Neuwagen sollen 37,5 Prozent weniger Kohlendioxid in die Luft blasen

Autoindustrie und NGOs kritisieren CO2-Vorgaben für Pkw

Dienstag, 18. Dezember 2018 | 14:14 Uhr

Die Europäische Union will bis 2030 deutlich klimafreundlichere Autos auf die Straße bringen. Neuwagen sollen dann im Schnitt 37,5 Prozent weniger Kohlendioxid in die Luft blasen als 2021. Die Autoindustrie kritisierte die neuen Vorgaben umgehend als überzogen und unrealistisch. Den Umweltorganisationen sind die Ziele hingegen zu wenig ambitioniert, es sei technisch mehr machbar.

Die Vorgaben sind schärfer, als die Autoindustrie und die deutsche Regierung dies ursprünglich wollten. Zu schaffen sind sie nur, wenn neben Benzin- und Diesel-Autos auch immer mehr Fahrzeuge ohne Emissionen verkauft werden, also etwa reine Elektroautos. Die Hersteller müssen sich also schnell umstellen und warnen vor Jobverlusten. Der europäische Verbraucherverband BEUC unterstreicht aber, dass niedrige CO2-Werte auch weniger Verbrauch bedeuten und Fahrer bei neuen sparsamen Modellen Sprit und Geld sparen können.

Köstinger sieht nach dem Beschluss die Automobilhersteller in der Pflicht. “Es muss natürlich alles dafür getan werden, dass Autos in Hinkunft auch leistbar sind”, sagte Köstinger am Dienstag in Brüssel. Wenn die Hersteller ihre Versprechen der Vergangenheit eingehalten hätten, gäbe es jetzt weniger Diskussionen.

“Wir haben am Sonntag das Pariser Abkommen in Kattowitz bestätigt und uns klar für Reduktionsziele und Klimaschutz ausgesprochen”, sagte Köstinger. Es stehe außer Frage, dass die Automobilhersteller dabei eine große Rolle spielten. “Die Technologie ist schon sehr weit.”

Europaabgeordnete begrüßten die Einigung mehrheitlich. Der CDU-EU-Parlamentarier Peter Liese sprach von einem guten Kompromiss, der ambitionierten Klimaschutz mit Arbeitsplatzsicherung verbinde”, der verkehrspolitischer Sprecher der Sozialdemokraten, Ismail Ertug, bezeichnete die Ziele als machbar und den Kompromiss als ausgewogen. Die umweltpolitische Sprecherin der Grünen, Rebecca Harms, kritisierte, die Vereinbarung bleibe “weit hinter dem zurück, was notwendig wäre um ernsthaft auf die Ziele des Pariser Klimaabkommens hinzuarbeiten”.

Die Umweltschutzorganisation Global 2000 kritisierte die Vorgaben als “zu ambitionslos”. Um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen hätte es eine “viel stärkere Reduktionen von mindestens 70 Prozent” gebraucht, was “technisch machbar und notwendig” sei, heißt es in einer Aussendung vom Dienstag.

Dass Teile der Autoindustrie die Ziele für unrealistisch halten, sei auf eine “verfehlte Modellpolitik mancher Hersteller zurückzuführen”, kritisiert Global 2000 weiter. Mit der Bewerbung von “spritfressenden SUVs” stellten sich die Hersteller selbst ein Bein, wird der Klima- und Energiesprecher der Umweltorganisation, Johannes Wahlmüller, zitiert. Zahlreiche Staaten hätten bereits beschlossenen, ab dem Jahr 2030 nur noch völlig emissionsfreie Pkw-Modelle neu zuzulassen.

Beim Verkehrsclub Österreich (VCÖ) sieht man die Einigung dagegen als “wichtigen Schritt zum Klimaziel und zur Reduktion des realen Spritverbrauchs”. Allerdings müssten rasch weitere folgen, da der tatsächliche Spritverbrauch in Österreich kaum gesunken sei. So liegt der reale Verbrauch von Diesel-Pkw aktuell bei rund 6,5 Liter pro 100 Kilometer und damit nur um etwa einen halben Liter niedriger als im Jahr 2000. Bei Benzin-Pkw sank er im selben Zeitraum von 8,8 auf 7,1 Liter. “Es ist höchste Zeit, dass die Hersteller auch beim Spritverbrauch die Verbesserungen nicht nur am Prüfstand und damit nur am Papier erzielen, sondern auch beim tatsächlichen Fahren auf der Straße”, forderte VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen.

