aufschnüren. Zur Zeit sieht der Masterplan des Managements vor, dass die Gagen bis 2023 im Schnitt um 13 Prozent gekürzt werden. Je nach Zulagen dürften in höheren Gehaltsklassen die Einbußen um einiges höher ausfallen.

Abgesehen von staatlichen Geldspritzen und staatsgarantierten Krediten braucht die der deutschen Lufthansa gehörende AUA auch finanzielle Erleichterungen von ihren Partnern und Lieferanten: Vom Flughafen und der österreichischen Flugsicherung ebenso wie von den Treibstofflieferanten. Hier erhofft sie sich Preis- und Gebührennachlässe um jeweils 20 Prozent, ist zu hören.

Beim Staat hat die AUA Unterstützungen über 767 Millionen Euro beantragt. Davon sollen nach bisherigem Stand rund 400 Millionen Euro an Kreditgarantien aufgestellt werden. In der Folge wären die üblicherweise angesetzten Tilgungen pro Jahr freilich so hoch wie die AUA in ihren – kurzzeitigen – besten Jahren im ganzen Jahr als Gewinn eingeflogen hatte. Um die Ausgestaltung der öffentlichen Unterstützungen und die umfangreichen Auflagen wird auch unter Lufthansa-Teilnahme heftig gerungen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) verwies unterdessen angesichts des angekündigten Stellenabbaus bei der AUA und der Gefahr einer Insolvenz auf die laufenden Verhandlungen mit der AUA-Mutter Lufthansa. Es “finden gerade Gespräche zwischen der Lufthansa und der Republik Österreich statt”, sagte Kurz am Donnerstag in einem kurzen Pressestatement.

“Unsere Ziele haben sich nicht verändert: die Frage des Standorts und der Standortgarantie und natürlich die Interessen der Republik, wenn es um die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Österreich geht”, sagte Kurz im Anschluss an eine Videokonferenz mit Amtskollegen in Wien.

Die AUA-Belegschaftsvertreter bieten unterdessen Sanierungsbeiträge der Beschäftigten an und haben diese am Donnerstag erstmals vorläufig beziffert. Bis zum Jahr 2023 wären bis zu 300 Millionen Euro als Personalbeitrag möglich. Dies wäre aber nur ein Puzzlestein bei der Rettung der Austrian Airlines, wurde hinzugefügt.

Die Belegschaftsvertretung sieht Spielraum, personalseitig mit bis zu 300 Mio. Euro zur Überwindung der Corona-Krise bei der AUA beitragen zu können, teilte der Betriebsrat mit. Davon entfielen bis zu 200 Mio. Euro auf das fliegende Personal.

Ein Einkommensverzicht durch Fortsetzung der Kurzarbeit sei dabei ein zentrales Element, weitere Angebote wollte Bordbetriebsratschef Rainer Stratberger wegen der Verhandlungen nicht nennen.

“Die Kurzarbeit drängt schon jetzt viele an den Rand ihrer Existenz. Die soziale Verträglichkeit ist deshalb oberste Prämisse”, betonte der Arbeitnehmervertreter in einer Aussendung am Nachmittag. “Die Kurzarbeit führt bei einem durchschnittlichen Flugbegleiter momentan zu einem Einkommensverlust von bis zu 35 Prozent.” Sie müsse daher anders gestaffelt werden.

Die Corona-Krise bringe die AUA in eine Position, aus der sie aus eigener Kraft nicht mehr herauskomme. Der Fortbestand der AUA hängt dabei von vielen Faktoren ab. “Ein Kapitaleinschuss von außen, durch den Eigentümer oder gegebenenfalls auch durch den Staat, ist dabei unumgänglich”, sagte Stratberger.

Das Personal könne das allein nicht leisten. Sparbeiträge, die Gehälter an und unter der Armutsschwelle nach sich zögen, könnten nicht Sinn der Sache sein. Deshalb sei das tatsächliche Volumen des Personalpakets an den Kontext aller Maßnahmen und Beiträge der Stakeholder gebunden. Drohgebärden des Vorstands wurden von der Belegschaftsvertretung als kontraproduktiv zurückgewiesen.

Flughafen-Chef Günther Ofner glaubt unterdessen trotz Coronakrise an ein Wachstum der Luftfahrt. Die Pandemie habe zwar zum schwersten Geschäftseinbruch aller Krisen seit Entstehen der Luftfahrt geführt. Aber “mittelfristig wird der Flugverkehr sowohl bei Geschäftsreisen als auch im Tourismus wieder das Niveau von 2019 erreichen und dann auch wieder darüber hinaus wachsen”, so Ofner zur “Presse”.

Er rechne mit mehr Bedarf nach Lagerkapazitäten, um bei kritischen Produktionsmitteln resistenter gegenüber Versorgungsstörungen zu sein. Aber es “wird die Globalisierung nicht umgekehrt, denn diese bringt ja allen Vorteile, sondern es wird zu sinnvollen Anpassungen kommen”.

“Der wirtschaftliche Schaden eines Wegfalls des Drehkreuzes, das durch keine Billigfluglinie ersetzt werden kann, da diese kein Langstreckenangebot aus Wien haben, würde jede vorstellbare Summe eines staatlichen Engagements bei Weitem übersteigen”, sprach sich Ofner für den Erhalt der AUA, dem größten Kunden des Flughafens, aus. Aus seiner Sicht ist der Erhalt der Drehkreuzfunktion der AUA die wichtigste Bedingung für Staatshilfen. Umweltauflagen sollten aber nicht durch den Zwang, auf die Bahn umzusteigen durchgesetzt werden, das würde zu Umgehungsverkehr nach Frankfurt, München und Bratislava führen. “Der richtige Weg, um CO2 zu reduzieren, ist der verstärkte Einsatz von biogenem oder synthetischem Kerosin”, dazu sollte mehr geforscht werden.

Ofner glaubt weiter, dass wegen Wachstum bei Passagieren und Luftfracht der Flughafen künftig an seine Kapazitätsgrenze stoßen wird – und dann eine dritte Piste nötig ist. “Ob eine Verschiebung im Zeitplan durch die Krise notwendig wird und wie viele Jahre das dann gegebenenfalls werden, kann derzeit noch nicht beantwortet werden” so Ofner in der “Presse”.

Im Ö1-“Morgenjournal” sagte Rene Pfister, Betriebsratschef des AUA-Bodenpersonals, es gebe intensive Gespräche mit dem Management über ein Sparpaket bei der AUA, dabei gehe es “natürlich” auch um ökologische Standards. Man sollte aber bei der Rettung der Fluglinie an den Wirtschaftsfaktor Flughafen denken, an dem in der Ostregion an die 90.000 Arbeitsplätze hingen. Er halte es für verantwortungslos, von einer Insolvenz der AUA zu sprechen, denn wenn man den Flugverkehr in Wien den Low-Cost-Airlines überlasse, “die großteils weder mit österreichischen Arbeitsverhältnissen noch mit Steuerabgaben in Österreich arbeiten, dann schaut das Ganze ziemlich düster aus. Und dann ist die ökologische Frage glaube ich eine, die man sich nicht stellen muss, wenn es keine Möglichkeit gibt, hier auch Regeln oder Spielregeln festzulegen”. Daher sei es wichtig, dass die Bundesregierung eine Strategie für den Luftverkehr in Österreich hat.

Von: apa

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