Auch VW steht wegen Coronavirus auf der Produktionsbremse

Autofabriken in Europa stehen wegen Viruskrise still

Montag, 16. März 2020 | 19:44 Uhr

Wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie werden immer mehr Autofabriken in Europa geschlossen. Nach Fiat Chrysler kündigte am Montag auch der Opel-Mutterkonzern PSA an, seine europäischen Werke vorerst bis 27. März dicht zu machen. Opel hat auch ein Werk in Wien-Aspern. Auch der Fahrzeugbauer Magna Steyr in Graz stellt seine Produktion für zwei Wochen ein.

Der wesentliche und wichtigste Grund für die vorübergehende Schließung aller Werke der PSA-Gruppe – dazu gehört in Österreich das Opel-Werk Wien-Aspern – sei der Erhalt der Gesundheit der Mitarbeiter. Das betonte der Sprecher der PSA-Gruppe in Österreich, Christoph Stummvoll am Montagabend gegenüber der APA. Die Produktion ruht vorerst bis 27. März.

Der Peugeot-Hersteller PSA führte als Gründe für das Herunterfahren aller europäischen Fabriken Unterbrechungen in der Zulieferkette und einen deutlichen Rückgang auf den Automobilmärkten an. Das bestätigte auch Stummvoll. Sein Unternehmen lege ein wesentliches Augenmerk verfolge hohe Standards bezüglich der Gesundheit und Arbeitssicherheit, betonte der Sprecher.

Im Jänner war bekanntgeworden, dass es ab Mitte 2020 keine Motorenproduktion mehr in Wien-Aspern geben soll. Das könnte bis zu 270 Jobs kosten. Ein Sozialplan für die Betroffenen ist vorhanden. Ab Mitte des Jahres sollen am Standort nur noch Getriebe produziert werden

“Das Werk ist vor allem durch den Mangel an verfügbaren Teilen für die Gesamtfahrzeugproduktion betroffen.” Daher werde der Betrieb ab morgen, Dienstag, bis 30. März vorübergehend eingestellt. Die Maßnahme sei von der Werksleitung von Magna Steyr mit den Arbeitnehmervertretern abgesprochen worden. Nach dem 30. März soll wieder wie gewohnt weitergearbeitet werden. Man sei in täglichem Austausch mit Kunden, von denen viele Planänderungen und in einigen Fällen Betriebsschließungen angekündigt worden seien.

“Magna wird weiterhin Informationen der Weltgesundheitsorganisation sehr genau beachten. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit den örtlichen Gesundheitsbehörden und unseren Kunden in verschiedenen Ländern zusammen, in denen wir weiterhin die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Mitarbeiter in den Mittelpunkt stellen, die Verbreitung von Covid-19 begrenzen und die Produktionspläne unserer Kunden einhalten, soweit dies möglich ist.”

Der ohnehin kriselnde Autobauer Renault stoppt seine Produktion in Frankreich. Davon seien zwölf Werke mit 18.000 Mitarbeitern betroffen, teilte der Konzern mit. Volkswagen fährt die Fertigung von Seat im spanischen Martorell und im VW-Werk in Navarra herunter. Auch das VW-Werk in der Nähe von Lissabon drosselt die Produktion. Grund ist dort ein Mangel an Arbeitern, nachdem die portugiesische Regierung die Schließung aller Schulen angeordnet hat.

Volkswagen erwägt einem Insider zufolge außerdem, wegen fehlender Teile die SUV-Produktion im Stammwerk in Wolfsburg an zwei Tagen auszusetzen. Ein VW-Sprecher sagte, die Versorgung der Werke mit Teilen werde durch die Grenzschließungen in Europa immer herausfordernder. Bisher sei die Versorgung der deutschen Werke aber gewährleistet. Die US-Fabrik in Chattanooga soll zunächst für einen Tag heruntergefahren werden. Man will sehen, wie viele Mitarbeiter überhaupt zur Arbeit erscheinen.

Bei Audi stockt die Produktion im Werk Brüssel, weil Mitarbeiter aus Sorge um den Virenschutz die Arbeit vorübergehend niedergelegt haben. Die Bedenken seien in Gesprächen zwischen Gewerkschaftsvertretern und Management ausgeräumt worden, sagte ein Sprecher. Unabhängig davon kämpft Audi in Brüssel seit Monaten mit Nachschubproblemen bei Batteriekomponenten für seinen Vorzeige-Elektrowagen E-Tron. An allen übrigen Audi-Standorten laufe die Produktion normal.

Bei BMW gab es keine Produktionseinschränkungen. “Es gibt derzeit keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in unserer Lieferkette”, teilte der deutsche Autobauer mit. Die Frage von Kurzarbeit stelle sich für BMW derzeit nicht. Daimler äußerte sich zunächst nicht.

Fiat Chrysler teilte mit, in den italienischen Fabriken Melfi, Pomigliano, Cassino, Mirafiori, Grugliasco und Modena werde zwei Wochen nicht gearbeitet. Die Produktion im serbischen Kragujevac und das polnische Werk Tychy würden ebenfalls geschlossen. Die vorübergehende Aussetzung ermögliche es dem Autobauer, auf die gesunkene Pkw-Nachfrage effektiv zu reagieren. Der italienisch-amerikanische Autobauer hatte vergangene Woche bereits angekündigt, einige Fabriken an zwei Tagen in der Woche ruhen zu lassen.

Der Luxussportwagenbauer Ferrari hat als Reaktion auf die Viruskrise ebenfalls die beiden Werke in Maranello und Modena bis 27. März dichtgemacht. Der zu Volkswagen gehörende Rivale Lamborghini hat bis 25. März einen Produktionsstopp verhängt. Italien ist besonders hart von der Epidemie getroffen, das ganze Land steht praktisch still. In Spanien gelten ähnliche Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Der US-Autobauer Ford hält die Bänder in einem Werk in der Türkei vorübergehend an. Im Werk im deutschen Saarlouis lassen die Amerikaner eine Schicht ausfallen, weil viele Mitarbeiter aus der ostfranzösischen Region Elsass/Lothringen einpendeln, die als Coronavirus-Risikogebiet gilt. “Wir haben erstmal entschieden, dass wir die Kolleginnen und Kollegen 14 Tage zuhause zu lassen”, sagte ein Ford-Sprecher.

Experten rechnen damit, dass die Autonachfrage europaweit massiv sinken wird, weil in Zeiten von Corona kaum jemand an den Kauf eines neuen Fahrzeugs denkt. In China, wo die Epidemie ihren Ursprung hat, läuft es dagegen besser. Dort gehen immer mehr Werke wieder ans Netz.

Von: APA/ag.