Bei der Deutschen Post gelten strenge Regeln, vor allem für Zusteller

Aufregung um Einstellungspraxis der Deutschen Post

Montag, 07. Mai 2018 | 13:35 Uhr

Das deutsche Finanzministerium hat die umstrittene Einstellungspraxis bei der Deutschen Post als “nicht hinnehmbar” kritisiert. Das Ministerium werde sich in Gesprächen mit der Post einen Überblick über die Lage verschaffen, sagte eine Sprecherin am Montag in Berlin. Nach Bekanntwerden von sogenannten Entfristungskriterien ist die Aufregung in der deutschen Politik über die Praxis groß.

Die “Bild am Sonntag” hatte berichtet, dass die Deutsche Post befristet angestellte Mitarbeiter nur dann unbefristet übernimmt, wenn sie in zwei Jahren nicht häufiger als sechsmal krank gewesen seien beziehungsweise nicht mehr als 20 Krankheitstage angehäuft haben. Den weiteren Kriterien folgend dürfen Mitarbeiter “höchstens zwei selbstverschuldete Kfz-Unfälle mit einem maximalen Schaden von 5.000 Euro” verursachen. Außerdem dürften Briefträger in drei Monaten nicht mehr als 30 Stunden länger für ihre Touren gebraucht haben als vorgesehen. Ein Sprecher der Deutschen Post in Bonn hatte den Bericht bestätigt.

Die Aufregung darüber erschließe sich ihm nicht, hatte der Post-Sprecher weiter gesagt: “Dass wir im Konzern überlegen, wer auf Dauer den Anforderungen gewachsen ist, das ist im Interesse aller Beteiligten, insbesondere der Kunden.” Die Tätigkeit des Briefträger sei auch körperlich anstrengend. Im Übrigen lege die Post aber keine Schablonen an, sondern berücksichtige immer das Gesamtbild. Da Zusteller im Moment dringend gesucht würden, könne man außerdem davon ausgehen, dass die Auswahl nicht nach zu strengen Kriterien erfolge. Innerhalb des vergangenen Jahres habe die Post rund 9.000 befristete Arbeitsverhältnisse in unbefristete überführt. Dieses Jahr habe der Konzern bereits 2.500 unbefristete Stellen geschaffen.

Der deutsche Staat werde im Rahmen seiner Möglichkeiten als Anteilseigner darauf hinwirken, dass sich die Praxis ändere, teilte das Finanzministerium mit. Es werde daneben prüfen, ob bei Unternehmen mit Bundesbeteiligung ähnliche Sachverhalte vorliegen. Der deutsche Staat hält über die Staatsbank KfW knapp 21 Prozent an der Deutschen Post. Konkret will das Finanzressort, das im Zuge der deutschen Regierungsbildung von der CDU zur SPD wanderte, auch die 105 anderen Unternehmen mit deutscher Bundesbeteiligung wegen möglicher Befristungen von Arbeitsverträgen unter die Lupe nehmen. Der Bund werde von seinem Recht Gebrauch machen, von allen Firmen, in denen der Bund im Aufsichtsrat vertreten sei, einen Bericht anzufordern, so die Sprecherin.

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte am Sonntagabend bereits angekündigt, dass bei allen Behörden und Folgebehörden des Bundes die Zahl der sachgrundlos befristeten Beschäftigungsverhältnisse geprüft werden und dafür gesorgt werden solle, dass die Befristungsquoten gesenkt werden. Der deutsche Bund ist unter anderem an den ehemaligen Staatskonzernen Deutsche Post und Deutsche Telekom beteiligt und alleiniger Anteilseigner der Deutschen Bahn.

Von: APA/dpa/ag.

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