Auch der Flughafen Köln/Bonn ist betroffen

Auf drei deutschen Airports am Donnerstag wieder Streiks

Mittwoch, 09. Januar 2019 | 18:23 Uhr

Ganztägige Warnstreiks an drei großen deutschen Airports dürften an diesem Donnerstag zu zahlreichen Flugausfällen führen – Zehntausende Reisende könnten betroffen sein. An den Standorten Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart wird es zu ganztägigen Arbeitsniederlegungen der Sicherheitsbeschäftigten kommen, teilte die Gewerkschaft Verdi am Mittwoch mit.

Damit schaltet die Arbeitnehmervertretung im laufenden Tarifkonflikt einen Gang höher: Zu Wochenbeginn hatte ein etwa vierstündiger Warnstreik an den Berliner Airports dazu geführt, dass etwa acht Prozent der Flüge an diesem Tag ausfielen. Die Arbeitgeber kritisierten das Vorhaben als “völlig überzogen”.

Insgesamt werden für die Flüge an den drei Airports etwa 111.000 Reisende erwartet. Allein in Düsseldorf sind es nach Flughafenangaben etwa 58.600 Passagiere, dort waren für Donnerstag 570 Landungen und Abflüge geplant. In Köln/Bonn sind es 199 und in Stuttgart 270. Wie viele dieser Verbindungen gestrichen werden müssen, war unklar. Auch der Flugverkehr nach Wien ist beeinträchtigt. Die AUA strich bereits die Abendverbindung am Mittwoch von Wien-Schwechat nach Düsseldorf (OS 157, Planabflug 20.30 Uhr) und Stuttgart (OS 179, 20.15 Uhr). Auch die Lufthansa-Tochter Eurowings strich Verbindungen von und nach Wien und warnte vor Verspätungen.

In Stuttgart soll der Streik nach Angaben der Gewerkschaft mit der ersten Frühschicht am Donnerstag gegen 03.00 Uhr beginnen, in Düsseldorf und Köln-Bonn bereits um Mitternacht. Bereits am Montag hatte ein knapp vierstündiger Warnstreik des Sicherheitspersonals an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld den Flugbetrieb fast völlig lahmgelegt.

Nach den Warnstreiks in Berlin hätten die Arbeitgeber die Möglichkeit gehabt, ein verbessertes Angebot vorzulegen, erklärte Verdi-Verhandlungsführer Benjamin Roscher. Sollte es weiterhin kein besseres Angebot geben, seien weitere Arbeitsniederlegungen nicht auszuschließen. Weiter verhandelt wird am 23. Jänner.

Die Tarifgespräche waren schon im Herbst gestartet, ohne zu einem Ergebnis zu führen – derzeit sind die Fronten verhärtet. Es geht um das private Sicherheitspersonal, das die Passagiere, die Fracht, Waren und die Flughafenbeschäftigten überprüft. Bei der Bezahlung gibt es große regionale Unterschiede – in Ostdeutschland sind es nach Arbeitgeberangaben bei Passagierkontrolleuren 14,70 Euro und im Westen bis zu 17,16 Euro pro Stunde. Angestellte, die nur für die Fracht und das Flughafenpersonal zuständig sind, bekommen weniger, hier liegt die Untergrenze bei 12,90 Euro – so viel wird in Thüringen gezahlt. Hinzu kommen noch Zuschläge für Sonntagsdienste oder Nachtarbeit.

Verdi fordert eine Bezahlung von bundesweit 20 Euro pro Stunde für die rund 23.000 Beschäftigten der Flugsicherheit. Nach Rechnung der Arbeitgeber bedeutet die Verdi-Forderung eine Anhebung des Lohns um bis zu 44 Prozent und sei damit “völlig unrealistisch”. Sie bieten nach eigener Darstellung ein Plus von bis zu 6,4 Prozent. Das sei “definitiv verhandlungsfähig”, so der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS).

Verdi sieht das anders – aus Sicht der Gewerkschaft ist das Angebot so niedrig, dass ein Tarifkompromiss nicht möglich ist. Für die meisten Beschäftigten wäre das Arbeitgeberangebot nach Verdi-Rechnung nur ein Plus von 2 Prozent. “Die Beschäftigten der Luftsicherheitsunternehmen müssen für ihre schwere und verantwortungsvolle Aufgabe eine deutlich höhere Entlohnung erhalten”, sagte Verdi-Verhandlungsführer Benjamin Roscher.

Von den Warnstreiks sind die Flugzeuge samt Tower zwar nicht direkt betroffen. Da die Piloten und Flugbegleiter sowie die Passagiere und das Tower-Personal jedoch nicht oder nur sehr spät durch die Sicherheitsschleusen kommen könnten, dürften zahlreiche Flüge gestrichen werden – zumal die Maschinen wohl nicht wie üblich mit Koffern und Verpflegung beladen werden können.

Es sei “mit erheblichen Beeinträchtigungen des Flugbetriebs wie Flugausfällen und Verspätungen zu rechnen”, teilte der Flughafen Köln/Bonn mit. Vom Düsseldorfer Flughafen hieß es, man habe sich zwar “bestmöglich auf den Streik vorbereitet”. Dennoch sei mit langen Wartezeiten und Flugausfällen zu rechnen. Passagiere werden gebeten, sich vor Anreise bei der Airline zu informieren und früh loszufahren. Handgepäck solle auf ein Minimum reduziert werden, um die Kontrollen zu beschleunigen. Auch am Stuttgarter Airport rechnet man mit “erheblichen Einschränkungen”.

Die Linke im Bundestag forderte angesichts des Tarifkonflikts eine Verstaatlichung der Sicherheitsdienste an Flughäfen. “Die öffentliche Sicherheit darf nicht dem Gewinnstreben privater Sicherheitsdienstleister untergeordnet werden, erst recht nicht in einem sensiblen Bereich wie der Terrorabwehr an Flughäfen”, sagte Linke-Parlamentsgeschäftsführer Jan Korte der “Neuen Osnabrücker Zeitung” (Donnerstag).

Von: APA/dpa/Ag.