Stadler wurde kurz vor einer Aufsichtsrats-Sitzung verhaftet

Audi-Chef Stadler wurde wegen Dieselaffäre verhaftet

Montag, 18. Juni 2018 | 22:28 Uhr

Erdbeben bei der VW-Tochter Audi: Vorstandschef Rupert Stadler sitzt als erster Manager aus der obersten Führungsriege im Dieselskandal in Untersuchungshaft. Der 55-Jährige, der Audi seit 2007 führt, wurde am Montagvormittag zuhause in Ingolstadt festgenommen, wie die Münchner Staatsanwaltschaft mitteilte. Es bestehe Verdunkelungsgefahr.

Diesen Haftgrund führt die Justiz an, wenn sie befürchtet, dass Verdächtige Beweismittel vernichten oder Zeugen beeinflussen wollen. Stadler soll spätestens am Mittwoch vernommen werden, sagte ein Justizsprecher. In Ingolstadt und Wolfsburg schlug die Nachricht ein wie eine Bombe: Der Audi-Chef wurde nur wenige Stunden vor einer regulären Sitzung des VW-Aufsichtsrates verhaftet, bei der auch seine Zukunft Thema sein sollte.

Die VW-Tochter will nach der Verhaftung von Stadler einem Zeitungsbericht zufolge noch am Montag einen neuen Vorstandschef benennen. Dieser solle die Marke mit den vier Ringen als Interimslösung führen, berichtete die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” im Voraus. Der Vorstand müsse handlungsfähig bleiben, zitierte die Zeitung aus Unternehmenskreisen. Der Aufsichtsrat von Volkswagen will Stadler einem Bericht des “Handelsblatts” zufolge beurlauben.

Über eine Interimslösung als Ersatz für Stadler hat VW allerdings am Montag noch nicht entschieden. “Die Aufsichtsräte von Volkswagen AG und Audi AG haben heute noch keine Entscheidung getroffen und prüfen die Sachlage weiterhin”, teilte ein Sprecher am Montagabend nach mehrstündigen Beratungen mit.

Gründe für die Hängepartie nannte Volkswagen nicht. Zuvor hatten Insider gesagt, Audi-Vertriebsvorstand Bram Schot solle Stadler vorübergehend ersetzen, solange dieser seine Amtsgeschäfte nicht führen könne. Der Aufsichtsrat hatte am Montag über Stadlers überraschende Verhaftung in der Dieselaffäre beraten. Im Anschluss sollten die Audi-Kontrolleure über einen Interimschef entscheiden.

Erst vor einer Woche waren die Ermittler bei Stadler und einem weiteren Audi-Vorstand zuhause zur Razzia angerückt. Den beiden Spitzenmanagern wird unter anderem Betrug zur Last gelegt. Sie sind die ersten amtierenden Vorstände unter den Beschuldigten. Seither steht Stadler noch stärker im Feuer als in den vergangenen gut zweieinhalb Jahren seit Bekanntwerden der Abgasaffäre ohnehin. Dem Manager wird auch intern eine schleppende Aufarbeitung des Skandals vorgehalten, obwohl Audi als Keimzelle der Abgasschummeleien gilt. Stadler hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Sein Anwalt lehnte am Montag eine Stellungnahme ab.

Volkswagen und Audi erklärten, für Stadler gelte weiterhin die Unschuldsvermutung. Ein Sprecher des VW-Eigners Porsche SE sagte: “Es ist klar, dass sich der VW-Aufsichtsrat mit dem Thema beschäftigen wird.” Weil die Eigentümerfamilien Porsche und Piech bisher ihre schützende Hand über ihn hielten, überstand Stadler in der Vergangenheit mehrere Scherbengerichte. Der Bayer, der seit 1990 bei Audi arbeitet, war lange Jahre Büroleiter des früheren VW-Chefs Ferdinand Piech. Zudem führte er die Marke mit den vier Ringen einst von Rekord zu Rekord und machte sie – neben Porsche – zu einer der ertragreichsten Töchter im VW-Konzern. Fünf Razzien, zwei wegen des Skandals vor die Tür gesetzte Entwicklungschefs und eine lange Reihe von Negativschlagzeilen sorgten aber für tiefe Kratzer an Stadlers Image.

Fassungslos äußerten sich am Montag Insider aus dem VW-Konzern. “Das ist der Hammer.” Man sei “vollkommen überrascht”, hieß es. Stadler selbst sei bei seiner Verhaftung überrascht, aber gefasst gewesen, sagte eine Person mit Kenntnis der Vorgänge. Bei der Ermittlungsrichterin, die die Untersuchungshaft angeordnet hatte, machte der Audi-Chef keine Angaben zur Sache, wie Oberstaatsanwalt Stephan Necknig sagte. Stadler wolle sich vor einer Vernehmung erst mit seinem Anwalt beraten. Die Verteidigung habe bisher noch keine Erklärungen abgegeben. Der Justizsprecher sagte weiter, der Haftbefehl gegen den Audi-Chef gehe nicht auf einen Wunsch der US-Behörden zurück. Es gehe um europäische Fahrzeuge. Stadler wird vorgeworfen, Dieselautos mit manipulierter Software weiter auf den europäischen Markt gebracht zu haben.

“Die Verhaftung ist ein weiterer Tiefpunkt in der VW-Dieselsaga”, schrieb Arndt Ellinghorst vom Analysehaus Evercore ISI. “Warum haben die Aufsichtsräte von Audi und VW nicht früher etwas unternommen?” Über Stadlers unmittelbar bevorstehende Ablösung wurde seit Bekanntwerden des Dieselskandals immer wieder öffentlich spekuliert. Belastbare Hinweise für ein Fehlverhalten des Audi-Chefs lagen allerdings Insidern zufolge bisher nicht vor. Auch in der vergangenen Woche hätten die hausinternen Juristen keine neuen Entwicklungen gesehen. Einen Rücktritt lehnte Stadler in der Vergangenheit ab.

Im VW-Konzern ist der Audi-Chef nicht der einzige aktive Spitzenmanager im Fadenkreuz der Ermittler: Gegen den Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Für den VW-Chef werden die Ermittlungen gegen Stadler zusehends zu einem Problem. Denn er setzt bisher beim Umbau des VW-Mehr-Markenkonzerns auf den Audi-Chef. Stadler leitet die wichtige Premiumgruppe von VW mit der Marke Audi an der Spitze.

Von: APA/ag.

Kommentare

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6 Kommentare auf "Audi-Chef Stadler wurde wegen Dieselaffäre verhaftet"


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Paul
Paul
Universalgelehrter
29 Tage 5 h

in die Zelle mit de Schlauen

Ralph
Ralph
Superredner
29 Tage 6 h

jaja, im knast lebt man trotz millionen nicht besser als die restlichen gauner

Orschgeige
Orschgeige
Superredner
29 Tage 2 h

Die Götter fallen vom Olymp!

l OneManArmy l
l OneManArmy l
Superredner
28 Tage 21 h

Tschüss.
Audi ist sowieso ein witz…
der neue A1 hat nichtmal LED scheinwerfer als standard, soviel zu „premiummarke“.
ahja. und türen aus hartplastik. nicht härteres plastik. hartplastik

MickyMouse
MickyMouse
Universalgelehrter
28 Tage 10 h

Gut so,aber wo ist Winterkorn von VW???? Wird da etwa mit zweierlei Mass gemessen,wäre auch nicht richtig!

MickyMouse
MickyMouse
Universalgelehrter
28 Tage 10 h

Audi kann man sowieso nicht mehr kaufen,die Aufpreisliste ist oft länger als der Grundpreis!!

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