Gläubiger werden einen langen Atem brauchen

Aufarbeitung der Air-Berlin-Insolvenz dürfte Jahre dauern

Freitag, 25. August 2017 | 12:39 Uhr

Nach einem geplanten Verkauf der deutschen Air Berlin, Muttergesellschaft der österreichischen Niki, wird die Aufarbeitung der Insolvenz die Gläubiger der Airline voraussichtlich noch jahrelang beschäftigen. “Das Air-Berlin-Verfahren wird sich noch über mehrere Jahre hinziehen”, sagte Lucas Flöther, der vorläufige Sachwalter des Unternehmens, dem Magazin “Wirtschaftswoche”.

“Bei einer Konzerninsolvenz dieser Größenordnung reden wir von einem Zeitraum von sieben, acht Jahren, vielleicht auch mehr.” Erst nach der Verkaufs- und Stabilisierungsphase könne mit der eigentlichen Aufarbeitung der Insolvenz begonnen werden, sagte Flöther. Dabei solle auch die Verantwortung früherer Manager und Aufsichtsräte geprüft werden. “Wir werden genau analysieren, was zur Insolvenz von Air Berlin geführt hat”, kündigte Flöther an. “Sollte es Ansprüche gegen frühere Manager oder Aufsichtsräte geben, werde ich diese auch geltend machen.”

Flöther hat die Aufgabe, im Auftrag des Insolvenzgerichts zu prüfen, ob bei der Abwicklung der Fluggesellschaft alles korrekt läuft. Damit ist er an allen wichtigen Gesprächen im Rahmen des Insolvenzverfahrens beteiligt.

Die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) zeigte sich unterdessen skeptisch, ob eine Komplettübernahme von Air Berlin die beste Lösung für das Unternehmen wäre. Dies sei “zwar legitim”, sagte sie dem Berliner “Tagesspiegel” vom Freitag. Sie fügte aber hinzu: “Ob das substanziell ist, müssen diejenigen entscheiden, die die Verkaufsverhandlungen führen.” Fest stehe, “dass Air Berlin mit seinem Geschäftsmodell seit vielen Jahren Verluste schreibt”.

Air Berlin hatte vor über einer Woche Insolvenz angemeldet, am Mittwoch hatte der Gläubigerausschuss in seiner konstituierenden Sitzung zunächst beschlossen, den Betrieb und das Insolvenzverfahren fortzuführen. Verhandelt wird derzeit mit der deutschen AUA-Mutter Lufthansa und weiteren Interessenten an Air Berlin. Die Intro GmbH des Nürnberger Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl ist kommende Woche zu einem Sondierungsgespräch eingeladen. Auch der irische Billigfluganbieter Ryanair ist an einer Komplettübernahme interessiert.

Nach der Insolvenz der deutschen Niki-Mutter Air Berlin hat nun auch Topbonus, das Bonusprogramm der Fluggesellschaft, Insolvenzantrag gestellt. “Aufgrund der aktuellen Situation von Air Berlin und dem unmittelbaren Zusammenhang für das Vielfliegerprogramm hatte Topbonus keine andere Wahl, als diesen Schritt zu gehen”, teilte eine Sprecherin am Freitag mit. Das Sammeln und Einlösen von Meilen sei bis auf Weiteres nicht möglich. Air-Berlin-Kunden können ihre gesammelten Flugmeilen bereits seit Tagen nicht mehr gegen Gratisflüge oder andere Prämien einlösen.

Topbonus ist zu 70 Prozent in der Hand der arabischen Fluglinie Etihad, Air Berlin hält 30 Prozent. Air Berlin hatte am 15. August Insolvenz beantragt, nachdem Großaktionär und Partner Etihad der Fluggesellschaft die finanzielle Unterstützung entzogen hatte.

Von: APA/ag.