Von: APA/dpa

Kommentare

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14 Kommentare auf "Autoindustrie und NGOs kritisieren CO2-Vorgaben für Pkw"


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Dagobert
Dagobert
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

Gut so, nehmt zuerst die Autoindustrie in die Mangel, bevor sie uns ihre Dreckschleudern verkaufen, anstatt uns nach dem Kauf mit Fahrverboten abzustrafen.

tresel
tresel
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

in nicht allzu ferner zukunft werden dann die E autos bekämpft da man erkennt welche enormen schäden die gewinnung der rohstoffe und herstellung der akkus die ja auch entsorgt werden müssen bringen.

fqzvkw
fqzvkw
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Batterien können zu  99% recycelt werden, was bei CO2 im Moment sehr unwirtschaftlich ist…

tresel
tresel
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

@fqzvkw dann werden wohl die rohstoffe für akkus und allem drum und dran, die herrstellung der betrieb und die entsorgung mit grüner energie von statten gehn oder etwa mit den windrädern am brenner betrieben?

tschonwehn
tschonwehn
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Reine Elektroautos sind Unfug. Da wird der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben. Dazu werden Unmengen von Silizium benötigt, für die ganz Chile oder Bolivien umgegraben und in Schutthalden verwandelt werden. Seltene Erden sind, wie der Name schon sagt, selten und schwer zu finden. Die einzig vernünftige Lösung, bei der auch die Energiebilanz stimmt, ist Wasserstoff. Brennstoffzellenautos sind leicht herzustellen und das vorhandene Tankstellennetz ist leicht zu konvertieren.

fqzvkw
fqzvkw
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage
Sie bringen da einiges durcheinander: Silizium ist in rauen Mengen auf der Erde verfügbar und keine “seltene Erde” (im Gegenteil es ist eines der am meisten vorkommenden Elemente auf der Erde) und wird auch nicht in Bolivien abgebaut. Auch wird es nicht in Unmengen benötigt, sonder nur für die Elektronik im Bereich von einigen g. Was sie meinen Ist Lithium. Auch dieses Element ist nicht selten. Aber es wird in großen Mengen benötigt, und da es in Salzen gebunden, in großen Mengen, in Bolivien und Chile vorhanden ist wird es dort abgebaut. Es gibt aber noch andere Vorkommen… Ich bin… Weiterlesen »
tschonwehn
tschonwehn
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

@fqzvkw ja klar, meinte auch Lithium. War ein Aussetzer ☺

IchSageWasIchDenke
1 Monat 4 Tage

In einem Bericht (weiß nicht mehr wo) habe ich gelesen, abgesehen davon daß die Produktion der gesamten Komponenten für Elektroautos auch wieder der Umwelt schadet, durch Co2 Austoss, lange Transportwege usw usw, würde man mit “grüner” Energie kaum die benötigten Mengen produzieren können und so auf Kohle- und Atomstrom zurückgegreifen müsste

m69
m69
Kinig
1 Monat 4 Tage

tschonwehn  

Wiki

Die größten Ressourcen sind in Argentinien (9,8 Mio. Tonnen), Bolivien (9 Mio. Tonnen), Chile (8,4 Mio. Tonnen), China (7 Mio. Tonnen), USA (6,8 Mio. Tonnen) und Australien (5 Mio. Tonnen) sowie Kanada und Kongo. In Europa hat Portugal(100.000 Tonnen) die größten Vorkommen. In Brasilien und Mexiko gibt es Ressourcen von jeweils 180 000 Tonnen

l OneManArmy l
l OneManArmy l
Superredner
1 Monat 4 Tage
Es scheint als würde die Industrie nicht verstehen wollen, dass wenn sie so weiter machen wie bissher sie in 50 jahren auf einen verwüsteten Planeten ihre Autos verkaufen können. Golfstrom etc wird immer schwächer, weniger Algen (produzieren mehr als 50% des Sauerstoffs auf der Erde, mehr als Bäume), extremes Klima. Aber wichtiger sind die schwarzen Nullen auf der Bank anstatt zu überleben. „Arbeitsplätze in gefahr“, als würde das irgend einen Großkonzern als Aktiengesellschaft auch im geringsten interessieren. Hätte man nicht beschissen, insgesammt ca 25 milliarden € Strafen bezahlt, hätte man jetzt locker das Geld um die nötigen Investitionen in Infrastruktur,… Weiterlesen »
IchSageWasIchDenke
1 Monat 4 Tage
Paul
Paul
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

dann wird eben nochmehr getrickst

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 4 Tage

Frage dazu:machen Die Sich nicht strafbar Die das leere Auto laufen lassen ????Da ist es noch in weiter Ferne das Verständnis für die Umwelt.

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