Es geht um Verletzungen von Aufsichtspflichten

Audi-Chef soll Manipulationen verschwiegen haben

Freitag, 04. August 2017 | 21:03 Uhr

In der Abgasaffäre bei Volkswagen gibt es einem Medienbericht zufolge konkrete Vorwürfe gegen den Vorstandschef der Ingolstädter Tochter Audi, Rupert Stadler. Stadler soll persönlich angeordnet haben, dass den US-Umweltbehörden EPA und CARB bei einer Besprechung im November 2015 Manipulationen im Umgang mit einem Abgasreiniger verschwiegen worden seien, berichtete die “Süddeutsche Zeitung”.

Nach Informationen von “Süddeutscher Zeitung”, NDR und WDR haben damalige Audi-Beschäftigte gegenüber Ermittlern angegeben, den US-Behörden seien bei dem Termin am 19. November in Ann Arbor nahe Detroit wesentliche Informationen vorenthalten worden. EPA und CARB hätten wissen wollen, ob neben VW auch Audi die Schadstoffwerte von Diesel-Fahrzeugen manipuliert habe. Den Angaben der damaligen Angestellten zufolge soll Stadler am Vorabend bei einem Audi-internen Vorbereitungstreffen angeordnet haben, eine ausführliche Präsentation stark zu kürzen.

In der den US-Behörden vorgelegten Fassung sei verschwiegen worden, dass Audi eine spezielle Technik entwickelt hatte, um den Verbrauch von Adblue zu deckeln, heißt es in dem Bericht. Um den Kunden ein häufiges Nachfüllen von Adblue zu ersparen, habe Audi in Diesel-Fahrzeugen die Abgasreinigung teilweise ausgeschaltet. Das verstieß gegen US-Gesetze.

Audi habe die illegalen Tricks erst nach und nach offengelegt, was sich bis Mitte 2016 hingezogen habe. Auf Anfrage bei Audi und VW zu den Vorwürfen gegen das Management antwortete VW demnach, eine von der US-Regierung veröffentlichte “Sachverhaltsdarstellung”, welche die Faktenlage wiedergebe, enthalte “keine Hinweise auf Verfehlungen ehemaliger oder aktiver Vorstandsmitglieder”. Wegen laufender Verfahren wollte sich VW nicht weiter äußern.

Die Sachverhaltsdarstellung der US-Regierung stamme von Anfang 2017, seitdem ermittelten Behörden in den USA wie auch in Deutschland weiter und erlangten neue Erkenntnisse, heißt es in dem Bericht. Dazu gehörten auch die Angaben damaliger Audi-Beschäftigter zu der Reise nach Detroit.

Stadler wurden den Angaben zufolge vom Porsche-Manager Michael Steiner begleitet, der später in den Vorstand des Sportwagen-Herstellers aufrückte. Porsche ist wie Audi eine VW-Tochter.

Steiner habe sich im Herbst 2015 um die Aufarbeitung der Abgasaffäre bei Volkswagen gekümmert. Er soll demnach in Detroit zusammen mit Stadler angeordnet haben, die umfangreiche Präsentation für die US-Behörden zu kürzen und das kritische Detail mit der Adblue-Deckelung zu entfernen. Porsche teilte dem Bericht zufolge dazu mit, dass “wir uns zu laufenden Verfahren nicht äußern können”.

Die Münchner Staatsanwaltschaft leitete indes ein Bußgeldverfahren gegen mehrere Audi-Vorstände im Zusammenhang mit der Dieselaffäre ein. Wegen möglicher Verletzung von Aufsichtspflichten laufe ein solches Verfahren gegen noch unbekannte Vorstände des Autobauers, sagte eine Behördensprecherin am Freitag. Zuvor hatte der Ingolstädter “Donaukurier” darüber berichtet.

Die Staatsanwälte hatten im März bereits ein Strafverfahren wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung bei Audi eingeleitet. Dabei geht es um Abgasmanipulationen in Europa und den USA. Anfang Juli hatte die Staatsanwaltschaft dann einen früheren führenden Motorenentwickler von Audi verhaftet.

Der von Audi im Februar fristlos gekündigte Manager sitzt weiterhin im Untersuchungsgefängnis und wird jede Woche mehrmals von Beamten des Landeskriminalamts vernommen. Die US-Justiz wirft ihm vor, er habe “Audi-Mitarbeiter angewiesen, Software zu entwickeln und einzubauen, mit der die standardmäßigen US-Abgastests getäuscht werden”. Seine Verteidiger erklärten, er sei nicht der Entscheidungsträger gewesen.

Ein Audi-Sprecher sagte, die Staatsanwaltschaft habe das Unternehmen über das Bußgeldverfahren gegen Vorstände informiert. Das “Manager Magazin” hatte vor einer Woche berichtet, vier Audi-Vorstände sollten demnächst abgelöst werden. Der Konzern kommentierte das nicht.

In den USA legte unterdessen der zweite VW-Mitarbeiter, Oliver Schmidt, ein Geständnis im Abgas-Skandal ab. Monatelang plädierte er auf unschuldig, nun kam der Sinneswandel. Dadurch sinkt sein potenzielles Strafmaß deutlich. Spannend wird jetzt, ob er als Zeuge auspackt und weitere Manager belastet.

Von: APA/dpa

Kommentare

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3 Kommentare auf "Audi-Chef soll Manipulationen verschwiegen haben"


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santina
santina
Superredner
16 Tage 6 h

Jetzt ist es raus!

Jo73
Jo73
Grünschnabel
15 Tage 16 h

Santanas, Gähn, ihre Kommentare sind nur noch Eigentore

santina
santina
Superredner
14 Tage 9 h

@Jo73 

Das dreckigste Auto auf den Straßen ist und bleibt der 
AUDI A8 L 4,2 TDI.
Punto e basta!

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