Raidl sieht großes Verbesserungspotenzial

Austrian Health Academy als neue Gesundheits-Denkfabrik

Dienstag, 29. Mai 2018 | 13:05 Uhr

Mit der Austrian Health Acadamy (aha) hat sich am Dienstag eine nach eigener Definition “einzigartige Denkfabrik” vorgestellt. Sie will nach neuen Wegen zu einer tragfähigen und zukunftsorientierten Gesundheitspolitik forschen. Als Präsident fungiert Nationalbank-Präsident Claus Raidl. Das Jahresbudget soll etwa zwei Millionen Euro betragen.

Der Mitbegründer und Obmann von aha, der Immobilienunternehmer Michael Kraus, erläuterte, dass man in einer objektiven und neutralen Position das zahlreich vorhandene Wissen zusammenführen wolle. Das Patienteninteresse müsse dabei im Vordergrund stehen. Mit Studien, verschiedenen Veranstaltungen, Newslettern und über soziale Medien will man sich an die Öffentlichkeit wenden. Ziel ist es, das Informationsniveau und die Transparenz zu steigern. Kraus ist durchaus optimistisch, dass aha dann auch von den Entscheidungsträgern gehört wird, wenn die Politik merkt, dass man den Rückwind der Bevölkerung habe.

Die Denkfabrik strebt ein Jahresbudget von etwa zwei Millionen Euro an. Das Geld soll vor allem über Sponsoren und Förderer aufgebracht werden, die dafür auch Mitspracherecht bekommen. Zahlreiche Fördermitglieder wurden bereits angesprochen, schon in wenigen Wochen will man soweit finanziert sein, dass man Projekte in Angriff nehmen kann, erläuterte Kraus.

Raidl betonte, dass die Denkfabrik “völlig ungebunden” sei und damit die Chance habe, über Partikularinteressen hinaus zu rationalen Lösungen zu kommen, bei denen der Patient im Mittelpunkt steht. Dabei wolle man auf ein Gremium von ungebundenen Wissensschaftern zurückgreifen, die im wissenschaftlichen Beirat vertreten sind. Inhaltlich sprach sich Raidl für eine bundeseinheitliche Spitalsplanung statt der derzeit neun Bundesländer-Regelungen aus. Dass er damit an Tabus rüttle, wisse er, sagte Raidl.

Die Ökonomin und Gesundheitsexpertin Maria Hofmarcher, stellvertretende aha-Obfrau, nannte vier weitere Schwerpunkte, denen man sich zunächst widmen wolle. Dabei gehe es erstens um einen rascheren Ausbau der Primärversorgung. Für chronisch Kranke will man zu einer besseren Versorgung beitragen. Drittens gehe es um eine Verantwortung und Finanzierung aus einer Hand. Dies solle in einer Modellregion ausprobiert werden. Und viertens will sich die Denkfabrik dem aktiven und gesunden Altern widmen. Der Neurologe und Psychiater Otto Lesch, der als stellvertretender aha-Präsident fungiert, betonte, dass die Gesundheit der Bevölkerung ein hohes Gut sei und man deshalb auch die finanziellen Prioritäten so setzen sollte. “Will ich Geld ausgeben für die Gesundheit oder für den Lobau-Tunnel.”

Noch keine offizielle Position hat die Denkfabrik zu der von der Regierung geplanten Sozialversicherungsreform. Sowohl Hofmarcher als auch Raidl begrüßten es aber, dass eine Debatte über die Struktur begonnen wurde. Hofmarcher sieht in der Zusammenlegung der Krankenversicherungen “eine Möglichkeit, aber nicht die einzige”. Die genannten Einsparungen von einer Milliarde kann sie nicht nachvollziehen und es stört sie auch, dass von Versorgungszielen dabei nicht die Rede ist.

Auch Raidl findet die Zusammenlegung “vollkommen richtig”, er warnt aber davor, in der geplanten “Österreichischen Gesundheitskasse” den Partikularinteressen der Länder wieder Vorrang einzuräumen. Lesch hätte hingegen den umgekehrten Weg bevorzugt, zuerst die für die Bürger notwendigen Leistungen zu definieren und erst danach die Organisation anzupassen.

Von: apa

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